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Fotografin Regina Schmeken zeigt in Dresden Bilder von NSU-Tatorten

Militärhistorisches Museum Fotografin Regina Schmeken zeigt in Dresden Bilder von NSU-Tatorten

Unter dem Titel „Blutiger Boden“ zeigt das Deutsche Militärhistorische Museum der Bundeswehr (MHM) Bilder der Tatorte des NSU. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen entstanden 2013 bis 2016 im Zuge des jüngsten bildkünstlerischen Projekts der preisgekrönten Fotografin Regina Schmeken.

Fotografin Regina Schmeken

Quelle: dpa

Dresden. Blumenstand, Gemüseladen oder eine Tür: Künstlerin Regina Schmeken hat in den vergangenen drei Jahren alle Tatorte des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) fotografiert. Fünf Jahre nach dem Auffliegen der rechtsextremen Terrorgruppe sind die Schwarz-Weiß-Aufnahmen ihres jüngsten Projekts „Blutiger Boden“ erstmals im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr (MHM) in Dresden zu sehen. Es ist Schmekens bildkünstlerischer Blick auf die Stätten in Nürnberg, Hamburg, München, Rostock, Köln, Dortmund, Kassel, Heilbronn, wo der NSU 2000 bis 2011 neun Männer türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin tötete und Menschen bei Sprengstoffanschlägen verletzte.

Die Fotografin hat die scheinbar zurückgekehrte Normalität festgehalten: den Stand von Enver Simsek, an dem noch immer Blumen verkauft werden; die verwaiste Änderungsschneiderei von Abdurrahim Özüdogru; das Obst vor dem Gemüseladen von Habil Kilic oder die Fläche, wo einmal der Imbiss von Mehmet Turgut stand; den geschlossenen Kiosk von Mehmet Kubasik oder die Wiese, auf der die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen wurde. Und die Tür zum Saal 101A im Oberlandesgericht München, durch die das überlebende NSU-Mitglied Beate Zschäpe seit Mai 2013 zur Anklagebank geht.

„Das beklemmendste an diesen Fotografien ist, dass auf ihnen weder die Mörder noch die Mordopfer zu sehen sind“, schrieb Autor Hans Magnus Enzensberger für den Katalog. An den Aufnahmen wirke „gerade das Unauffällige, Banale und Gewöhnliche unheimlich“. Die Ausstellung zeige, wie präsent politische Gewalt und Rechtsextremismus in der Gesellschaft sind, sagte Museumsdirektor Matthias Rogg. „Wenn man an den Tatorten steht, wird einem die Dimension dieser Verbrechen bewusst, man ist erschüttert, dass das inmitten unserer Städte möglich ist“, schilderte Schmeken.

Für den Schriftsteller Feridun Zaimoglu ist die Geschichte des NSU „die Geschichte der großen Beschädigung“, schreibt er im Katalog. „Zwei Lumpenarier und ihre Mordassistentin haben den Glauben an den gerechten deutschen Staat erschüttert.“ Schmeken habe die dadurch entstandene „grauenhafte Leere“ eingefangen.

Ihre Bilder assoziieren die Fragen, wie junge Menschen vor dem Hintergrund der Vergangenheit Deutschlands „solche brutalen oder auch zynischen Morde“ begehen und Ermittlungen schief laufen konnten, erklärte die preisgekrönte Journalistin und Künstlerin. Sie sollen bis zum 7. Mai 2017 in Dresden aufmerksam machen - und später auch touren. Zuerst nach Berlin.

Das NSU-Trio war am 4. November 2011 aufgeflogen. Jahrelang hatten Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe unentdeckt in Zwickau gelebt. Böhnhardt und Mundlos begingen Selbstmord, Zschäpe steht derzeit in München vor Gericht.

dpa

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