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Frank Schöbel, am Sonnabend mit Aurora Lacasa im Dresdner Kulturpalast, im DNN-Interview

Frank Schöbel, am Sonnabend mit Aurora Lacasa im Dresdner Kulturpalast, im DNN-Interview

Schlagersänger Frank Schöbel ist wieder auf Weihnachts-Tour. Diesmal an seiner Seite: Ex-Ehefrau Aurora Lacasa. Marion Hahnfeldtsprach mit ihm. Frage: Anfang des Jahres waren Sie mit Ihrer ersten Frau Chris Doerk auf Tournee, nun mit Aurora Lacasa.

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Machen morgen auf ihrer Weihnachtstour Station im Dresdner Kulturpalast: Aurora Lacasa und Frank Schöbel.

Quelle: Archiv

Schlagersänger Frank Schöbel ist wieder auf Weihnachts-Tour. Diesmal an seiner Seite: Ex-Ehefrau Aurora Lacasa. Am Sonnabend macht er im Dresdner Kulturpalast Station,

Marion Hahnfeldtsprach mit ihm.

Frage: Anfang des Jahres waren Sie mit Ihrer ersten Frau Chris Doerk auf Tournee, nun mit Aurora Lacasa. Sie hätten öfter heiraten sollen. Scheint ein solides Tour-Konzept zu sein.

Frank Schöbel: Da hätten ja nun auch Frauen dabei sein können, die gar nicht singen. Das war wohl eher Zufall. Mit Chris war ich sieben Jahre verheiratet. Am Ende unseres Programms singen wir das Lied "Du bleibst ein Teil meines Lebens". Und das können die Leute sehr gut nachvollziehen. Weil sie entweder auch ein, zwei Scheidungen hinter sich haben oder weil sie sich einfach nur an eine Liebe erinnern.

Beide Frauen sind sehr unterschiedlich, die Konzerte auch?

Ja. Chris ist eher der Kumpeltyp. Sehr direkt, manchmal burschikos. Sie ist dem Schlager auch nicht abgeneigt, steht dazu, Aurora dagegen hat schon ein Problem mit ihren alten Schlagern. Sie weiß, dass sie gut ankommen, wundert sich auch, dass die Leute sie toll finden, und ich muss dann immer sagen: Es waren deine Hits, warum singst du sie nicht?

Es gibt einige Musiker, die damit ein Problem haben.

Ja, aber ich denke da total anders. Die Leute sind deswegen gekommen, haben deswegen bezahlt, und irgendwo bin ich ja auch Dienstleister. Die Menschen wollen sich nun mal an die schönen Dinge ihres Leben erinnern. Die mussten schon so vieles streichen. Manche haben schon so etwas wie Tränen in den Augen. Weil die Vergangenheit weg ist, und ich glaube, mit den alten Liedern kommt ihre Jugend wieder.

Ihre Tournee führt Sie ausschließlich durch die neuen Bundesländer. Warum?

Weil der Veranstalter nicht weiß, ob drüben die Säle voll werden. Ich sage immer: Da muss ich nicht so weit fahren.

Fühlen Sie sich verkannt?

Sie müssen sich nur mal vorstellen, es wäre andersrum gekommen, und Gottschalk müsste jetzt irgendwo in Bayern in einem kleinen Privatsender Radio machen. Ich weiß auch nicht, was passiert, wenn ich nächstes Jahr 50. Bühnenjubiläum habe. Heintje durfte bei seinem Jubiläum im TV 15 Minuten singen, und dann waren die ganzen Verwandten da. Hinter Heintje steht Musikgeschichte, der Westen hat Dreiviertel Territorium und der Osten entsprechend weniger. Deshalb sollen wir gefälligst mit wenig zufrieden sein. Das Publikum hat das natürlich längst gecheckt.

Bei den Westkünstlern funktioniert das gesamtdeutsch.

Das hat immer gesamtdeutsch funktioniert. Auch zu DDR-Zeiten.

Und warum?

Muss ich das wirklich beantworten? Ich weiß nicht, ob es vorsätzlich ist oder nur Ignoranz. Das müssen Sie die Macher fragen, nicht mich. Das nervt einfach.

Vielleicht ist der Markt übersättigt?

Nein, das hat damit nichts zu tun. Sicher, bei manchem Westkollegen wird auch nicht der rote Teppich ausgerollt. Ich will da schon paritätisch denken. Neulich, am 3. Oktober, haben wir in Bonn gespielt, und das hat gut funktioniert.

