Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 1 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Frauke Roth hat die Leitung der Dresdner Philharmonie übernommen

Frauke Roth hat die Leitung der Dresdner Philharmonie übernommen

Frage: Vor mehr als einem Jahr haben Sie Ihren Vertrag als Intendantin der Dresdner Philharmonie unterschrieben, jetzt haben Sie Ihr Amt angetreten.

Mit welchem Gefühl?

Frauke Roth: Ich bereite mich seit anderthalb Jahren sehr intensiv vor, aber es ist doch noch einmal etwas Besonderes, wenn die Tätigkeit an Fahrt aufnimmt. Der Wechsel mitten in der Spielzeit ist ungewöhnlich, mitten im laufenden Betrieb mussten wir den Übergang organisieren und die nächste Saison schon extern vorbereiten.

Wie haben Orchester und Verwaltung Sie aufgenommen, worin sehen Sie dringliche Aufgaben?

Ich empfinde eine sehr hohe Aufgeschlossenheit und einen Drive, jetzt gemeinsam mit mir ein neues Kapitel aufzuschlagen. Ich möchte über das hinaus, was die normale Konzerttätigkeit des Orchesters ausmacht, einige neue Akzente setzen. Genaueres werde ich dazu bei der Präsentation des neuen Konzertplanes im April sagen können. Es ist völlig klar, dass wir bei gleichbleibendem hohen Anspruch an das Konzertangebot noch mehr in Richtung Öffnung zu neuem Publikum, jungen Leuten und Familien unternehmen wollen. Die Veranstaltungsformate werden dafür auch weiter profiliert werden. Mit Tourneen und CD-Produktionen werden wir Akzente setzen, die die Qualität des Orchesters im internationalen Vergleich etwas messbarer werden lassen.

Wie wollen Sie neues Publikum gewinnen?

Dafür gibt es verschiedene Ansätze: In Großstädten hat man beispielsweise Erfolg damit, auch Konzerte z.B. um 22 Uhr zu veranstalten, bevor die jungen Leute dann in ihre Clubs gehen. Wie es Michael Sanderling bspw. in der Tonhalle Zürich erlebt hat und begeistert war. Wir müssen uns auf die Gegebenheiten hier in unserer Stadt einlassen. Dresden ist ja außerdem durch Zuzug und Geburten eine ständig wachsende Stadt, es gibt also ein hohes Potenzial an Menschen, die sich noch orientieren. Und auch die Möglichkeiten des Tourismus hat die Philharmonie noch nicht voll ausgeschöpft.

In naher Zukunft wird es einen attraktiven neuen Konzertsaal geben. Wie sehen die genauen Planungen und Kompetenzverteilungen für den künftigen Kulturpalast aus?

Dafür gibt es belastbare Stadtratsbeschlüsse und Aufgabenstellungen, die mir über die Verwaltungsspitze kommuniziert wurden, für die Erarbeitung eines Bespielungskonzepts unter Einbeziehung der Messe Dresden und der Dresdner Musikfestspiele. Die KID (die städtische Eigengesellschaft Kommunale Immobilien Dresden Verwaltungs GmbH, d.A.) ist Bauherr und späterer Vermieter. Unter einem Dach werden die Dresdner Philharmonie als Hauptnutzer des Konzertsaals, die Zentralbibliothek, die Messe Dresden, die Herkuleskeule, das Besucherzentrum Frauenkirche und die Dresden Information ihre Angebote machen.

Bei wem liegt die inhaltliche Gesamtverantwortung?

Der Ratsbeschluss sagt, dass die Hauptverantwortung für die Genres Klassik, Jazz, Weltmusik bei der Dresdner Philharmonie liegen, und dass der Bereich U-Musik von der Messe Dresden verantwortet werden soll. Die Betreibung des Kulturpalasts, u.a. was Fragen wie Reinigung und Erhaltung, Technik usw. betrifft, wird in der Verantwortung der KID liegen.

Das heißt, die Philharmonie wird wie die anderen Mieter Mietzahlungen an die KID leisten...

Ja.

Wie können Interessenskonflikte der verschiedenen Nutzer des Konzertsaals wie zum Beispiel bei der Vergabe der publikumsträchtigen Wochenendtermine oder des eher unbeliebten Montags vermieden werden?

Es ist vorgesehen, dass die Philharmonie das Erstbelegungsrecht hat mit Blick auf die Disposition. Dadurch entsteht auch ein gewisses Ranking, aber das ist auch im Leipziger Gewandhaus oder der Berliner Philharmonie nicht anders. Hier haben wir tatsächlich etwas anderes als eine Stadthalle, die vom reinen Vermietungsgeschäft lebt. Wir reihen uns ein in die Riege der international konkurrenzfähigen Konzerthäuser.

Die Dresdner Philharmoniker werden mit ihren Konzertreihen wieder in den Kulturpalast zurückziehen, die Dresdner Musikfestspiele werden wieder Konzerte im Rahmen der Musikfestspiele anbieten. Alles, was eine unterjährige, international konkurrenzfähige Bespielung inkludiert, ist im Bespielungskonzept hinterlegt, aber natürlich auch mit Haushaltsrelevanz zu diskutieren.

Was kann der Dresdner in seinem Kulturpalast über eine reine Konzertform hinaus erwarten? Sind die Möglichkeiten nicht von vornherein eingeschränkt?

