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Freier Musikverein "Paukenschlag" feiert Jubiläum

Freier Musikverein "Paukenschlag" feiert Jubiläum

Seit nunmehr 20 Jahren hat Maria Gerloff für "ihren" Musikverein ein Grundprinzip: "Gemeinsames Musizieren steht und stand immer im Mittelpunkt.

Von Annette Thoma

Das Ideal des Vereins ist, die ganze Familie mit einzubringen."

Maria Gerloff ist die Gründerin und Geschäftsführerin des Freien Musikvereins "Paukenschlag", eine der ersten privaten Musikschulen nach der Wende. "Ich wurde oft gefragt, warum ich in so einer chaotischen Zeit einen Musikverein gründen wollte. Aber ich bin überzeugt, dass es nur in so einer ,Gründerzeit' möglich war."

Sie war damals mit dem bestehenden Musikschulwesen unzufrieden, das den Sinn des Unterrichts meist auf das zu steigernde Niveau der Schüler beschränkte. "Dabei ist Musik doch viel mehr. Sie dient der Persönlichkeitsentwicklung, fördert die Konzentrationsfähigkeit und das strategische Denken. Für nonverbale Kommunikation sensibilisiert die Musik ebenso." Um das zu erreichen, muss man allerdings "klug üben, denn das Erlernte kann man das ganze Leben gebrauchen". Sozialpädagogische Aspekte sind ihr wichtiger als die Perfektion am Instrument oder der Stimme.

Auch wenn es dem Musikverein heute gut geht und jeder Platz für Schüler bis zum Sommer besetzt ist - die Zeit nach der Gründung verlief nicht ohne Probleme: "Unsere ersten Übungsräume waren noch im Erbgericht untergebracht, das mittlerweile abgerissen wurde. Alles war marode und es herrschten chaotische Zustände." Aber auch der Bürokratismus machte Maria Gerloff zu schaffen. "Die gesamte Organisation und das Betriebsrecht musste ich erst erlernen. Das war sehr schwierig, weil ich mich vorher nie mit so etwas auseinander gesetzt habe. Ich ging oft an die Grenzen meiner Kraft", erzählt sie.

Aber sie hat es geschafft: Vor 20 Jahren fing sie mit acht Lehrern an - sie selbst unterrichtet Gitarre, damals wie heute - und nun sind es 30. Sie legt sehr großen Wert auf das qualitativ hohe Ausbildungsniveau der Lehrerschaft, alle haben ein Studium im musikalischen Bereich absolviert.

Das Angebot der Musikschule entwickelte sich ebenso weiter. Im Instrumentalbereich ist eigentlich alles gefragt, nur die Holz- und Blechbläser eher weniger. "Aber Trompete und Blockflöte sind davon ausgenommen. Dieses Angebot wird häufig genutzt", erklärt die Geschäftsführerin. Gesangsunterricht ist ebenso vertreten wie die musikalische Früherziehung. Letzteres Angebot richtet sich an Kinder ab drei Jahren. Jeweils ein Mal pro Woche proben ein Chor und ein Instrumental-Ensemble für Erwachsene und ein Kinderchor in der Musikschule. Für das Ensemble muss man übrigens nicht zwingend Vereinsmitglied sein. "Es geht hier um das eigentliche Ziel: gemeinsames Musizieren. Viele Familien sind Mitglieder im Ensemble oder in den Chören."

Wer sich in der Instrumentenwahl nicht sicher ist, dem kann im Musikverein geholfen werden. Der sogenannte Karussellunterricht richtet sich an Unentschlossene jeden Alters, die in verschiedene Instrumentalfächer reinschnuppern wollen. Maximal vier Instrumente können jeweils in vier Unterrichtsstunden ausprobiert werden. "Gerade Kinder lernen dabei nicht nur die Instrumente kennen, sondern auch die Lehrer", ergänzt Gerloff. Bei einem guten Unterricht müsse schließlich beides passen.

Anlässlich des zwanzigsten Jubiläums des Musikvereins haben die Mitglieder und die Ensembles ein Singspiel erarbeitet, das sie am 23. und 24. März in der Akademie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) aufführen. Der Titel des Stücks lautet "Die Vorstadtmusikanten" und ist frei nach dem Märchen "Die Bremer Stadtmusikanten" umgetextet und neu vertont worden. "Mit diesem Singspiel schließt sich ein Kreis", erläutert Maria Gerloff. "Im ersten Jahr nach der Gründung des Vereins haben wir das Märchen in der Originalfassung aufgeführt." Durch die komplette Überarbeitung ist es allerdings ein völlig neues Stück geworden: "Das Märchen ist nicht mehr im heutigen Sinne. Wir haben den Gedanke und die Moral des Stücks noch einmal hinterfragt. Besonders das Ende ist bei uns ganz anders." Die Umdichtung des Textes und die Regie hat der erst 18-jährige Abiturient Lukas Schädler übernommen, die Musik stammt aus der Feder von Maria Gerloff selbst. Insgesamt wirken 66 Leute an dem Singspiel mit. Die meisten sind Schüler des Musikvereins und Ensemble-Mitglieder, unter den Schauspielerin gibt es einige Gäste.

Für die Zukunft hat die Leiterin ebenfalls schon Pläne. Die sind allerdings anderer Natur, als mancher von der sympathischen Musikerin erwartet hätte: "Im Sommer nächstes Jahr werde ich in den Ruhestand gehen. Die Ensemble-Leitung und den Gitarren-Unterricht führe ich zwar noch weiter, aber die organisatorische Leitung gebe ich ab." Ihr Nachfolger im musikalischen und organisatorischen Bereich wird dann Alexander Karadschow. "Er brennt genauso für die Sache, wie ich es getan habe. Ich habe ein sehr gutes Gefühl bei ihm." Alexander Karadschow ist momentan für die musikalische Früherziehung zuständig und gibt Geigenunterricht. "Er hat bei uns einen regelrechten Geigen-Boom ausgelöst. Alle Kinder wollen bei ihm Unterricht haben", schwärmt sie.

Und was wünscht sie sich für die nächsten 20 Jahre? "Die Entwicklung des Vereins soll so weitergehen wie in den letzten fünf Jahren. In Klotzsche sind wir ein Anlaufpunkt, aber es wäre schön, wenn wir unseren Bekanntheitsgrad über die Stadt hinaus erweitern könnten. Und ich will noch viele verrückte Ideen umsetzen!"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.03.2012

i  Die Aufführungen des Singspiels "Die Vorstadtmusikanten" finden am 23. März um 19 Uhr und am 24. März jeweils um 11 und 15 Uhr statt. Am 24. wird zudem ein Kinderfest gefeiert. Ort ist die DGUV-Akademie in der Königsbrücker Landstraße 2-4. Der Eintritt ist frei; Informationen zum Freien Musikverein Paukenschlag: Sagarder Weg 3 (im Fontane-Center, zu erreichen unter Tel.: 8805029; www.musikverein-paukenschlag.de.

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