Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Google+
Franz Liszts "Missa Solemnis" erklang in der Frauenkirche

Franz Liszts "Missa Solemnis" erklang in der Frauenkirche

Einigen Zeitgenossen war er doppelt suspekt, der ehemalige "Salonlöwe" Franz Liszt, um den sich nicht wenige, auch erotische Phantasien anregende Legenden rankten, als er sich geistlichen Werken zuwandte.

Suspekt auch wegen seines musikalischen Stils: Die Strömung des Caecilianismus seiner Zeit, den auch er noch aufgreifen sollte, bezog sich auf Palestrina, Liszt dagegen brachte zunächst die Ideen seiner sinfonischen Dichtungen ein. Die Missa Solemnis bzw. "Graner Messe" (für die Weihe der wieder aufgebauten Graner Basilika 1856 geschrieben), ein frühes seiner größeren geistlichen Werke, lässt der Komponist sinfonisch mächtig anschwellen. Der katholischen Liturgie angehörend, passt sie nicht für die Sonntagsmusik in der Dresdner Frauenkirche, erklang aber zum zehnjährigen Bestehen des Frauenkirchenchores am Sonnabend im Konzert. Als musikalische Partner hatte sich Frauenkirchenkantor Matthias Grünert die Chemnitzer Robert-Schumann-Philharmonie und Martin Strohhäcker (Orgel) sowie vier Gesangssolisten gewählt.

Der Chor besteht aus ehrenamtlichen Sängern, und es ist erstaunlich, welches Maß an Farbgebung und Textverständlichkeit er erreicht. Im Altarraum hinter dem Orchester aufgestellt, war er meist im sinfonischen Sinne für die emotionale Deutung verantwortlich, gestaltete Hoffnung, Dank oder Lobpreisung. Immer wieder aber trat er auch im Austausch mit Orchester und Orgel besonders klangschön hervor, wie zu Beginn des Credo oder in den abschließenden "Pacem"-Rufen.

Stephanie Krone (Sopran), Rahel Haar (Alt), Eric Stoklossa (Tenor) und Andreas Scheibner (Bass) erwiesen sich als versierte Gestalter, die das emotionale Schönheitsideal Liszts umsetzten. Dass die stimmlich reiferen Krone und Scheibner keine Mühe hatten, sich gegen Chor und Orchester durchzusetzen, und die jugendlich-schlankeren Stimmen hier mehr Kraft bedurften, war weniger einem Defizit geschuldet als schlicht der musikalischen Gewalt, die Liszt immer wieder entfesselt. Gerade in den ersten Teilen lässt er Sänger, Orchester und Orgel mächtig klingen und ist vom schlichten Palestrina-Stil weit entfernt. Die Mühelosigkeit, mit der sich Andreas Scheibner stetes durchsetzte, war beeindruckend. Liszt hat aber nicht ganz auf zarte Klänge verzichtet. So beruhigen im Credo Harfe und Tenor, gibt es immer wieder Einschnitte der Stille, sorgen im Sanctus Holzbläser für ein Erwachen und Besinnen vor dem "Hosianna".

Die Robert-Schumann-Philharmonie gehört zu den bewährten Partnern des Frauenkirchenchores. Auch ist sie in der Musik des 19. Jahrhunderts besonders tief verwurzelt und in der Lage, den üppigen Liszt-Klang zu gestalten. Matthias Grünert leitete Sänger und Orchester mit klaren Gesten und in Kenntnis seines Kirchenraumes.

Fachtagung über Kulturmanagement

Der Sächsische Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie e.V., (Wiener Platz 10), veranstaltet morgen, 10 bis 16 Uhr, einen Fachtag über Kulturmanagement. Thematisiert wird u.a., was auf dem Gebiet des Kulturmanagements wünschenswert und machbar ist. Vortragende sind Ulf Großmann, Präsident der Kulturstiftung Sachen, Matthias Vogt, Direktor des Instituts für kulturelle Infrastruktur, Stephan Meyer (CDU), Vorsitzender des Kulturausschusses im Landtag, Ingrid Mössinger, Generaldirektorin Kunstsammlungen Chemnitz, Bernd Aust, Kulturmanager, Anne Pallas, Geschäftsführerin des Landesverbands Soziokultur, und Barbara Rauthe-Reichenbach, Beraterin für kreative Berufe.

Die Teilnahme ist gebührenpflichtig. Info: Tel. 0351/47017

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.06.2015

Wolfram Quellmalz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr