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Fink spielten ein großes Konzert im Alten Schlachthof Dresden

Fink spielten ein großes Konzert im Alten Schlachthof Dresden

Der Saal riecht nicht nur merkwürdig nach süßlichem Bühnennebel, er ist auch gleich von Anfang an mit echter musikalischer Zuneigung gefüllt. Das merkt man schon, als Douglas Dare mit einem Schlagzeuger aufspielt.

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Fink spielte im Alten Schlachthof.

Quelle: Dietrich Flechtner

Der Brite hat mit "Whelm" (2014, Erased Tapes) gerade sein bittersüßes Debüt veröffentlicht, das so minimalistisch wie ausdrucksstark daherkommt, nur mit seiner Wahnsinnstimme, seinem Klavierspiel und ein bisschen arrhythmischer, elektronischer Begleitung.

James Blake vom Musikkonservatorium. Kumpel von Label-Kollegen Nils Frahm und Ólafur Arnalds, was man, wenn man wollte, auch beim zweiten Dresdner Auftritt heraushören konnte. Den ersten Auftritt hatte er als akustischen, beim kleinen "Thalia Gardens Festival" im Jahr 2013. Das Kammerkonzert passt er nun der größeren Bühne an. Da zieht der Rhythmus gleich, zerfrickelt die klaren Linien des studierten Musikers, der immer noch so artig wie ein Klavierschüler an seinem E-Piano sitzt, doch mittlerweile mit Hipster-Wollmütze auftritt. Die Wahnsinnsstimme kann man jedoch an diesem Abend leider nur erahnen, sie wurde von der Technik seltsam entsaftet.

Was sie bei Dare an Volumen sparten, legten sie danach der ebenfalls britischen Band Fink ins Mikro. Finian Paul Greenall (Gesang, Gitarre), Tim Thornton (Schlagzeug) und Guy Whittaker (Bass) holten sich noch zwei Musiker an Keyboard und Gitarre dazu. Zur Aufstockung der Intensität von etwas, das sie selber als Post-Rock bezeichnen, mit Folk-, Blues- und Indie-Einflüssen. Auch wenn der Rock hier nicht durchdreht, sondern eher im Hintergrund lauert wie eine Wildkatze, ständig bereit zum Sprung.

Tatsächlich denkt man bei ihrem intensiven Songwriting gelegentlich an die ausufernden Schleifen beim Postrock, die sich langsam in ihrer Intensität steigern. Nur, dass hier die Spannung viel größer ist, weil Fink eben keinen Postrock machen, sondern nur dessen repetitive Sogwirkung nutzen. Darüber passiert so viel mehr in ihren Songs. Gitarren schlagen mal kurz an und verhallen gleich wieder. Das Schlagzeug, das mal tief und wohlig im Viervierteltakt wummert und mal nur hölzern dazwischen pocht. Und natürlich die Stimme, um die herum dieser musikalische Minimalismus ja erst erfunden wurde, der fast vorsichtig zu nennen ist und überhaupt nur richtig ausbricht, wenn Greenall mal schweigt.

Mit "Pilgrim" vom neuen Album "Hard Believer" (2014, Ninja Tune) beginnen sie, singen davon, dass sie weit gekommen sind, und gehen gleich danach zurück in die Vergangenheit. "Warm Shadow" vom 2011er Album "Perfect Darkness" folgt und darauf so was wie der erste Hit "Sort of Revolution" vom gleichnamigen Album, mit dem sie seit 2009 auf einmal dazugehören zu den schwelgend Suchenden. "Let me know when we get there, if we get there", die Zeile, die einen jahrelang begleitet hat durchs eigene Gefühlsgestrüpp. Denn Fink sind wirklich gute Musiker. Doch sie sind eine noch bessere Live-Band, weil sich ihr Wunsch, ergreifend Melodiöses zu spielen, auf der Bühne mit ihrem Bedürfnis nach Spannung zu paaren scheint, was sie mit dem Live-Mitschnitt "Wheels Turn Beneath My Feet" 2012 für alle auch auf Platte hörbar machten. Doch nun hat man sie hier direkt vor der Nase. Bei all der perfekten Dunkelheit, die sie abwechslungsreich inszenieren, gibt es am Ende sogar noch einen "Berlin Sunrise" und damit ein wenig Licht. Das Lied ist ein weiterer internationaler Hauptstadtsong, den Greenall seiner neuen Heimat Berlin-Kreuzberg gewidmet hat, der Ort, an dem die für ihn wichtigen Faktoren Bewegung und Lärm zusammenkommen. Die äußere neue Unruhe mündet bei ihm aber offensichtlich nicht in Stress, sondern in ein unzerstörbares, inneres Gleichgewicht.

Er sagt nicht sehr viel, aber er strahlt dabei, und man kauft ihm seine Freude ab. Es sei das erste Mal, dass er in Dresden eine Zugabe gibt. Das liegt nicht etwa daran, dass ihn beim ersten Mal keiner hören wollte, sondern daran, dass er als Vorband von The Boxer Rebellion in der Scheune spielte. 2009 war das. Da kam er noch als Bruce Willis-Kopie im Army-Look, allein und nur mit seiner Akustikgitarre. Dieses Mal trat er mit fahrradschlossdicker Kette um den Hals auf, ganz in schwarz gekleidet und mit Basecap auf dem rasierten Kopf. Ein tiefenentspannter Typ, der sich mehrmals überwältigt bedankt an diesem Abend, für die gute Betreuung im Alten Schlachthof und immer wieder für die Reaktionen des Publikums, von dem man endlich mal sagen kann, dass man selber gern Teil davon gewesen ist.

Nach dem Konzert ist vor dem Konzert: Fink spielen am 15. Februar im Täubchenthal in Leipzig.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.11.2014

Juliane Hanka

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