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Frank Turner gehört zur Aufbruchs-Generation der Jahrtausendwende – und kommt nach Dresden

Zwischen Punk und Folk Frank Turner gehört zur Aufbruchs-Generation der Jahrtausendwende – und kommt nach Dresden

Kein Mann für Schubladen. Elite-Ausbildung in Eaton (mit Stipendium) und auf der London School of Economics (wo auch ein gewisser Mick Jagger einmal studiert hat), Liebhaber von Iron Maiden und Bruce Springsteen, Punker und Folker, rechter Linker. Francis Edward „Frank“ Turner lässt sich nicht gern festlegen.

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Quelle: LVZ

Dresden. Kein Mann für Schubladen. Elite-Ausbildung in Eaton (mit Stipendium) und auf der London School of Economics (wo auch ein gewisser Mick Jagger einmal studiert hat), Liebhaber von Iron Maiden und Bruce Springsteen, Punker und Folker, rechter Linker. Francis Edward „Frank“ Turner lässt sich nicht gern festlegen.

1981 als Sohn eines Investmentbankers und einer Grundschullehrerin – und Enkel eines Bischofs – in Bahrain geboren, im idyllischen englischen Hampshire aufgewachsen, gehört er zur großen Gruppe britischer Musiker, die vom frischen musikalischen Wind der Jahrtausendwende profitierten. Endlich waren junge Menschen erwachsen (genug) geworden, die lähmende künstlerische Starre der 90er abzuschütteln, sich querbeet ihre Vorbilder zu suchen und etwas eigenes daraus zu machen. Oft hatte das zunächst eine ordentliche Punk-Haltung.

So auch bei Turner, der Schlag 2000 die Uni verließ und, wie er selbst sagt, „Teil des (Londoner, B. Baum) Milieus Caledonian Road und Holloway wurde, wo sich ohne Ende Bands formierten und wieder auflösten.“ Turner war als – „schlechter Drummer“ dabei. Von 2001 bis 2005 wurde er als Sänger der Post-Hardcore Band Million Dead Insidern bekannt; Kritiker waren von den beiden Alben der Combo sehr angetan. Danach dann die Orientierung zum Folk, zur akustischen Gitarre, zu den bedeutsamen Texten. Nichtsdestotrotz trägt die erste Solo-EP den Titel „Campfire Punkrock“. Auch hier wieder: Kritikerlob, begeisterte Konzertbesucher.

Frank Turners Musik pegelt sich zwischen Rock und Folk ein, will sagen: Die Stücke haben fast allesamt Drive, können jedoch auch hübsch balladesk daherkommen. Texte mit Inhalt sind Ehrensache, das Publikum live wirklich mitnehmen ebenso.

Es wird ein solider Aufstieg bis zum Auftritt bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 2012 in der Wembley Arena und darüber hinaus zum aktuellen, hochgelobten Album „Positive Songs for Negative People“. Mit seiner Band im Hintergrund, den verlässlichen „Sleeping Souls“, bestehend aus Drummer Nigel Powell, Gitarrist Ben Lloyd, Bassist Tarrant Anderson und Keyboarder Matt Nasir, gewinnt er eine wachsende Schar treuer Fans – und schafft es, seinem Vorbild Springsteen nacheifernd, ihnen auch bei größeren Konzerten ein wirkliches Erlebnis zu bescheren. Dennoch darf Dresden sich freuen, die Musiker hinter dem Gebäude der Tante Ju auf dem Gelände der „Schleife rockt“ in einem vergleichsweise intimen Rahmen zu erleben.

Ach ja, die Widersprüche, die Schubladen-Verweigerung: Da wäre zum einen sein Nebenprojekt „Möngöl Hörde“, mit dem er dem Hardcore wieder seine Referenz erweist und rotzt, was das Zeug hält. Zum anderen die Politik: In einem Guardian-Interview 2011 bezeichnete er sich als „eher rechts“ – um zu provozieren, wie er später erklärte. Aber auch zwei Jahre später noch fordert er, Kultur sollte nicht staatlich gefördert werden; das Geld müsste an die wirklich Bedürftigen gehen. Und dass er sich eher von Coca Cola als vom Staat fördern lassen würde. Andererseits lautete der Titel eines Songs von 2006 „Thatcher fucked the Kids“, David Cameron belegte er mit wenig druckreifen Worten und er unterstützt jede Menge linker Projekte. Im Mai dieses Jahres schrieb er in seinem Blog darüber, dass er erfahren hätte, dass Frauen bei seinen Shows sexuell belästigt wurden. Und fand sehr klare Worte: Wer sich nicht wie ein Mensch verhalten kann, ist auf seinen Konzerten nicht willkommen. Präzise: Fuck off! Wenn so etwas noch einmal passieren sollte, forderte er die betroffenen Frauen auf, sich so schnell wie möglich bei ihm oder jemandem von seinem Team zu melden, um die Täter öffentlich zu ächten. So etwas ist im Macho-Business Rock-Musik nicht alltäglich!

Von Beate Baum

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