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Fotografie von Peter Zimolong ist in der Galerie Felix in Dresden zu sehen

Fotografie von Peter Zimolong ist in der Galerie Felix in Dresden zu sehen

Als Kind schenkte ihm der Vater eine Beirette, die für DDR-Verhältnisse eine qualitativ hochwertige Kleinbildkamera war, hatte sie doch eine echte Linse aus Glas.

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Peter Zimolong. Militärhistorisches Museum - Schnitt. 2011. Fotopapier matt. 30 mal 45 Zentimeter.

Quelle: Repro Peter Zimolong

Die Leidenschaft für das Fotografieren war geweckt, obwohl sich für Peter Zimolong zunächst andere Perspektiven eröffneten: Da war zunächst die Arbeit als Energieelektroniker, danach eine Tätigkeit im Bereich der Jugendarbeit und Soziokultur mit anschließendem Studium der Sozialpädagogik bis 1998 und als Angestellter in verschiedenen Bereichen unter anderem in der Diakonie, die ihm den wachen Blick für das Leben verschafften. Seit 2010 nimmt ihn der alte Kindertraum - die Fotografie - wieder gefangen, die er sich selbst lehrt und die er mit Lust und handwerklichem Können betreibt.

Die Galerie Felix in Loschwitz stellt derzeit zwei Dutzend Farbfotografien von ihm aus, die zweifellos durch ihre besondere Optik und Atmosphäre auffallen. Wechselnde Stimmungen und die Arbeit mit dem Licht zeichnen dabei Zimolongs eigenwillige Sicht auf seine Heimatstadt aus, die er in zwei besonders schönen Ansichten vom rechten Elbufer festgehalten hat: Eines davon zelebriert die Abendstimmung am Terrassenufer mit sich glutrot im Wassser spiegelndem Licht und der nur noch schattenhaft dunklen Silhouette von Hofkirche und Schloss. Und auf einem anderen ist die frühlingshaft-frische Natur am Ufer der Elbe unter einem hellblauen Himmel mit schaumig hellen Wolken zu sehen.

Von besonderem Wert sind Zimolongs Aufnahmen von Gebäudeaufschriften. Mit ihnen reflektiert er vor allem darüber, dass "Kunst Kommunikation und Kommunikation eine Kunst ist", wie der sagt. Teils mit Zeichnungen und Malerei kombiniert und die architektonischen Gegebenheiten einbeziehend, spiegeln sie die kritische Meinung der jungen Generation. Selbst mit den Problemen der jungen Leute konfrontiert, beweist Zimolong einen sicheren Blick auf die klugen und oft ins Schwarze treffenden Pamphlete zu Politik und Gesellschaft. Dabei forscht er in seiner Heimatstadt nach unbekannten Facetten, Blickwinkeln und Perspektiven. In seinem "Dresden-Projekt" entwickelt Zimolong eine soziologische Sicht auf Abrissbauten und deren Giebelfronten mit ihren geistreichen und zum Teil drastischen Graffiti-Zitaten. Die drei über eine weiß getünchte Wand laufenden Enten mit der Aufschrift "ARG" demonstrieren das Dilemma: "Wir machen Jobs, die wir hassen und kaufen die Scheiße, die wir nicht brauchen!" heißt es dort. So geht das weiter. Und mancher Philosoph wird dabei blass: "Ihr flieht vor der Stille. Ihr fürchtet das Alleinsein. Ihr habt Angst vor der Freiheit", was für drei geniale Sätze, die die phobische Verfassung des modernen Menschen demonstrieren und die seit Blaise Pascal sinngemäß durch die Welt geistern. Angesichts der unterschiedlichen Sichtweisen der Graffiti-Verfasser gebietet Zimolong gleichermaßen Toleranz, die nicht unbedingt Akzeptanz nach sich ziehen muss. Mancher Ort verblüfft durch seine unfreiwillige Komik, wie die beiden Schaltkästen, auf denen lapidar die Schriftzüge "Die Spannung steigt" stehen. Oder das Plakat mit der Reklame an der Haltestelle, auf dem man "Für mehr Mut zur Veränderung" lesen kann. Dahinter wartet eine Ruine auf ihren endgültigen Zusammenbruch.

Eine Reihe von Fotografien dokumentieren die Wendezeit und die Öffnung der Mauer in Berlin. Ihr fast vergilbtes Braun, Zimolong hat 2012 die Negative entwickeln lassen, macht die Tristesse der Zeit deutlich und steht im lebhaften Kontrast zur Klarheit und Frische der farbigen Bilder danach. In denen spielt der Künstler mit den Farben und der Struktur wie ein konstruktivistischer Maler: Das Militärhistorische Museum offenbart in einem Schnitt neoklassische Säulen, an denen schräge Flächen aus Glas und Metall angelegt sind. Und anderenorts: Vorbei an einer geöffneten Glastür geht der Blick auf den restaurierten Hauptbahnhof, Linien und Flächen kommunizieren, spiegeln und brechen sich im kühlen Licht der Stadt. Eine Neubauruine mit ihren zackigen Abrisskanten besteht nur noch aus den sich auftürmenden Schrägen eines Treppenaufgangs.

Peter Zimolong hat mit dieser kleinen Ausstellung - übrigens sind alle Fotografien analog und nicht manipuliert - seinen Wirk- und Themenkreis umschrieben, der Raum, Zeit und Individuum gleichermaßen in ihrem wechselnden ideellen und historischen Zusammenhängen deutlich macht. Geistiger und realer Raum verknüpfen sich spielerisch zu einem Ensemble aus gebauter Natur, Atmosphäre, Licht, Farbe, Form und Kultur. Die Vielfalt des künstlerischen Herangehens weist ihn als Suchenden und Experimentierenden aus, der, zurückhaltend wie er ist, ganz auf seine individuelle Sicht vertrauen kann.

Bis 28. Februar, Galerie Felix, Pillnitzer Landstra§e 7, Tel. 0351/32255727 und 0160/2156842, www.galerie-felix.de, Di.-Fr. 15-18 Uhr, Sa. u.So. 11-13 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.02.2013

Heinz Weißflog

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