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Feuerwerksmusik: Coldplay in Leipzig

Feuerwerksmusik: Coldplay in Leipzig

Diese Musik kennt kein Aber und kein Wenn, kein Irgendwie und kein Sowohl-als-auch. Was Chris Martin, Gitarrist Jonny Buckland, Schlagzeuger Will Champion und Guy Berryman am Bass auf der Bühne anstellen, zielt nicht in den Kopf, trägt keine Botschaft außer sich selbst, aber schraubt sich mittenrein ins Herz.

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Ein Kessel Buntes: Chris Martin im Konfettiregen.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Da, wo die Schmerzen süß sind, wenn es, wie in den meisten Coldplay-Songs, immer noch eine Luke nach draußen, raus in die offenen Arme der großen Liebe gibt: "Oh, du benutzt dein Herz als Waffe - und das schmerzt wie der Himmel", singt Chris Martin in "Hurts Like Heaven" vom aktuellen Album "Mylo Xyloto", ein Begriff, der nach Auskunft der Band absichtlich nichts bedeuten soll.

Es ist der erste Song eines Konzerts, das am frühen Abend mit Charli XCX und Marina and the Diamonds begonnen hat. Nun ist es zehn nach neun, dunkelgraue Stunde. Ein Stadion stellt sich auf null, nichts, Mylo Xyloto. Vom Band läuft die Titelmelodie der Science-Fiction-Filmreihe "Zurück in die Zukunft", was wohl eher unfreiwillig auf den Produktions-Pomp der vergangenen beiden Coldplay-Alben anspielt. Doch das interessiert an diesem Abend niemanden, als das Licht ausgeht und vier sehr sympathische junge Männer auf die Bühne kommen

Aber was heißt hier Bühne? Es ist eine Art Fantasialand mit fluoreszie- renden Matten hinter der Bühne, fünf runden Bildschirmen, Lasern, die in dünnen Strahlen die Nacht durch- schneiden, Riesenbällen und Licht, Licht, Licht. Fast jeder Zuschauer strahlt an diesem Abend, was auch an über Funk ausgelösten Leuchtarmbändern liegt, die man am Eingang bekommen hat. Zehntausende Glühwürmchen wiegen im Takt. Auch am Stadiondach schwirren bunte Punkte hin und her.

Schon beim ersten Titel geht Feuerwerk in die Luft, Konfetti wird aus mehreren Kanonen in den Wind geblasen. Und Chris Martin rennt, tollt, hüpft wie ein junger Hund über den Steg, der weit in das Meer aus Armen und Lichtpunkten reicht. Beim zweiten Titel, "In my Place", schwitzt er bereits, legt sich auf den Rücken und genießt den Jubel. Sogar ein paar Brocken Deutsch hat er dabei: "Es ist eine Ährre hier zu sein" ruft er. Und: "German is too fucking schwer to me all the time." Macht nichts, Chris!

Das aktuelle Album dominiert die Setlist. Coldplay ist keine Band, die die neueren Songs eher vermeidet, weil sie eh keiner kennt, um dann schnell zu den Klassikern zu kommen. Hier ist jeder Song ein Hit. "Princess of China" ist für Fans der frühen Jahre ein kleiner Tabubruch, singt Chris Martin doch hier im Duett mit einer gewissen Rihanna, die mit Alternative Rock ungefähr so viel zu tun hat wie ein Big Mäc mit französischer Küche. Den Fans schmeckt's, auch wenn Rihanna hier nur auf der Leinwand zu sehen ist. Coldplay, das ist inzwischen Mehrgenerationen-Pop, statt wie früher nur "Yellow" (das natürlich auch gespielt wird) quietschbunt. Fünfjährige lauschen mit Ohrschonern neben 60-Jährigen. Die 13-jährige Michelle ist mit ihrer Tante und deren Mutter eigens aus Aschaffenburg angereist. Groß sind ihre Augen, verklärt ab und an der Blick der Tante, und auch die Mutter macht gute Miene zum großen Spiel.

Aber was ist das für eine Show, die sich da zwischen Kindergeburtstag, Comicstrip, Graffiti-Kauderwelsch und Silvesterparty abmüht? Mehr ist nicht immer mehr, und gerade Coldplay, die sich vom Song her definieren, haben den Zauber eigentlich überhaupt nicht nötig. Hier aber weiß man zuweilen nicht mehr, wohin man sich wenden soll, wenn einfach zu viel los ist. Nach "Paradise" beginnen die Zugaben. Für "Speed of Sound" tauchen die Vier auf einer Mini-Bühne am anderen Ende des Stadions auf, tauchen wieder unter und beenden das Konzert, wo sie begannen. Nach dem großartigen "Clocks" beginnt es zu nieseln, was Chris Martin & Co. zu "Singing in the Rain" inspiriert. Es folgen "Fix You", "Every Teardrop is a Waterfall, Jubel und natürlich - Feuerwerk!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.09.2012

Jürgen Kleindienst

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