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Fragen hin. Antworten her!: "Ziffer, Zelle, Zebrafisch" des Dresdner TJG im Max-Planck-Institut

Fragen hin. Antworten her!: "Ziffer, Zelle, Zebrafisch" des Dresdner TJG im Max-Planck-Institut

Was dabei herauskommt, wenn ein Kinder- und Jugendtheater und ein wissenschaftliches Institut kooperieren, kann man sich zurzeit in "Ziffer, Zelle, Zebrafisch" ansehen.

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Das Puppentheater-Stück "Ziffer, Zelle, Zebrafisch" wird in einem gläsernen Raum, einem Forschungslabor des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik präsentiert.

Quelle: Klaus Gigga

Das Puppentheater-Stück wird in einem gläsernen Raum, einem Forschungslabor des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik präsentiert. Ein Wissenschaftler wird zum Puppenspieler. Inhalte, Text, Spiel des Abends drehen sich um Zellgenetik, Forschungsalltag, Sinnsuche. Die Grenzen sind fließend. Das Labor wird zum Theater, das Theater zum Labor. Ganz offensichtlich liegen Kunst und Wissenschaft nah beieinander, eine Interpretation unserer Welt zu liefern - das haben schon früher kluge Leute erkannt.

Entstanden ist eine äußerst moderne Inszenierung des Theaters Junge Generation. Quasi eine neue Theaterform, die Heiki Ikkola als Gast-Regisseur und Textverfasser mit seiner "Theatercompagnie Cie. Freaks und Fremde" entwickelt hat. Sie verbindet Forschung und Theater, Puppenspiel und Trickfilm, Konzert und Vortrag. Sie ist alles zugleich - und nichts davon ganz. Sie ist ohne Zweifel interessant, Versuchsanordnung, Experiment. Und - ist das Experiment gelungen?

Gleich zu Beginn werden Fragen in den Raum gestellt. Was ist Leben? Warum sind wir auf der Welt? Eine Kasperle-Puppe bietet auf Klingelzeichen hin lexikalisches Wissen dar. Ivana Sajevic und Sabine Köhler stecken in wirklich komischen Kostümen und erkunden als Fruchtfliegen das Universum der Wissenschaft. In ihrem exzellenten Spiel erklären sie den Aufbau der Zelle mit Plasma, Kern und Mitochondrien. Hoch über den Köpfen sitzt ein Techniker, der elektronische Sounds und Trickfilmproduktionen einspielt.

Viele überraschende Ideen begleiten das Spiel, die hier gar nicht verraten werden sollen. Vineeth Surendranath, Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts, sitzt zwischen Büchern und Mikroskop und schreibt immerzu in ein Buch. Meist trägt er einen grotesken Fischkopf auf den Schultern. Neben ihm stehen Plastikdosen mit Fruchtfliegen, von denen ein Teil genmanipuliert ist. Man kann sie am Schluss des Stückes aus der Nähe betrachten. Die Zuschauer sind einbezogen, auf Fragen zu antworten, sie können dem Wissenschaftler Fragen stellen. Der Wissenschaftler beschreibt, wie er Tag für Tag die toten Fruchtfliegen zählt. In der Sprache der Wissenschaft heißen die Versuchstiere "Modellorganismen". Wenn die "molekulare Maschine" der Fruchtfliege einmal erforscht ist, ist noch lange nicht gewiss, ob die des Menschen genauso funktioniert.

Und - ist das Experiment gelungen? Eher nicht. Anders würde man am Ende nicht derart ratlos, ja beinahe schlecht gelaunt aus dem stark erhitzenden Glaskasten fliehen. Es ist wohl wahr, dass der Sinn des Lebens im Fragen liegt. Doch auf Fragen muss es auch Antworten geben. Es muss zumindest den Versuch geben, ganz ernsthaft welche zu finden. Daran mangelt es dieser TJG-Inszenierung: Sie spricht alles an, stellt alles dar und wagt keine einzige Bewertung. Das ist zu wenig Interpretation für eine moderne Gesellschaft, die inzwischen eine recht lange und intensive Kritik an der Genforschung aufzuweisen hat - von Klonschaf über Retortenbabys bis zu genmanipuliertem Mais. Das ist auch eine Überforderung von Kindern ab acht Jahren, die Geschichten brauchen und keine Begriffe wie Endoplastisches Retikulum. Und groß ist die Gefahr, dass an einem solchen Ort mit einer solchen Theaterform nicht nur die Fruchtfliegen, sondern auch die Zuschauer zu Forschungsobjekten werden.

Schon früher haben kluge Leute gesagt, dass in gewissen Zeiten Rückschritte durchaus einen Fortschritt bedeuten können. Worin liegt der Sinn der Forschung, wer erteilt den Auftrag? Was kann Theater, was soll Theater? Das ist alles sehr interessant und immer eine Debatte wert. Dann mal los!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.04.2013

Andrea Rook

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