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Folk, Beats, Pop und Worte, vor allem aber Taten: Bis morgen läuft das dritte Thalia Gardens Festival

Folk, Beats, Pop und Worte, vor allem aber Taten: Bis morgen läuft das dritte Thalia Gardens Festival

Zum Beispiel die Mighty Oaks. Die hätte man beim Thalia Gardens Festival (TGF) schon beim Debüt vor zwei Jahren entdecken können, wenn man sich aufgemacht hätte ins von außen eher verwechselbare Neustädter Gebäude, das lieber nach hinten aufgeht.

Das ist durchaus auch im übertragenen Sinne gemeint. Aus Anlass des Festivals wird jeder noch so kleinste Winkel genutzt. Die Schaufensterfront lädt ein zum Neugier wecken, auch wenn sie schummrig verhangen und wieder nicht zu öffnen sein wird an diesen drei Abenden und Nächten. Denn das Foyer ist Spielstätte Nummer 1. Dort wird zur "Closing Show" getanzt, vorzugsweise diesmal zu Funk'n'Soul'n'Jazz. Der Dresdner Rapper, DJ, Produzent und Veranstalter Ludwig Coburger alias Said Sur la Place wird auflegen und mutmaßlich bestens aufgelegt sein. Auch er ist für eine Entdeckung gut.

Mit Entdeckungen hält es das TGF sowieso am liebsten. Zum Beispiel die Mighty Oaks also. Nicht ohne Grund spielt die hochgradig sympathische, international besetzte Roots-Band aus Berlin am 2. August etwas weiter oben in der Stadt, auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch. Denn sie ist inzwischen durch die Decke gegangen - was man vor zwei Jahren vielleicht ahnen konnte und im letzten Jahr beim zweiten Gardens-Auftritt fast Gewissheit war (DNN schrieben "Die Oaks werden langsam Mighty!"). Man leckt sich plötzlich alle zehn Finger nach dem Trio, und vor den Kings Of Leon spielen auch nicht alle. Ob beim Thalia Gardens wieder wer mit solchem Potenzial dabei ist? Abwarten und etwas trinken an der Bar.

Der Thalia-Kinosaal ist (gesetzte) Spielstätte Nummer 2, so wie er es auch im gesamten Jahr längst ist, mit der Sunset-Mission-Musikreihe und Literaturlesungen. Diesmal bringt das TGF das künstlerische Angebot des Thalia in Vollendung zusammen. Nach der Filmaufführung des lakonischen Island-Oma-Porträts "Grandma Lo-Fi" 2012 sowie des Efterklang-Streifens "The Ghost of Piramida" 2013 wird nunmehr über Film gesprochen und zwar mit literarischer Note. Der Leipziger Clemens Meyer ("Im Stein", "Als wir träumten") hat mit Literaturexperte Claudius Nießen eine Idee ausgebrütet, die im nächsten Jahr in Buchform beim Dresdner Verlag Voland & Quist erscheinen wird. Arbeitstitel: "Meyers Filmlexikon". Film- und Kinobetrachtungen auf essayistische Weise sollen es werden, Meyer und Nießen experimentieren beim TGF schon mal an der offenen Herzenssache.

Zum Thalia-Gelände gehört auch ein Garten - sonst hieße das Festival nicht so. Zunächst gab es in Spielstätte Nummer 3 Einzelkonzerte zur BRN, dann entdeckte man zum Gardens 2012 diesen wunderbar lauschigen Ort komplett neu. In den ersten beiden Ausgaben sah man glücklichen Menschen bei der inneren Gartenarbeit zu, und die auf der kleinen Bühne mit angeschlossenem Backstage-Zelt gärtnerten auch: die große Baby Dee, Sóley aus Island, der Dresdner Felix Räuber, die anderen.

Ein wesentlicher inhaltlicher Akzent ist beim 2014er TGF zu vermerken. Man kann einen stilistisch umfassend agierenden Künstler wirklich näher kennenlernen: Der Brite Will Samson wird "artist in residence", spielt an allen drei Abenden und lässt dabei in sein im guten Sinne verspieltes Spektrum aus analogen Electronics, Ambient, Folk und Rock, garniert mit hoher Bon-Iver-Stimme, blicken. Aus Hamburg kommen Parasite Single (Electronics/Gesang), die Dresdner Fraktion eröffnete gestern Abend mit den Debütanten Chief In The Garden (Hand-Rock) und ist morgen mit Trains On Fire (Gitarre/Gesang/Electronics) vertreten. Die australischen Lowlakes und der Däne Rolf Hansen als Il Tempo Gigante speichern ihrerseits gehöriges Potenzial im Spannungsfeld aus vokalem Minimal-Pop bis Singer/Songwriter-Brüchigkeit. Der Wiederkehrer ist diesmal Gabriel Miller Phillips, der als US-Amerikaner mit Wohnort München jetzt seine aktuelle, zweite CD "Mirror, Mirror" dabei hat und sich weiterhin nicht festlegen mag.

Beim Thalia Gardens Festival geht es nicht um Konkurrenz zu anderen großen und kleinen Sommerfestivals in der näheren und weiter entfernten Umgebung, nicht einmal zu parallel laufenden Veranstaltungen. Konkurrenz ergibt sich bestenfalls aus der Tatsache, dass man als Besucher nicht davon entbunden wird, Prioritäten zu setzen. Ohne ein Grundmaß Neugier wird es auch diesmal nicht gehen. Wer Ambiente sucht, wird Ambiente finden. Denn das dreiabendliche Fest könnte auch "Thalia Lustgardens" heißen. Es ist keiner der Häkchentreffs, bei denen man Hörlisten abarbeitet. Beim Wandeln zwischen diesen stets intim bleibenden Orten auf kleinstem Terrain fällt dem Zuhörer zwischen Perle und Alltäglichkeit wirklich alles auf.

Das Programm heute: Will Samson, Lowlakes, Gabriel Miller Phillips, Parasite Single; Sonnabend: Will Samson, Il Tempo Gigante, Trains On Fire, Meyers Filmlexikon. "Closing Show"; An beiden Abenden: Said Sur la Place; Die Konzerte beginnen jeweils 20.30 Uhr; Weitere Informationen gibt es unter www.thalia-gardens.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.07.2014

Andreas Körner

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