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Fotografie von Andreas Seeliger im Zahnärztehaus Dresden

Fotografie von Andreas Seeliger im Zahnärztehaus Dresden

"Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung", schrieb Antoine Saint Exupéry. Mit einer eigenwilligen Sicht auf den urbanen Raum und seine Dinge wartet der Dresdner Fotograf Andreas Seeliger in einer Ausstellung des Zahnärztehauses auf.

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Andreas Seeliger: Aus der Serie peripher I, 2000-2006.

Quelle: Andreas Seeliger

In einer besonderen Wahl des Motivs (ohne Inszenierungen) richtet sich sein Blick auf die vorherrschende kubische Form und Verschachtelung ziviler Bauten der Moderne, die ironisch mit Restbeständen der Natur konfrontiert werden. Besonders reizvoll sind jene Arbeiten, die Zwischenzustände charakterisieren, die Brachen und Neubau gleichermaßen in den Focus nehmen. Kulturelle Makellosigkeit und Glanz postmoderner Bauweise stehen neben der Schönheit einer von einer mageren Wiese eingenommenen Fläche. Beides, Natur und Architektur, werden hier in ästhetischen Gegensätzen formuliert, die das Menschenwerk als Versuch darstellen, den irdischen Raum zu beherrschen und zu kontrollieren, während die Natur ständig dagegen arbeitet.

Die frühen fotografischen Arbeiten von Andreas Seeliger verstehen sich als "Selbstexperimente", darunter die Aktionen "Identifikationsversuch" (1985) und "Hände/Schüssel" (1984) sowie die Sequenzen "Selbst vor Teller" (1984). Seeliger bezog sich im Rahmen der Aktionskunst und durch Anregung des Dadaismus selbst als Agierender (Prozess) und als Künstler (aus der Position einer gesteigerten Subjektivität) ein. Die Entwicklung eines banalen Vorganges (von A nach B) wie das Essen von einem Teller fotografisch festzuhalten und zu dokumentieren, ist dabei ebenso von Bedeutung wie die minutiöse Darstellung der Veränderung von Bild zu Bild.

Von der Auseinandersetzung mit dem Banalen gelangte Andreas Seeliger zu seinen Beobachtungen im öffentlichen Raum. In der Serie "Behauptungen" (1996-1999) trifft die neue Welt nach 1989 auf die Protagonisten von gestern, wie die Groteske mit einem Mann mit Pelzmütze vor einer Pelzreklame, die zufällig und ohne Inszenierung entstand. Zunehmend werden aufgefrischte Neubauten aus der DDR Gegenstand der Betrachtung ("peripher I", 2000-2006): An einer makellos weißen Wand lehnen zwei Säcke oder ein Gartenstuhl. Dabei wird die zeitweise bewusst erlebte Absenz des Menschen in Kauf genommen. Nur die Dinge sprechen noch von seiner Existenz. Ganz anders sind seine "kargen Landschaften ("Bau BAB A17+Tagebau Kostebrau") zu verstehen. Dort tritt plötzlich und irritierend eine durch große Erdbewegungen künstliche geschaffene Landschaft in den Mittelpunkt, die an Wüsten oder einen fremden Planeten erinnert. Der Gewalt, die hier der Landschaft angetan wurde, folgen Faszination und Überwältigung, gerade dann, wenn das Betonband der Autobahn sich durch haushohe Berge aus Schutt und Erde zu bewegen scheint.

Die Serie "rot/weiß" (2009) kam durch ein Austauschstipendium mit vierwöchigem Aufenthalt in Salzburg zustande. Die Nationalfarben Österreichs kehren auf den Schnappschüssen in der Stadt wieder, wie das um einen Hydranten gewundene Absperrband, ein roter Gartenstuhl, eine rote Stützwand, ein rot-weißes Verkehrsschild unter einer Bahnunterführung, ein rotes Reklameschild und allerlei rot-weiße signalartig hervorstechende Elemente im urbanen Raum.

Die jüngst entstandenen beiden schwarz-weißen Waldstücke "Heller - Areal" von 2014 bilden das Zentrum der Ausstellung. Ein im Winterglanz stehender Jungwald, dessen Bäume durcheinander zu stürzen drohen, scheint von aller Absicht und Idee befreit. Nun ist die Natur plötzlich ganz Struktur und Bewegung, eins zu eins umgesetzte Realität. Aber auch ein Restraum, den es zu bewahren gilt.

Bis 11. März 2015. Zahnärztehaus, Schützenhöhe 11. Mo-Do 8-17 Uhr, Fr 8-16 Uhr www.zahnaerzte-in-sachsen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.01.2015

Unser Ratgeber gibt Ihnen Fotografie-Tipps für Anfänger.

Heinz Weißflog

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