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Fjarill spielte in der Dresdner Dreikönigskirche

Fjarill spielte in der Dresdner Dreikönigskirche

Es naht das Fest des Feste in der Christenheit, der einzige Moment im Jahr, an dem man vor einem toten Baum sitzt und Süßes aus Stiefeln isst. Eigentlich freuen sich alle, selbst erklärte Atheisten feiern nolens volens mit, aber der Advent hält davor noch so manche akustische Grausamkeit bereit: In Gestalt der wieder und wiederkehrenden Lieder über süße Rentiere, klingelnde Glöckchen oder den alten Onkel mit dem Rauschebart, auch bekannt als Santa Claus.

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Aino Löwenmark und Hanmari Spiegel spielten als Fjarill in der Dreikönigskirche Dresden.

Quelle: Maike Helbig

Dass es auch anders geht, dass vorweihnachtliche Besinnlichkeit nicht in Kitsch abgleiten muss, bewies das Duo Fjarill, das nun im Rahmen der Reihe "Musik zwischen den Welten" in der Dresdner Dreikönigskirche gastierte.

Denn Fjarills Musik hat eine ganz eigene Magie, herbeigezaubert durch die melancholisch klagende Geige von Hanmari Spiegel aus Südafrika, die wiederum durch das melodiöse Piano von Aino Löwenmark aus Schweden dann doch wieder ein bisschen geerdet wird. Dass man die schwedischen Texte nicht versteht, ist nicht weiter störend. So können die Gedanken, die bekanntlich frei sind, schweifen. Ein Lied der beiden "Schmetterlinge" (was Fjarill übersetzt bedeutet), die sich die alte Hansestadt Hamburg als Wahlheimat auserkoren haben, entpuppt sich, wie man in einer der mit schwedischem Charme und Akzent vorgetragenen Ansagen erfährt, als "Erinnerung an die Kindheit, als man die Zeit noch mit wirklich wichtigen Dingen verbracht hat". In einem anderen Song wird eine Seele beschworen, "die gesehen werden will". Klingt natürlich nach wohlfeilen Lebensweisheiten, verfehlt aber - ist halt doch Advent - die Wirkung aufs Gemüt nicht.

Fein gesponnene Kompositionen und Arrangements sind das, die Löwenmark und Spiegel beeindruckend homogen und virtuos verflechten. Sensibles, manchmal perlendes, zumeist aber unterfütterndes Pianospiel, darüber facettenreiche Violinentöne, flirrend, sirrend, verspielt, mitunter akkurat gezupft. Nie wecken die beiden Musikerinnen den Verdacht der eitlen Zurschaustellung ihrer Fähigkeiten - anders als so mancher männlicher Stehgeigergockel im Land. Gelegentlich kommt - als aparte Dreingabe - Hans-Georg Spiegel mit auf der Bühne. Die Töne, die er zart dem Akkordeon entlockt, verschmelzen unerwartet innig mit denen von Geige und Klavier, auch wird so den an Volksmusik orientierten Melodien Fjarills noch eine hübsche Nuance hinzugefügt. Melancholie liegt in der Luft, Trübsinn nicht.

Der Aufforderung, bei einem "sehr eigenwilligen" Pippi-Langstrumpf-Rondo mitzumachen, also mitzuklatschen und mitzuschnalzen sowie mit den Armen zu rudern wie die Zeiger einer Uhr, kommt das Gros der Zuhörer bereitwillig nach. Ein Lied, dessen Titel übersetzt "Flügelschlag" lautet, wird als das lauteste Stück des Abends angekündigt. Okay, die Jungs von Heavy-Metal-Bands wie Metallica oder Mötley Crüe werden nur höhnisch grinsen, aber für Fjarill-Verhältnisse wird es in der Tat mal etwas krachiger.

Teil zwei des Konzerts nach der Pause wird mit einem Schlaflied eröffnet, zwei weitere werden von Löwenmark angekündigt, was zur Folge hat, dass man sich unwillkürlich fragt: Nanu, waren das bislang nicht alles Schlaflieder, Elfen-Elegien, die das Einschlummern direkt herausfordern? Den Konzertbesuchern war's egal, bei der Zugabe sangen alle ergriffen den Refrain "Ukuthu-u-la,.. Ukuthu-u-la" mit, was auch immer der bedeuten mag.

Und in etwas über einer Woche wird man auch wie alle Jahre wieder doch - weil es sich so gehört und einfach schön ist - "O Tannenbaum" oder "Stille Nacht, heilige Nacht" anstimmen und nicht mal ansatzweise als akustische Grausamkeit empfinden. Warum auch?

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.12.2014

Christian Ruf

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