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Festival TonLagen 2012 in Dresden-Hellerau eröffnet - "Fernorchester" lässt viele Fragen offen

Festival TonLagen 2012 in Dresden-Hellerau eröffnet - "Fernorchester" lässt viele Fragen offen

In seiner einleitenden Rede konnte Dieter Jaenicke, künstlerischer Leiter des Europäischen Zentrums der Künste Hellerau, mit sichtlichem Vergnügen von einer alle Erwartungen übertreffenden Auftaktveranstaltung des diesjährigen TonLagen-Festivals zeitgenössischer Musik berichten.

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"Fernorchester" zur Festivaleröffnung im Festspielhaus Hellerau: Das Stück ist von Daniel Kötter und Hannes Seidl, die Musiker gehören zu Ensemble Mosaik.

Quelle: Klaus Gigga

Dann wagte er einen Blick auf die eigentliche Eröffnung und machte die Besucher neugierig und sogar gespannt auf das, was nach seiner Rede im Festspielhaus Hellerau zu erwarten war. Es mag Vorsicht gewesen sein, dass er darauf verwies, in der ersten halben Stunde würde überhaupt noch keine Musik erklingen.

Dieser Hinweis ließ sich so verstehen, dass die Vorgeschichte eines musikalischen Geschehens von den Mitwirkenden dargestellt wird, es sich also um ein echtes Work in progress handelt. Die Autoren Hannes Seidl und Daniel Kötter, die zugleich auch als Inszenierungsteam wirksam geworden sind, nennen "Fernorchester" schlicht Musiktheater, weil sie nicht entscheiden wollen oder können, ob es sich um eine Performance, ein Konzert oder eine Dokumentation handelt. Von allem enthält die Produktion etwas. Aber da sie alles zugleich sein soll, ist sie nichts richtig. Dabei verspricht der Anfang eigentlich viel. Die Bühne ist leer. Bald aber wird auf einem Monitor ein Mann sichtbar, der auf des Folgende hinweist und den Satz sagt, der der Drehpunkt werden könnte: Die Entstehung ist das Stück. Werkgeschichte als entscheidendes Element eines künstlerischen Werks also. So weit, so gut. Ein zweiter Monitor wird auf die Bühne gerollt (am Ende werden es fast zwanzig sein), und ein anderer Mann beginnt mit seiner gedanklichen Version des gleichen Themas. Und damit ist es mit der Klarheit aus.

Je mehr Personen mit ihren Monitoren ins Spiel kommen, desto mehr leidet die Klarheit unter der Überlagerung einzelner Sätze durch andere Sprecher. Oft sind Sätze unvollständig und büßen so ihre Funktion als Verständnishilfe für die Zuschauer ein. Es ist viel Text in diesem ersten Teil, quälend viel, und weil die Sätze abgebrochen werden, wird auch kaum ein Gedanke bis ans Ende ausgeführt. Dadurch bleiben die Worte zu oft belanglos, weil beliebig, und sollte wirklich etwas von Belang in ihnen verborgen sein, enthüllt sich das, wenn überhaupt, nur unvollkommen.

Nach und nach kommen die Musiker des Ensembles Mosaik in persona auf die Bühne und beginnen zu spielen. Das hat zunächst etwas Suchendes, Abtastendes, ist geeignet, die abgesackte Spannung wieder anzuheben. Am Ende musizieren alle gemeinsam auf Flöten, Klarinetten, Streich-, Schlag- und Tasteninstrumenten. Doch die Irritation des Anfangs wird wiederholt: Man kann sich nicht gegen den Eindruck wehren, es fehle eine ordnende Hand, die das Durcheinander zum Miteinander machen kann. In den letzten Minuten kommt noch ein Film (Jugendliche beim Ballspiel) hinzu, ohne dass die dramaturgische Funktion restlos klar würde.

Die Autoren, die seit 2008 zusammenarbeiten, wissen im Programmheft viele kluge Gedanken zu äußern. Schön wäre gewesen, der gleichen Klugheit auch in der Bühnenversion zu begegnen.

TonLagen heute: Ensemble ConTempo Beijing - Neue Musik auf klassischen chinesischen Instrumenten, 20 Uhr Festspielhaus Hellerau

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.10.2012

Peter Zacher

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