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"Feuersnot" unterm Sommerhimmel: Strauss-Aufführung im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele

"Feuersnot" unterm Sommerhimmel: Strauss-Aufführung im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele

München im sagenhaften Mittelalter, in der Sendlinger Gasse freut man sich auf das große Feuer zur Sonnenwende - da wagt es der der Hexerei verdächtige Mitbürger Kunrad auf offener Straße, der Jungfer Diemut einen kräftigen Kuss auf die jungfräulichen Lippen zu drücken.

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Für die Aufführung der Strauss'schen "Feuersnot" im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele wurde der noch im Bau befindliche Große Schlosshof des Residenzschlosses bespielt.

Quelle: Matthias Creutziger

Die Rache des Fräuleins folgt in selbiger Nacht. Kunrad, in feuriger Erwartung einer Liebesnacht, steigt in den Korb, den sie herablässt und dann auf halber Strecke zum Gespött der Münchner hängen lässt. Kunrad, der doch ein Zauberer ist, lässt alle Lichter ausgehen und will die Münchner Feuersnot erst beenden, wenn er in die Kammer der Jungfer gelangt und sie diese nicht wieder als eine solche verlässt.

Das Singgedicht "Feuersnot" mit dem Libretto Ernst von Wolzogens wurde 1901 in Dresden uraufgeführt. Jetzt, wenige Tage vor dem 150. Geburtstag des Komponisten, passt es gut als Koproduktion der Sächsischen Staatsoper mit den Dresdner Musikfestspielen ins Programm. Zudem hat man mit dem Großen Schlosshof des Residenzschlosses einen stimmungsvollen Ort gewählt, das Wetter ist prächtig, die Akustik unter freiem Himmel ebenfalls.

Mit der "Feuersnot" hatte es eine besondere Bewandtnis. Richard Strauss konnte den Münchnern nicht verzeihen, dass sie seinem musikalischen Zauber nicht erliegen wollten, und so hält er ihnen als Kunrad im Korbe eine Standpauke von Wagnerschen Dimensionen, lässt sie im Dunkel stehen und feiert bald in Dresden einen Erfolg nach dem anderen. "Feuersnot" aber war auch hier kein Erfolg und rief zudem moralische Bedenken hervor, die Kaiserin in Berlin ließ das Werk absetzen. Klang des Anstoßes mag wohl die deftige musikalische Schilderung der Defloration gewesen sein.

Seinen Sängern schenkt Strauss auch in diesem Werk nichts, die Baritonpartie des Kunrad gehört nicht umsonst zur Kategorie der mörderischen, und die Sängerin der Diemut muss über einen so kraftvollen wie absolut höhensicheren Sopran verfügen. Grandios meistern Tómas Tómasson und Rachel Willis-Sørensen ihre Wahnsinnspartien gemeinsam mit einem großen, hoch engagierten Ensemble.

Wolfram Tetzner hat den Opernchor gut vorbereitet auf die kraftvollen, manchmal tosenden Gesänge, mit der munteren Schar des Kinderchores der Singakademie hat Claudia Sebastian-Bertsch alles bestens musikalisch einstudiert. Die Ankündigung einer "halbszenischen Aufführung" versprach etwas mehr, als dann die mehr oder weniger exakt organisierten Auftritte in Kostümen aus dem Fundus, mit Dirndl, Lederhosen und viel Folklore, einlösen konnten.

Die große Besonderheit dieser festspielwürdigen Hommage an Dresdens Richard II. ist ein Orchester, das sich aus Mitgliedern international renommierter Ensembles für Alte Musik zusammensetzt. Man wollte einen Eindruck vom Klang zur Zeit der Uraufführung vermitteln. Alle Instrumente dieses Festspielorchesters stammen aus der Zeit vor 1900. Da ist der warme Klang der Streicher, der sich den Darmsaiten verdankt, aber auch der sanftere Klang hölzerner Blasinstrumente oder ganz anders dimensionierter Blechinstrumente. Stefan Klingele ist der Dirigent und erweist sich als der rechte Mann für die Anforderungen eines so ungewöhnlichen Unternehmens.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.06.2014

Boris Gruhl

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