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Figur im Raum: Illusion und Wirklichkeit - Arbeiten von Andreas Wachter in der Kunsthandlung Koenitz in Dresden

Figur im Raum: Illusion und Wirklichkeit - Arbeiten von Andreas Wachter in der Kunsthandlung Koenitz in Dresden

In seinen Bildern öffnen sich geheime Räume: Man blickt auf eine Gruppe am Meer stehender ominöser Figuren, eine halbnackte Frau und ein Zwerg, der vielleicht auch ein Kind mit roter Kappe oder Punkfrisur sein könnte, wie auf einem Sockel, dahinter und davor Pferde, rechts davon eine Gruppe von Leuten mit gelbem Schirm.

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Andreas Wachter. Fundus, 2013, Mischtechnik auf Leinwand, 160 x 120 cm.

Quelle: Kunsthandlung Koenitz

Ihr Blick geht ins ferne, verdämmernde Licht eines denkwürdigen Abends. Ein altes Motiv der Malerei - Menschen am Meer, in trauter Verbindung durch die Elemente - das hier seltsam gebrochen und in Verwandlung auftritt.

Das von Andreas Wachter (geb. 1951 in Chemnitz) geschaffene Leinwandbild "Strand II" (2010), demonstriert beispielhaft Haltung, Auffassung und Kompositionsweise des Künstlers, der von 1974-80 in Leipzig an der HGB studierte. Die Aufnahme von Themen und Kompositionsweisen der Alten Meister, darunter vor allem des Holländers Rembrandt (Hell-Dunkel-Malerei), des italienischen Frühbarock sowie der Renaissance ist an sich nichts Neues. Als ein "Ableger" der Leipziger Schule aber (seine Lehrer waren Arno Rink und Volker Stelzmann) widmet er sich diesen Themen obsessiv und macht sie zum Programm seiner Malweise, die er wie eine Folie für selbsterfahrene Wirklichkeit benutzt und sie als Illusion ins Bild setzt. Der von Wachter entworfene, gut durch die Tradition "unterfütterte" Manierismus ist Ausdruck seiner Suche nach Vollkommenheit (uomo universale) zusammen mit einer Überhöhung des Themas in den Brechungen durch die Gegenwart. Freunde, Verwandte und Bekannte geistern in seinen Bildern, während sich seine Landschaftsbilder an durch Reisen erfahrene Räume wie Italien und Norwegen jeweils auch in ihrer stimmungshaft-farbigen und atmosphärischen Besonderheit orientieren.

Die Kunsthandlung Koenitz, die sich für die Präsentation von ausgewählter Kunst aus Mitteldeutschland stark macht, zeigt die Arbeiten des Künstlers bereits zum dritten Mal seit ihrem Bestehen ab 2008. Der zum Stamm der Galerie gehörende Künstler besetzt eine wichtige Position in der Ausstellungstätigkeit. Er steht in der Traditionslinie des regionalen Spätimpressionismus, fühlt sich aber keiner Strömung verpflichtet. Andreas Wachter sammelt selbst Kunst Alter Meister und studiert sie, wo immer er sie in den Museen und Galerien der Welt im Original sehen kann.

Neben den wenigen allegorischen Bildthemen dominieren die Ausstellung Interieur, figürliches Interieur und Landschaft. Unter den Raumbildern rücken "Fundus" und "Fragmente" deutlich in den Mittelpunkt, weil sie eine gewisse abstrakte Kraft in sich tragen, die das Dazwischen der Figuren zum Gleichnis werden lässt: Da ist ein Saal mit Skulpturen, geheimnisvoll und unaufgeräumt, in den von hinten durch zwei Bögen Licht fällt, während zwei weibliche Torsi durch farbige Veränderung (durch bronzefarbene Bemalung) des Inkarnats Lebendigkeit des toten Kunstobjektes und umgekehrt vortäuschen ("Fundus", Mischtechnik, 2013). Das gauklerische Moment seiner Malerei deutet Wachter durch eine Maske rechts unten im Bild an.

Die urbanen Themen des Amerikaners Edward Hopper und des Engländers David Hockney, ihr kritisch-unterkühlter, irrlichtender Neorealismus, haben Wachter auch beeinflusst. Das führte nach einer USA-Reise schließlich zu einer eigenen Werkgruppe mit Stadtbildern von New York. Darunter sind sensibel durchleuchtete und psychologisch vertiefte Impressionen, wie die "32. Street" mit einer nächtlichen Szenerie eines an die Romantik anknüpfenden Motives, die "5th Avenue" mit ihren scharfkantigen Lichtspielen und einem nur angedeuteten, konstruktiv durchsetzten Lineament (in der Art Hockneys), sowie das Bild "222" mit einem Blick in einen Wartesaal, in dem sich der Maler mit einem Selbstbild ins Szene setzt, während zwei Menschen (die eigene Frau mit Kind) links durch eine Tür den Raum betreten. Hier wird Wachter metaphorisch, beschwört Ankunft und Abschied gleichermaßen.

Der Maler kultiviert eine noble Lasurtechnik, feine Modellierungen der Farben, des Lichts und des Atmosphärischen in einer altmeisterlichen Auffassung von Natur und Mensch. Die Plastiken, von denen ein Großteil erst ab 2005 entstand, bemühen den antiken Torso (kleine Bronzen) ebenso wie die Moderne mit Modellierungen aus Ton, fein strukturierten Oberflächen und einer expressiven Bemalung in Farben, die von den Malereien stammen könnten. Hier wird Wachters in sich geschlossener Zusammenhang im Schaffensprozess von Plastik und Malerei deutlich. Im Durchgang zur Ausstellung bietet die Kunsthandlung Koenitz mit Grafiken (Radierungen und Lithografien zu altmeisterlichen Themen) von Arno Rink und Volker Stelzmann, den Leipziger Lehrern von Andreas Wachter, einen anschaulichen Hintergrund.

Bis 9. November. Kunsthandlung Koenitz, Obergraben 8. Tel. 0351/48435 78. Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-16 Uhr

www.kunsthandlung-koenitz.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.11.2013

Heinz Weißflog

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