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Fotografie von Frank Mädler im Leonhardi-Museum Dresden

Wirklichkeit im fotografischen Zitat Fotografie von Frank Mädler im Leonhardi-Museum Dresden

Analog und großformatig sind die Fotografien des Leipziger Fotokünstlers Frank Mädler (geboren 1963 in Torgelow). Einzelne von ihnen füllen mit ihrer Großflächigkeit fast alle Wände des Leonhardi-Museums. Dabei sind ihre Motive oft minimal und auf wenige Inhalte beschränkt.

Ausschnitt aus: Frank Mädler: Ein Teller (aus: „Seerosen“), 2015, analoger C-Print.

Quelle: Reproduktion humme leipzig

Dresden. Analog und großformatig sind die Fotografien des Leipziger Fotokünstlers Frank Mädler (geboren 1963 in Torgelow). Einzelne von ihnen füllen mit ihrer Großflächigkeit fast alle Wände des Leonhardi-Museums. Dabei sind ihre Motive oft minimal und auf wenige Inhalte beschränkt. Im Erdgeschoss rechts kann man zwei von ihnen sehen: Vögel über Bäumen, wie im Wind gepeitscht, rauchig und unscharf, flüchtig, grauschwarze Schemen, über die Bildfläche hastend.

So eingestimmt, begibt man sich in den zweiten Raum links, der mit Bildern aus der Serie „Gold“ bestückt ist. Bilder von Prag (von zwiespältigen Gefühlen getragen: von hier aus wurde Mädler in den Westen ausgewiesen), durch ein dichtes, unbelaubtes Baumgewirr fotografiert: Im Hintergrund sieht man beispielsweise die Altstadt mit der Karlsbrücke und der Kleinseite. Versteckspiel für die Augen. Suche nach Orientierung. Bilder aus zwei Ebenen, die malerische Farbigkeit und grafisches Schwarz vereinen.

Einzelne Arbeiten haben die Dörfer und Kirchen im Böhmischen zum Gegenstand. Hier herrscht noch die Morbidität der ehemaligen Grenzregion. Eine alte Kirche mit behelfsmäßig repariertem Dach, eingerissenes Fotopapier. Winterliches Weiß, das sich über das „Haus an der Straße“ und über die „Koppel“ gelegt hat, die durch ihre Unschärfe auffällt. Im Katalog spricht man von einem „Filter“, durch den Mädler die Dinge und Landschaften sieht, die er eher im „erkenntnistheoretischen Sinne als mit fototechnischen Mitteln“ (Agnes Matthias) erzeugt.

Das Aquarellzimmer ist den mehreren Dutzend Polaroids vorbehalten, einer Serie, die den Titel „Kopal“ trägt. Unter „Kopal“ fand ich die Bezeichnung für fossiles Baumharz, das im festen Zustand auftritt und für die Chemie und für die Erzeugung von Duftstoffen gewonnen wird. Vielleicht ähneln die kleinen Bilder jenen bernsteinähnlichen Artefakten mit Einschlüssen, in denen die Wirklichkeit konserviert wurde. Aufnahmen einer Tube, von einem Flugzeug, einer Hauswand, einem Leuchter, einem Insekt, einem Haus mit Schornstein, Bäumen im Gebirge, vor allem aber unterschiedlich alten Kindern in originellen Posen. Hier ist überall die Schönheit des Alltäglichen festgehalten, ein Panoptikum von Menschen und Dingen in ihrer unendlichen Vielfalt.

Kleines und Großes, Bedeutendes und Unbedeutendes stehen im immer gleichen Format gleichberechtigt nebeneinander. Im Leonhardi-Saal haben die Aussteller wieder eine gute Lösung in der gemeinsamen Hängung des Meisters aus der Romantik mit gleich großen Fotografien von Frank Mädler gefunden: Hier wie dort Natur, aber bei Mädler wie ein Zitat, minimalistisch auf eine Wasserfläche oder einen Laubbaum im Wald reduziert. Auch hier wirkt die wirkliche Situation wie ein Filter. Am Beispiel des Wasserbildes mit einem auf der Oberfläche schwimmenden Birkenzweig schimmert beinahe ungewollt ein Fisch hindurch, beim Bild mit dem Baum, das den Wald in der Draufsicht zeigt, sieht man im starken Regenguss nur die Krone eines einzelnen Laubbaumes.

Natürliche Erscheinungen dienen dem Bild zur Verfremdung, in dem sie die Wirklichkeit in ihm minimieren. Diese Art von Romantik-Rezeption, wenn man davon sprechen darf, ist in ihrer Realisierung einmalig und originell. Schließlich: Im Großen Saal dominieren die Großformate, darunter frontal Mädlers Seerosenbilderserie mit deutlichem Bezug zu Claude Monets „Seerosenteich“, ein Bild von dessen Garten in Giverny. Hier aber überwiegt die natürliche Nahaufnahme der Motive aus ungewöhnlicher Perspektive, besonders der Schwimmblätter und der sich in Entfaltung befindlichen Blüten. Der Blick geht dabei in die Tiefe, das Wasser ist opak und dunkel, während die runden, eingeschnittenen, fleischigen Blätter in Makrogröße eine andere Wirklichkeit vortäuschen. Minimal strukturierte Fotografien sind auch jene mit einzelnen Vögeln im Flug, eine sich spinnenförmig kreuzende Straße („Renault“) und die zweiteilige Arbeit „Schiff“, sowie „Windrad“, bei denen zum Teil die Unschärfe als Verfremdungsmittel eingesetzt wurde. Eine besondere Serie unter dem Titel „Blue Shine“ beschäftigt sich mit technischen Anzeigetafeln, wie „Power“, „Start“ und „Display“, bei denen der Fotograf mit der Kamera sich genormten Elektronikstandards malerisch nähert und das künstliche Licht wie Reklame wirken lässt.

Frank Mädler studierte an der HGB Leipzig und beendete hier im Jahr 2000 nach zwei einjährigen Ausflügen an die Facultad de Bellas Artes de la Universidad Complutense de Madrid und an die Universidad Castilla-La Mancha in Cuenca seine akademische Ausbildung als Meisterschüler von Astrid Klein (deutsche Malerin, Grafikerin, Designerin und Fotografin, Professorin an der HGB Leipzig). Mehrere Stipendien führten ihn wieder nach Spanien und an die Villa Massimo in Rom. Frank Mädler lebt und arbeitet in Leipzig.

bis 4. September. Leonhardi-Museum Dresden, Grundstraße 26, geöffnet Di-Fr 14-18 Uhr, Sa und So 10-18 Uhr.

Den Katalog gibt es während der Ausstellung für 25 Euro, danach kostet er 29 Euro.

www.leonhardi-museum.de

Von Hienz Weißflog

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