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Flämische Landschaften in Dresdens Galerie Alte Meister

Ausstellung „Das Paradies auf Erden“ Flämische Landschaften in Dresdens Galerie Alte Meister

Große Namen sind in dieser Ausstellung versammelt, sie reichen von Bruegel bis Rubens. „Das Paradies auf Erden“ umfasst mehr als 140 Werke flämischer Landschaftsmalerei. Wer zur Eröffnung der Schau möchte, sollte übrigens am Freitagvormittag die DNN-Facebookseite im Auge behalten.

Jan Brueghel d. Ä., Landschaft mit dem Rohrdommeljäger, 1605, Öl auf Eichenholz (Ausschnitt).

Quelle: Gemaeldegalerie Alte Meister © Staatliche Kunstsammlungen Dresden Foto: Elke Estel/Hans-Peter Klut

Dresden.  Eine Fels- und Waldlandschaft umrahmt eine weite Wiesenebene, in deren Zentrum sich ein bauliches „Ungetüm“ erhebt, während daneben wilde Berge die Szene bestimmen. Darüber breitet sich ein wolkiger Himmel. Das Bauwerk ist unschwer als Arche Noah zu deuten angesichts einer in unglaublicher Anzahl und Vielfalt am Boden und in der Luft versammelten Tierwelt sowie einer kleinen, ihre Hände zum Himmel reckenden Gestalt, die wohl nur Noah sein kann. Ersonnen hat die wundervolle Szenerie der Künstler Roelant Savery (1576–1639), einer der angesichts seiner Tierdarstellungen innovativsten Vertreter flämischer Landschaftsmalerei des 16./17. Jahrhunderts.

Das zu den Prunkstücken der Ausstellung „Das Paradies auf Erden. Flämische Landschaften von Bruegel bis Rubens“ gehörende Gemälde „Vor der Sintflut“ entstand 1620. Dass das Bild nun – nicht nur, weil es den Besucher empfängt – seine Wirkung auf diese Weise in der ab Sonnabend geöffneten Schau entfalten kann, ist den Restauratoren zu verdanken. Von deren Anstrengungen sieht man nun nichts mehr, aber man kann sich von der Restaurierungsarbeit – sie galt im speziellen Fall der von Gillis van Coninxloo/ Karel van Mander geschaffenen „Landschaft mit dem Urteil des Midas“ (1598) – mittels eines Films ein Bild machen.

Mit 141 Werken ist die Präsentation wahrhaftig „ein Beweis für den Reichtum der Dresdner Galerie“, wie Stephan Koja, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister und der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, gestern vor der Presse betonte. Die ungemein vielfältige, durchaus zu mehreren Besuchen herausfordernde Ausstellung, die übrigens ganz wesentlich der schon zehn Jahre andauernden Förderung der Kunstsammlungen durch die Sparkassen-Finanzgruppe zu danken ist, rückt einen Bestand ins Zentrum der Aufmerksamkeit, der über lange Zeit – das gilt nicht zuletzt für die Sichtbarkeit im Semperbau – ziemlich stiefmütterlich behandelt wurde. Nun wird sich das wohl ändern, öffnet die Schau doch ein „Fenster“ zu einem langfristigen Forschungsprojekt, so Uta Neidhardt, Oberkonservatorin für niederländische Malerei und Kuratorin des „Paradies(es) auf Erden“. Gemeint ist die Erarbeitung des voraussichtlich 2019 vorliegenden kritischen Bestandskatalogs für flämische Malerei, der rund 400 Gemälde zuzuordnen sind, wovon die 160 Landschaften – 70 werden in der Ausstellung gezeigt – die größte Gruppe bilden.