Was hat Karel Gott anders gemacht? Den kennt man auch im Westen.

Das hätte bei mir auch klappen können. Nach "Wie ein Stern" hatte ich "Komm, komm, komm", die deutsche Version von Neil Diamonds Song "Song Sung Blue". Damit sollte ich in die Hitparade. Aber das haben unsere Polit-Indianer abgelehnt. Ich durfte nie zu Heck, weil der in der CDU war, sagten sie.

Waren Sie sauer?

Na klar, gejubelt habe ich nicht. Bis 1974 durfte ich immer mal wieder fahren, dann wurde gebremst, bis sie die Anerkennung der BRD hatten. Und als sie die hatten, durfte ich zunächst nicht mehr fahren, dann einer aus der Band nicht und so weiter, ich habe nächtelang vor Wut mit meinen Backenzähnen gemalmt.

Haben Sie nie überlegt, in den Westen zu gehen?

Mein Bruder war abgehauen, schon 1956. Und meine Mutter ist 1973 als Rentnerin ausgereist, aber ich wäre trotzdem nie gegangen. Ich habe das immer mit einem Pfarrer verglichen. Ein Pfarrer hat seine Gemeinde, die er nicht verlässt. Und meinen Sie, die hätten sich gefreut, wenn wir alle abgehauen wären? Die haben doch heute schon ein Problem mit uns.

Es hat Sie nichts gelockt?

Ich erinnere mich noch gut, dass wir mal nach Westberlin durften. Und da hat es geflimmert und geblitzt, und später war ich froh, wieder auf meinem Ostbahnhof zu sein. Es war, als würde man nach langer Zeit aus dem Knast kommen. Da muss man sich auch erstmal wieder im Leben zurecht finden. Mir war das zu viel. Ich wollte nicht 50 Zahnpastasorten, mir haben fünfe gereicht. Aber müssen wir eigentlich nur über Politik reden, haben Sie nicht auch andere Fragen?

Eine noch: Hatten Sie nie Ärger, weil Ihr Bruder abgehauen war?

Gar nicht. Das war irgendwie in Ordnung. Ich war ja auch verheiratet. Das war eine gewisse Rückversicherung. Ich glaube, dass die mich gut genug kannten. Ich war zwar nicht in der Partei, nicht im FDGB, ich war in gar nichts drin, aber sie wussten, dass ich nicht bei dem kleinsten Anlass die Segel streiche.

Ich habe gelesen, Sie hätten 250 Lieder geschrieben. Da müssten Sie doch jetzt ausgesorgt haben, oder?

300 sind es zurzeit. Aber in der DDR gab es für Sänger gar nichts. Wir sind einmal bezahlt worden, für den ersten Titel hab ich 100 Mark der Deutschen Notenbank gekriegt. Da gingen 20 Prozent Steuern ab, also 80 Mark auf die Hand. Das höchste waren am Schluss 500 Mark für einen Titel.

Es gab nichts, auch nicht für Ihren großen Erfolg "Wie ein Stern"?

Nein. Ach doch, die West-Plattenfirma hat mir eine Uhr geschenkt, keine goldene, damit musste ich dann zum Kulturminister gehen und fragen, ob ich die annehmen darf.

Und?

Durfte ich. Und dann hat die Schallplattenfirma Amiga überlegt, oh Gott, wir müssen dem Schöbel jetzt auch was schenken. Da gab es in der Sendung "Einmal im Jahr" so ein Ding, das sah aus wie eine Urne, aber es war wohl eine Vase. Vorher sagte der Verantwortliche, äh Frank, du musst hier unterschreiben, weil, wir müssen das abrechnen.

Und was ist aus dem guten Stück geworden?

Bin ich losgeworden - in der Scheidung.

Weihnachten in Familie: Frank Schöbel & Band, Helga Piur, Dominique Lacasa und als Gäste: Aurora Lacasa und Band, 17. Dezember, 16 Uhr Kulturpalast (Einlass: 15 Uhr). Karten gibt es ab 33,40 Euro in der Konzertkasse im Florentinum und Schillergalerie sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Außerdem unter Tel.: 0351 - 86 66 00 oder 0351 - 31 58 70, im Internet unter www.konzertkasse-dresden.de und natürlich an der Abendkasse.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.12.2011

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