Heutige moderne Säle haben große technische Möglichkeiten. Wir können im Saal z.B. eine Kastenbühne haben; wir können Kammermusik spielen; wir können halbszenisch Eingerichtetes veranstalten und Klassik, Jazz, Welt- und U-Musik. Das Haus lebt dann, wenn es tatsächlich ein Haus für alle ist. Dazu gehören z.B. auch Dixieland und Veranstaltungen in der Nacht, regionale und internationale Angebote werden eine Rolle spielen. Inzwischen ist man auch außerhalb zunehmend auf den Umbau aufmerksam geworden und äußert Interesse, im Kulturpalast zu gastieren.

Wie wird die korrekte Bezeichnung der Spielstätte sein?

Unser Kulti? Das Haus ist der Kulturpalast, das ist identitätsstiftend, und der hochmoderne, international konkurrenzfähige Saal in der Mitte ist eine Philharmonie mit 1800 Plätzen.

Die Umbaupläne haben in Dresden auch vehementen Widerstand hervorgerufen, Agenturen kritisieren, dass der Saal dann für bestimmte Großkonzerte durch die Reduzierung der Plätze nicht mehr effizient zu bespielen ist...

Ich glaube, dass der neue Saal für alle Genres phantastische Möglichkeiten bietet. Ich führe übrigens viele Gespräche, z.B. auch mit dem als Veranstalter erfahrenen Bernd Aust, der ja den Umbau des Kulturpalastes beklagt hatte. Es hilft, wenn die verschiedenen Partner aufeinander zugehen.

Und was ist mit Gastspielen von auswärtigen Orchestern ...

Natürlich würde ich mir das wünschen, aber dafür braucht man finanzielle Ausstattung und Personal. Aber ich betrachte das als eine Herausforderung für Dresden und diesen Ort.

... und der Staatskapelle Dresden?

Es gibt zur Zeit noch keine konkreten Pläne dafür. Ich glaube daran, dass ein herausragender Saal für sinfonisches Repertoire inmitten der Stadt einen eigenen Sog entfalten wird.

Ist der Umbau im Zeitplan?

Die Bauleute sind sehr froh, dass bisher keine größeren, unerwarteten Probleme bewältigt werden mussten. Dennoch sagen uns die Experten, dass wir erst Ende 2015 den detaillierteren Zeitplan genau festlegen legen können. Aber 2017 sind wir wieder drin!

Also wird es kein Desaster wie bei der Elbphilharmonie in Ihrer Geburtsstadt Hamburg?

Nein, das zeichnet sich nicht ab. Wir haben ja hier in Dresden keinen neuen, sondern einen erprobten Standort.

Welche räumlichen Möglichkeiten stehen der Philharmonie nach dem Umbau zur Verfügung?

Das Haus wird im Rahmen der bisherigen Kubatur umgebaut, neben dem Konzertsaal wird es einen Chorprobenraum geben, Musikerzimmer, Garderoben und die Verwaltungsetage. Alles muss in einer sehr intelligenten Disposition mit dem Veranstaltungs- und Probengeschehen synchronisiert werden. Eine Probensituation in guten akustischen Verhältnisse ist eine Voraussetzung für Orchestergastspiele, aber auch für die Entwicklung der Philharmonie selbst.

Ist Ihr Personaltableau ausreichend für die anstehenden umfangreichen Aufgaben?

Es gibt den Stellenplan der Dresdner Philharmonie, den ich gerade dabei bin, für die Übergangszeit an die kommenden Aufgaben anzupassen. Mit Blick auf die Bespielung des Kulturpalastes ab 2017 haben wir ein neues Personalkonzept erarbeitet. Für die Philharmonie gesprochen, müssen wir die Bereiche Öffentlichkeit und Marketing erweitern. Dasselbe sehe ich im Bereich der Dramaturgie und Musikvermittlung. Meine Kollegin Adelheid Schloemann als Konzertplanerin ist schon hier in Dresden.

Die Amtszeit Ihres Vorgängers Anselm Rose endete im Dissens mit dem Orchester...

Mein Credo ist, dass wir alle in einem Boot sitzen müssen: die Musiker, Michael Sanderling, der Chefdirigent, und die Orchesterverwaltung mit mir an der Spitze, um gemeinsam ein lebendiges Gesamtbild abzugeben.

Ex-Intendant und Chefdirigent schwammen nicht auf einer Welle, ja man darf von Antipoden sprechen. Sie kennen den Dirigenten Michael Sanderling seit vielen Jahren, waren bekanntermaßen seine Wunschkandidatin für die Intendanz. Also wesentlich bessere Voraussetzungen für die Zukunft des Orchesters ...?

Dass wir uns lange kennen, hilft na- türlich, den anderen besser einzuschätzen. Es ist wichtig, dass Vertrauen in eine Person und ihre Arbeit existiert. Unsere Zusammenarbeit im Blick auf die Weiterentwicklung der Dresdner Philharmonie ist sehr effizient und zielorientiert und von gegenseitiger hoher Wertschätzung geprägt. Darüber freue ich mich.

Was wäre Ihr Wunschprogramm für ein Konzert der Dresdner Philharmonie?

Wie wäre es mit Mozart Klavierkonzert KV 488 oder Schönbergs Klavierkonzert, und Bruckners Sechster? Und dazwischen eine Uraufführung!

Interview: Kerstin Leiße

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.12.2014

Kerstin Leiße

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr