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Fotografie von Marianne Dextor und Materialbilder von Volker Dietrich in der Dresdner Dreikönigskirche

Fotografie von Marianne Dextor und Materialbilder von Volker Dietrich in der Dresdner Dreikönigskirche

Wasser, Wind und Licht sind die erodierenden Elementarkräfte, die wie der Künstler in die Dinge eingreifen, sie "schöpferisch" beeinflussen und gestalten. Diesen Naturkräften gehen Marianne Dextor und Volker Dietrich in ihren Arbeiten nach und entdecken sie besonders in den vom Menschen geschaffenen und aufgebenen Dingen.

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Marianne Dextor. Küchenmöbelfabrik Eschebach in Radeberg. Digitalfotografie 2013

Quelle: Repro: Kunstdienst

Indem sie mit ihnen "arbeiten" werden sie zum Kunstwerk umgestaltet, immer dabei die sie bestimmende Natur im Auge. Unter dem Titel "Beachtenswertes" stellen die beiden Künstler ihre Fotografien und Materialbilder in der Dreikönigskirche aus. Dabei geht es ihnen um die Patina (die Spuren der Natur), die sowohl die Landschaften von Dextor wie auch die Materialcollagen von Dietrich bedeckt. Beider Werke korrespondieren hier ideal miteinander: Das Bauwerk gleicht im gewissen Sinne durch seine auffällige Struktur des entkernten Körpers dem aus Fundstücken zusammengesetzten Materialbild. Hier mehr Tiefe und Raum, dort Dinge auf einer Bildfläche zusammengedrängt, aber aus ähnlichen Stoffwertigkeiten.

Die Malerin Marianne Dextor trotzt mit ihren eigenwilligen Fotografien den aufgelassenen Industrieräumen einen morbiden Charme und eine besondere Schönheit ab. Dabei betreibt sie riskante Nachforschungen in alten Gebäuden, von deren Magie anzogen. Als Malerin sieht sie intensiv, zusammenfassend und kompositionsbetont. Immer spürt man Dextors Interesse und die Liebe für die alte Bausubstanz, die sorgfältige architektonische Gestaltung unserer Vorfahren selbst bei profanen Industriebauten. Mitten im Schutt von Bahnanlagen, Lockschuppen, Verladerampen und Werkhallen entdeckt sie mit viel Fantasie das besondere Motiv. Ihre analogen und digitalen Aufnahmen entstanden zumeist im Herbst oder Winter wegen der entlaubten Bäume, die den Blick auf das Motiv besser und stimmungsvoller freigeben. Manchmal wirken die Gebäude wie antike oder klassische Bauten in einem Ungleichgewicht der Kräfte zugunsten der Natur. Das Marode und Vergehende menschlichen Tuns nimmt beinahe apokalyptische Dimensionen an. Diese Art von Feldforschung von Marianne Dextor ist neben der Dokumentation von Ist-Zuständen vor allem eine ästhetische Selbstversicherung.

Behutsam zeichnet sie mit der Kamera die Struktur des Gegebenen nach, bedient sich besonders des einfallenden Lichts, das die Oberflächen und Räume modelliert. Das Zusammenwirken der wuchernden Natur und seinem Versinken in ein Nichts, seiner Auflösung in einem Übergewicht des Organischen gegenüber der Härte und Künstlichkeit des Steins oder Betons kann als Gleichnis aufgefasst werden, dem der Mensch immer wieder begegnet und dem er sich demütig beugen muss. In der Ausstellung zeigt die Künstlerin Fotografien von der Schmelztiegelfabrik in Freital (analog), den Industriebrachen in Freital und Radeberg (analog und digital) sowie dem Neustädter Bahnhofsgelände und anderen nach der Wende abgewickelten Betriebsruinen.

Volker Dietrich, vormals Architekt, realisiert die gefundenen Gegenstände in kleinen, ideenreichen Materialcollagen, ohne sie zu manipulieren, etwas zu verändern, zurechtzuschneiden oder zu bemalen. Die Gestaltung liegt allein in der Anordnung der Dinge. Immer ist ein Wink auf Bekanntes dabei, das der Betrachter assoziieren und dechiffrieren soll. Dabei meidet Dietrich Titel, um den Ideenraum der Arbeiten nicht einzuengen. Öffnen und Offenlassen ist die Devise. Das Fundmaterial (Bleche, Altplaste, Drähte, Holzreste, Schaltkreisschrott, Papiere, Schrauben u.a.) wird durch Volker Dietrichs Tun verlebendigt und in einen neuen Zusammenhang gebracht. Kulturgeschichtlich mehr oder weniger interessante Objekte erfüllen dabei mit Wehmut, haben aber auch eine gewisse Trauer und Melancholie. Neben dem ausdrücklich Gegenständlich-Assoziierbaren (wie zum Beispiel das Boot mit Bäumen) ist eine Reihe konstruktivisticher, abstrakter und informeller Bildlösungen in einer schier unendlichen Vielzahl und einem großen Ideenreichtum zu sehen, darunter Motive aus der Malerei aber auch Anklänge an Architekturen. Ebenso ergeben sich Figurationen und Landschaften sowie die überraschende Korrespondenz von Fundstücken mit Aha-Effekt und viel Witz.

Bis 19. Januar. Dreikönigskirche Dresden, Mo.-Fr. 9-18 Uhr, Sa. 10-18 Uhr, So. 10-16 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.01.2014

Heinz Weißflog

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