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Flutopfer kehrt ins Showbusiness zurück - Wiedereröffnung des Dresdner Travestietheaters "Carte Blanche"

Flutopfer kehrt ins Showbusiness zurück - Wiedereröffnung des Dresdner Travestietheaters "Carte Blanche"

Zora in Gold mit üppigem Federkopfschmuck und einem unergründlichen Blick - so schaut sie dem Betrachter überall in der Stadt tief in die Augen. Die Wiedergeburt des Travestietheaters "Carte Blanche" wird mit einer großen Werbeaktion eingeläutet und Chefin Zora Schwarz gibt auf den Plakaten einen Vorgeschmack auf das Comeback.

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Zora Schwarz in ihrem Kostümfundus. Er wurde zum Glück nicht von der Flut geschädigt. Die Kostüme haben einen überaus hohen Wert - bei echten Straußenfedern oder Perlen kein Wunder.

Quelle: Dietrich Flechtner

Am Donnerstagabend öffnet in der Prießnitzstraße in "Zoras Welt" ein neues Theater mit einer neuen Show. Die Seele des Unternehmens wird im Goldfummel und in vielen weiteren Kostümen mit ihrem Künstlerteam strahlend auf der Bühne stehen.

Zwei Tage zuvor nimmt sich Zora Schwarz im größten Stress, neben ratternden Nähmaschinen Zeit für ein Interview, probiert noch ein Paillettenteil an und gibt - ganz Profi - geduldig Auskunft. "Wir leben unsere Träume. Bei uns gibt es Power, Pompöses, Lustiges", versucht sie eine Erklärung für das, was sich hinter dem bunten Flitter verbirgt. "Wenn das Licht angeht, lachen wir, egal was vorher war. Wir sind dafür da, dem Publikum Freude zu bereiten. Es gab auch schon Gäste, die geweint haben, weil sie die Show so schön fanden." Diese Mischung aus Parodie, Phantasie, Comedy, Musik und Tanz, mit Herren, die hier die schöneren Damen sind und einer glamourösen Diva, die ein ganz normaler Mensch ist.

Im Juni dieses Jahres war ihr gar nicht nach Lachen zumute. Da stand die kleine Prießnitz plötzlich über sieben Meter hoch im Theater, verwüstete von den fünf Häusern des "Carte-Blanche"-Unternehmens drei ziemlich arg und verursachte einen Millionenschaden. Als das eigentlich harmlose Flüsschen sich durch Lüftungsschächte und Fenster Zugang verschafft hatte, war das "der schlimmste Tag in meinem Arbeitsleben", erklärt Zora Schwarz. Dabei konnte sie 2009 während der Dresdner Filmnächte bereits das 25-jährige Jubiläum der Travestie-Revue feiern, die einmal als Tourneetruppe begonnen hat.

Zuerst habe sie noch gedacht, zwei Tage Ärmel aufkrempeln, dann spielen wir wieder. Nun ist ein halbes Jahr Pause daraus geworden, in dem entschlammt, getrocknet, gebaut wurde: statt Glanz und Glitzer monatelanges Warten, Säubern, Planen, Hoffen. Den vielen freiwilligen, jungen Helfern mit Pumpen und Sandsäcken zollt sie besonderen Dank, ebenso dem Dresdner Bauunternehmen Heiko Paul, das sich mächtig ins Zeug legte, nun, Ende November pünktlich fertig zu sein. Zoras Dankbarkeit gilt weiterhin ihrer Versicherung, die den größten Teil des Schadens zahlt.

Alle 27 Mitarbeiter vom Büro über den Service bis zu den Künstlern hätten zur Stange gehalten und bis zuletzt gearbeitet, wo es nötig war, betont die Chefin. Familiäre Atmosphäre ist ein Markenzeichen des Betriebes. Jetzt legt Christian letzte Hand an Feder-Kreationen, klebt und stichelt. Später auf der Bühne ist er Cher oder Josephine Baker. Dyona Lorr aus Martinique greift zu Nadel und Schere, trennt auf und macht passend, was nicht richtig sitzt. "Meine Jungs haben goldene Hände", lobt Zora. Zum Glück sind der Flut nur wenige Kostüme zum Opfer gefallen. Der Fundus hat einen Wert von einer Million Euro: echte Straußenfedern, Swarovski-Steine, Perlen, Stoffe aus Dubai, Paris oder New York.

Gespannt wartet Zora Schwarz auf neue Kostüme, die aus Thailand und von den Philippinen eintreffen sollen. In Deutschland seien solche handgefertigte Roben unbezahlbar. An einem Modell wurden Tausende Stiftperlen aufgenäht, was auch dem Träger einiges abverlangt, denn es kommen ein paar Kilo Gewicht zusammen. Und trotzdem geht das Umziehen rasant. "In einer Sekunde wird aus einer Hexenshow ein Maskenball", verrät Zora ein Detail. Auch Paris wird im neuen Programm eine Rolle spielen, schließlich kommt die Choreografin aus Frankreich. Und weil es ein Jubiläum zu feiern gibt, wurde das Künstlerteam von neun auf 13 Personen erweitert.

Genau vor zehn Jahren, am 28. November 2003, konnte das "Carte Blanche" als festes Theater im ehemaligen Gelände von Pfunds Molkerei auf der Prießnitzstraße eröffnet werden. Dazu kamen als "Zoras Welt" noch das Hotel "Backstage", ein kleines Varieté-Theater, die Cocktailbar "Zora" und das kroatische Restaurant "Buba Mara". Investition insgesamt: fünf Millionen Euro. Nun habe ihr Travestie-Theater mit der flutbedingten Neueröffnung auch ein neues Kostüm bekommen, erklärt Zora. Vor allem ist es jetzt so ausgerüstet, dass das nächste Hochwasser abfließen kann. Die Bühne ist größer geworden. Es gibt eine Showtreppe. Die Besucher - es ist Platz für 100 Zuschauer - laufen über einen leuchtenden Glasboden. Im heftigen Handwerkergewusel leuchten rote, goldene, pinke und grüne Farben auf.

Das ehemalige Varieté-Theater ist noch immer flutgeschädigt. Es soll so saniert werden, dass es künftig vermietet werden kann. Das ist Teil der neuen Pläne. Schwarz will 2014 das Travestie-Theater in das frühere Pfundsche Festspielhaus verlegen, wo jetzt Schneiderei und Fundus untergebracht sind. Dort soll eine Hebebühne über drei Etagen eingebaut werden. Das jetzt wiedereröffnete Etablissement ist dann als zusätzliches Theater für eine früher beginnende Aufführung gedacht.

Doch jetzt heißt es "Vorhang auf!" zur Jubiläumsshow. "Viele Dresdner, die schon Karten hatten, wollten nach der Flut kein Geld zurück. Sie haben gewartet, bis wir wieder aufmachen", sagt Zora mit der schon gewohnten Portion Lampenfieber.

iTickets unter Tel.: 20 47 20

Internet: www.carte-blanche-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.11.2013

Genia Bleier

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