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Franziska Semtner ist die 15. Robert-Sterl-Preisträgerin - Ausstellung im Sterl-Haus

Franziska Semtner ist die 15. Robert-Sterl-Preisträgerin - Ausstellung im Sterl-Haus

Wie jedes Jahr seit 1997 ist im Robert-Sterl-Haus im Herbst die Zeit junger Künstler. Und weil zugleich etwa 25 Bilder aus dem bis heute weitgehend im Original erhaltenen Künstlerdomizil in der Ausstellung "Der Maler Robert Sterl" in der Städtischen Galerie Dresden zu sehen sind, wurden einige der Staffeleien im Atelier frei.

Folglich entdeckt man nicht nur im Ausstellungsraum in der ersten Etage Werke einer zeitgenössischen Handschrift, sondern überall im Haus. Und das erweist sich in diesem Fall als zwar kontrastierende, aber durchaus akzeptable Intervention. Robert Sterl (1867-1932) würde sich vielleicht freuen, könnte er die mit dem nach ihm benannten Preis aktuell Geehrte kennenlernen, prägt sich ihre künstlerische Position doch schnell als etwas Besonderes ein.

Die 15. Robert-Sterl-Preisträgerin Franziska Semtner, gebürtige Berlinerin, nunmehr Dresdnerin, ist mit ihren Zeichnungen, Radierungen und Gemälden auf der Suche nach der Darstellbarkeit der inneren Welt. Sie unternimmt es, Unsichtbares in einer Art "Schrift" aus Zeichen, Symbolen und Chiffren sichtbar zu machen, wobei in die daraus entstehenden Zusammenhänge hin und wieder Gegenständliches wie ein Boot oder eine Blume einfließen. Insgesamt aber verharren die Arbeiten in einer Art subjektiver, abstrakter Imagination, die gleichwohl auf den Betrachter, der sich mitunter vielleicht an Rudolf Steiner, die ècriture automatique der Surrealisten oder Cy Twombly erinnert fühlt, einen unwiderstehlichen Reiz ausübt. Ganz besonders gilt dies für die zarten Radierungen sowie mehrere Gemälde, in deren leuchtende, zwischen Grün, Blau und Rosa changierende Farbgründe (teils farbige) Zeichen und Formen eingeschrieben sind.

In die naturhaft anmutende Malerei - genannt seien Bilder wie "Das Gegenteil von Verschwindenwollen ist Entstehen" (2011) oder "Als Antwort im Nebel" (2011) - wird man beim Betrachten regelrecht "hineingezogen". Sie berührt auf angenehme Weise, ohne dass sie ihre Rätsel so ohne weiteres offenbaren würde. Wie auch? Schließlich ist sie Ausdruck eines subjektiven Versuchs, eine Verbindung von innerer Befindlichkeit und äußerer Welt herzustellen. Gleichwohl entdeckt man Nachvollziehbares - etwa wenn die Künstlerin "Signaturen des Wandels" sichtbar macht. So zeigt das Bild "spizzack" (2010) spitze, harte Formen, die wohl eine Reflexion damaligen subjektiven Befindens sind. Auf anderen, späteren Arbeiten erscheint vieles fließender, "runder", was Ausdruck eigener Veränderung ist. Diese Wandlungen sind ein anhaltender Prozess. Zwischenschritte sind auf Zeichnungen und vor allem auf schwarz lackierten Holztafeln in Pastell niedergelegt. Letztere säumen zahlreich besonders in den unteren Räumen des Robert-Sterl-Hauses den Weg des Besuchers. Hier - im Atelier - sind zudem, fast versteckt, drei kokonartige, zarte, teils aufgebrochene Formen aus Ton zu finden - auch sie "Signaturen des Wandels".

Franziska Semtners stille, meditative Kunst hat sicher manche Quelle in bisherigen Erfahrungen, kann sie doch auf ein abgeschlossenes Studium der Japanologie und Afrikawissenschaften verweisen, auf ausgedehnte Reisen in Europa sowie auf eine erste künstlerische Ausbildung in Berlin, bevor sie 2004 ihr Studium in Dresden begann. Ihr Interesse für Zeichen- und Chiffrenhaftes hat gewiss auch mit diesem Vorleben zu tun. Ebenso resultiert daraus wohl ihre heutige Beschäftigung mit chinesischer Siegelschrift, wovon Arbeitsblätter in einer Vitrine zeugen.

Unter 50 Bewerbern für den Robert-Sterl-Preis 2011 überzeugte letztlich die HfBK-Absolventin und Kerbach-Meisterschülerin seit 2010 am meisten. Die Jury der für HfBK-MeisterschülerInnen bestimmten, mit 3000 Euro dotierten Ehrung bestand regelgemäß aus drei Professoren der Hochschule - diesmal Peter Bömmels, Ulrike Grossarth und Susanne Ring - sowie zwei Vertretern der den Nachlass des einstigen Hausherrn verwaltenden Sammelstiftungen des Bezirkes Dresden - Birgit Dalbajewa, deren Vorstandsmitglied, und Andreas Quermann, Leiter des Robert-Sterl-Hauses. Die Auszeichnung geht auf eine Testamentsverfügung des Dresdner Impressionisten und langjährigen Akademieprofessors zurück, die die Förderung junger Künstler vorsieht.

Bis 31. Oktober, Robert-Sterl-Straße 30, Struppen, OT Naundorf, Do.-So. und an Feiertagen 10 bis 17 Uhr, Tel. 035020/70216, Internet: www.robert-sterl-haus.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.10.2011

Lisa Werner-Art

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