Eine der interessantesten Fragen, die mit dem Projekt verbunden ist, findet hier zugleich viele Antworten: die nach der Entstehung des Sujets „Landschaft“ und seiner Ausdifferenzierung. Dazu bedurfte es gesellschaftlicher und damit verbundener geistiger Voraussetzungen. Und diese waren gerade in der Handels- und Seefahrergesellschaft der Niederlande in hohem Maße gegeben. Man entdeckte die Welt, damit auch die Natur. Mancher wurde reich durch den Handel, entwickelte Bedürfnisse, dies auch in seinem Wohnumfeld sichtbar zu machen. Besonders – und damit ist das Zentrum der flämischen Landschaftsmalerei angesprochen – Antwerpen bot dafür einen guten Raum. Aber auch in Mecheln, Brügge oder Brüssel gab es entsprechende Malwerkstätten. Begonnen hatte alles mit frühen Darstellungen in Monatsbüchern, etwa am burgundischen Hof, oder als Hintergrund auf Altar- und Heiligenbildern. In den Malwerkstätten entwickelten sich so Spezialisten, die etwa das explizite Bedürfnis wohlhabender Bürger befriedigen konnten, ihnen vielleicht ein Bild ihrer Stadt zu malen, wie es Hans Bol (1534–1593) tat, oder auch eine Naturszenerie.

Einer der ersten, ja der „Erfinder“ der flämischen Landschaftsmalerei, war Joachim Patinir (1480/85–1524). Er schuf sogenannte Weltlandschaften wie die in der Ausstellung gezeigte, aus Antwerpen ausgeliehene „Landschaft mit der Flucht nach Ägypten“ (1516/17). Diese Art der Darstellung vereint viele Elemente der bekannten Welt in sich, wobei eine Staffelung in drei Ebenen oder Zonen bestimmend ist, die sich auch farblich unterscheiden. Zum großen Innovator aber wurde der für seine Bauerndarstellungen bekannte Pieter Bruegel der Ältere (1526/30–1569). Seine „Großen Landschaften“ (1555/56), die er im Ergebnis einer Italienreise schuf, fanden nicht zuletzt über Kupferstiche eine große Verbreitung. Eine ganze Serie davon zeigt die Dresdner Ausstellung, die auf zahlreiche weitere Gaben des Kupferstich-Kabinetts zurückgreifen kann. Denn wie von Patinir gibt es auch von Pieter Bruegel keine Gemälde vor Ort. Dafür sind Schüler Patinirs wie Herri met de Bles oder andere Mitglieder des Bruegel-Clans wie Jan Brueghel der Ältere und Jan Breughel der Jüngere gut vertreten.

Was alle diese Landschaften angeht – der Bogen ist geschlagen bis zu Peter Paul Rubens’ (1577–1640) atmosphärischer „Wildschweinjagd“ (um 1616–1618) sowie Werken einiger seiner Brüsseler Nachfolger: Sie sind alle ideale Konstruktionen, wenn auch aus realen Landschaftselementen. Und einige sind veritable gemalte Paradiese, darunter Saverys wunderbare tierreiche Landschaften. Vielleicht waren solche „Paradiese“ manchmal auch ein Trost in der harten Wirklichkeit: Denn die Entstehungszeit der flämischen Landschaftsmalerei war eine Periode heftiger Machtkämpfe unter dem Vorzeichen der Religion, in der viele Menschen, darunter auch viele Maler, zu Flüchtlingen wurden. Sie waren Opfer der Rekatholisierung der südlichen Niederlande. Ihnen blieb – die „Muster“ scheinen sich zu wiederholen – nur die Flucht in den reformierten Norden, wo sie in Amsterdam oder Den Haag zur Weiterentwicklung der Kunst beitrugen.

Kunsthalle im Lipsiusbau: 1. Oktober 2016 bis 15. Januar 2017,

Öffnungszeiten: 10 bis 18 Uhr, Mo geschlossen;

Eintritt: 8 Euro (erm. 6 Euro), Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren frei;

Katalog: Museumsausgabe 28 Euro (im Buchhandel 39,80 Euro);

Angeboten wird ein umfangreiches Begleitprogramm von Rundgängen, Vorträgen von Wissenschaftlern anderer Fachgebiete, Kunstpausen, Abendvorträgen, speziellen Angeboten für Kinder und Jugendliche sowie für Familien und weitere besondere Veranstaltungen.

Informationen dazu: siehe Ausstellungsflyer oder www.skd.museum/paradies

Von Lisa Werner-Art

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