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Fotografie von Klaus-Dieter Weber in der Galerie Budissin in Bautzen ausgestellt

Fotografie von Klaus-Dieter Weber in der Galerie Budissin in Bautzen ausgestellt

Das Wort Rousseaus vom "Zurück zur Natur" ist leider oft falsch verstanden worden, denn es fordert nicht die Rückkehr der Menschheit zu ihrem Urzustand, sondern eine natürliche Lebensweise auf dem Niveau einer zivilisierten Welt, die den Menschen wieder als einen Teil der Natur begreift.

Klaus-Dieter Weber: "Heidenau-Großsedlitz (Straße)", 2009.Repro: Galerie

Allerorten ist davon auch in der zeitgenössischen Kunst die Rede, die sich in diesem Sinne um eine Umkehr der Menschheit Gedanken macht. Auch der Pirnaer Fotograf Klaus-Dieter Weber (geb. 1954 in Neusalza-Spremberg) nimmt wach und kritisch die bedenklichen Veränderungen in Natur und Umwelt wahr, entdeckt dabei Flecken der Unberührtheit, aber auch paradoxe Anblicke, dort, wo die Zivilisation einschneidende Störungen verursacht hat. Mit Ironie und Witz nimmt Weber kaum zu glaubende Stilbrüche und haarsträubende Dummheiten im Umgang mit unserer Alltagswelt aufs Korn.

Der Bautzner Kunstverein e. V. zeigt in seiner Galerie 26 Arbeiten des Fotografen, darunter vorwiegend Schwarzweißfotografien (Handabzüge und Kontaktabzüge auf Barytpapier) sowie großformatige Farbfotografien (Farbinjektdruck und Diasec). Schwerpunkt der aktuellen Ausstellung sind Webers Panoramaaufnahmen aus dem Umland von Dresden und Pirna, der Sächsischen Schweiz und der Oberlausitz, die durch eine ungewöhnliche Großzügigkeit und Weite beeindrucken. Dass es noch Orte mit unverblichenem Charme gibt, beweist sein "Kornfeld bei Kleingießhübel", wie entrückt durch den hohen Horizont und die Fernblicke mit einer feinen Strukturiertheit der Oberflächen, sowie die Motive vom Birkwitzer Biotop, die zeigen, wie wichtig für den Menschen Gegenden mit unberührter Natur sind. Der undurchdringliche Auenwald bei Pirna, sumpfig und mit weit herabhängenden Weidenzweigen, verbreitet eine fast unwirkliche Atmosphäre von robuster Wildheit und Schönheit.

Dass sich Menschliches auch im gezielt ins Bild genommenen Motiv der Landschaft spiegelt, zeigen andere Arbeiten, die fast wie Allegorien anmuten: Seitenhiebe auf die Geschichte verteilt Weber mit seiner Fotografie "Ebenheit" (1997): Die sogenannte "Napoleon-Allee" im Schnee mit Blick auf den Lilienstein wirkt mit ihrer Baumkrüppelreihe wie eine Phalanx von geschlagenen Kriegern. Eine architektonisch reizvolle, fein strukturierte Mauer, auf die wie zufällig ein Schatten fällt und hinter der ein Kirschbaum blüht, lässt aufmerken, wie unachtsam mit wertvoller alter Bausubstanz umgegangen wurde (wenig später fiel das Haus in Zittau dem Abriss zum Opfer). Webers Blick auf den morbiden Charme in der DDR vernachlässigter Bauten, wie das Pfützenschauspiel am Tor zum Großsedlitzer Barockgarten ist ebenso Geschichte wie eine alte Gruft in Zittau (restauriert) oder der Eingang mit Gartenveranda (abgerissen). Das Bild vom angebundenen Schaf vor einem Pavillon im Schlosspark von Dittersbach (1989) scheint auf originelle Weise die Tatsache zu verschlüsseln, dass Leben und auch das Menschsein immer an Leiblichkeit gebunden ist (der Leib als "Tempel Gottes", wie er in der Bibel verstanden wird).

Klaus-Dieter Weber fotografiert mit analoger Technik und entwickelt seine Bilder selbst. Das ist sehr material-, zeit- und kostenaufwändig. Eine handelsunübliche, handgefertigte Panoramakamera sowie mehrere Plattenkameras erfüllen aber durchaus ihren Zweck. Die digitale Kamera dient dabei zur Sondierung. Auf ständigen Suchwanderungen in und um Pirna sowie in der Oberlausitz wird Klaus-Dieter Weber mit Bildern fündig, die die Kraft und die Vitalität der Natur zeigen (Farbfotografie: "Heidenau Großsedlitz"), aber auch Kulturareale und ihre Ränder, die demonstrieren, wie der Mensch die Natur missbraucht und ihr auf schon kuriose und manchmal lächerliche Art seine Vorstellungen aufzwingt ("Birkwitz", beschnittener Baum, 2007). Zwei Vorzugsausgaben und ein Buch sind im Angebot der Ausstellung.

Fotografie von Klaus-Dieter Weber - bis 10. Januar. Bautzner Kunstverein e. V., Galerie Budissin, An den Fleischbänken 7, 02625 Bautzen. Tel. 03591/42223 oder Internet: www.kunstverein-bautzen.de

Mo.-Fr. 13-18 Uhr, Sa. 10-14 Uhr. Gleichzeitig läuft eine weitere Ausstellung von Klaus-Dieter Weber unter dem Titel "Intervention - die Sammlung des Arbeitsgerichtes neu betrachtet" im Arbeitsgericht Dresden, 1. Etage, Hans-Oster-Straße 4, 01099 Dresden, bis 23. März 2012.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.12.2011

Heinz Weißflog

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