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Freigeschwommen: Kulturschiff "Nike" läuft demnächst Dresden an

Freigeschwommen: Kulturschiff "Nike" läuft demnächst Dresden an

Der Humor ist den Leuten hinter der Idee nicht ausgegangen, auch wenn es wohl Momente gegeben hat. "Ein Schiff wird kommen" hatte der Dresdner Verein Kultur Aktiv seine Pressemitteilung überschrieben, in spaßeshalber Anlehnung an einen alten Schlager.

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Noch liegt die "Nike" im Trockendock, wird um- und ausgebaut. Schon im März wird sie zu Wasser gelassen und auf der Elbe schippern.

Quelle: PR

Und im Augenblick sieht es tatsächlich danach aus, als würde demnächst ein etwas anderer Kahn erstmals am hiesigen Elbufer festmachen: ein schwimmendes Kulturhaus. Derzeit wird auf einer Werft im tschechischen Decin dafür gesorgt, dass die Umbauarbeiten in einem eng gestrickten Zeitplan über die Bühne gebracht werden.

Das besagte schwimmende Kulturhaus trägt den bezeichnenden Namen "Nike" und ist ein Lastkahn, der einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat und dem nun völlig neues Leben eingehaucht wird. Wo früher verschiedenste Fracht im Schiffsbauch ihren Platz fand, soll sich künftig Kulturpublikum tummeln. Dafür, so der Plan, soll der Kahn, dessen Projektname "Cargo Gallery" lautet, nach dem Stapellauf Mitte März und großer musikalischer Eröffnung mit zehn Bands aus Tschechien und Deutschland anschließend erstmals Richtung Deutschland schippern - und schließlich in der Nähe der Albertbrücke anlegen, wo er vom 19. bis 22. März Ort eines Symposiums und einer großen Willkommensparty werden soll.

Die Macher hinter der Idee wollen aber weit mehr auf die Beine stellen als Kleinkultur auf Planken, die dann entweder in Prag oder Dresden vor Anker geht. "Perspektivisch ist der grenznahe Raum viel interessanter", sagt Mirko Sennewald vom Verein Kultur Aktiv. Grenznah heißt: so ziemlich alles zwischen Decin, Ústí nad Labem, Bad Schandau, Pirna - bis hin nach Meißen. "In Dresden gibt es kulturell ja so ziemlich alles, der Markt ist dicht. Einen zweiten Theaterkahn braucht niemand, und das wollen wir auch nicht sein", umreißt Sennewald das, was man vielleicht noch nicht eine Planung, aber zumindest eine ausgereifte Ahnung nennen kann. Kulturprogramm an Orten, denen feste, größere Kultureinrichtungen nicht unbedingt gängig sind, was auch für die tschechische Seite zutrifft. Deshalb würden sich vor allem die Kommunen in Ústí und Decin schon freuen, erzählt Sennewald. Und sei die mit zwei 256 PS starken Motoren angetriebene "Nike" mal nicht in Sachen Kultur unterwegs, habe ihr Decin kostenlos einen kommunalen Liegeplatz zugesichert, fügt er an.

Das ist aber noch die etwas weiter liegende Zukunft. Jetzt heißt es Umbau-Schlussspurt. Schließlich soll unter anderem ein großes Sonnendeck geschaffen werden, mit Platz für etwa 90 bis 100 Leute und natürlich Café-Betrieb. Darunter, eingefasst von großen Glasfronten und somit tageslichtdurchflutet, finden bei Veranstaltungen bis zu 320 Menschen stehend oder 130 mit Bestuhlung Platz. Das zeigt auch bereits die breite Palette, die kulturell angeboten werden soll. Last but not least ist das Schiff auch besagte "Cargo Gallery", also Ausstellungsraum. Wie der wechselnd bespielt werden kann, wird sich zeigen. Sennewald träumt darüber hinaus von möglichen Filmnächten auf der "Nike", wenn das 72 Meter lange Schiff im Sommer beispielsweise in Orten in der Sächsischen Schweiz anlegt.

Die Vorgeschichte ist aber nicht weniger interessant als das, was nun folgen soll. Und sie ist, wie so oft, eine Geschichte des Geldes. Gekauft wurde der Kahn vor dreieinhalb Jahren von tschechischen Künstlern, die ihn für Ausstellungen nutzen wollten. Dann kamen die deutschen Partner hinzu und damit die Chance einer EU-Förderung, ausgereicht durch die Sächsische Aufbaubank (SAB). Ursprünglich waren für den Umbau rund 1,9 Millionen Euro veranschlagt, davon allein 1,5 Millionen Euro auf tschechischer Seite. Das sei auf insgesamt etwa 440 000 Euro zusammengestrichen worden, weil die SAB diese Summe einfach nicht gehabt habe. Danach folgte eine Zeit des Wartens auf sogenannte Rücklaufgelder, die in anderen Projekten nicht gebraucht oder nicht abgerufen worden waren. "2014 ging dann alles Knall auf Fall", fasst Sennewald die Story zusammen. Unterm Strich flossen etwa 800 000 Euro in das Projekt, "damit war der Ausbau umzusetzen". Sein Resümee lautet mit Blick auf die SAB aber auch: "Die Zusammenarbeit war katastrophal, vor allem im Vergleich zur Kulturstiftung des Freistaates oder sogar zu Brüssel. Das muss mal gesagt werden, sonst macht das ja keiner."

Langsam aber stellt sich bei Sennewald und seinem Kompagnon Nils Brabandt sowas wie kribbelnde Vorfreude ein. Übrigens können sich noch bis zum 31. Januar Bands für den Eröffnungs-Band Jam am 14. März in Decin bewerben. Aus den Einsendern werden fünf Gewinner ausgewählt, die mit ihren Fans in einem Bus nach Decin fahren und dort spielen dürfen. Außerdem haben alle sächsischen Bands, die sich anmelden, Chancen auf Line ups verschiedener osteuropäischer Festivals 2015. Verlockende Angebote.

www.nikeos.cz/de/index.htm; www.kulturaktiv.org

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.01.2015

Torsten Klaus und Juliane Just

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