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Festival "China from Inside" in Dresden-Hellerau zeigt modernen Tanz aus dem Reich der Mitte

Festival "China from Inside" in Dresden-Hellerau zeigt modernen Tanz aus dem Reich der Mitte

Nein, ein Festival der politischen Statements soll es nicht sein, so Dieter Jaenicke, künstlerischer Leiter des Europäischen Zentrums der Künste in Hellerau. Aber von den so unterschiedlichen wie speziellen Richtungen des neuen Tanzes in China kann man viel erfahren, wenn es vom 1. bis zum 8. Dezember im Festspielhaus heißt: "China from Inside".

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Die Kompanie Brand nu Dance aus Shanghai ist mit der Performance "Question Mama" zu erleben.

Quelle: Odette Scott

Chinesische Innenansichten und Einsichten in einem Festival zum Ausklang des chinesischen Kulturjahres in Deutschland. Das Spektrum ist weit, Kunst, Tanz, Performance, Film und Dialoge, mitunter werden sich die Genres mischen.

Mit diesem weitgefächerten Angebot möchte Jaenicke eine Lücke schließen in der üblichen Berichterstattung über China und dessen Kulturpolitik. Es gibt sie auch in diesem Land, wie in anderen autoritären Staaten, die Alltagsanarchie der Kunst, der Kultur, des Tanzes insbesondere. Zum Festival werden Produktionen zu sehen sein von Künstlern, die in China keine offizielle Auftrittsgenehmigung haben, "Gebannte", die aber dennoch präsent sind, an temporär genutzten Orten, im Freien, immer auf der Suche nach Möglichkeiten, immer gefunden von Menschen, die sich für diese mutigen Durchbrechen der Alltagshorizonte interessieren. Weil sie eigentlich gar nicht existieren, müssen sie ihre Projekte auch nicht von Zensurbehörden genehmigen lassen. Ihren Gastspielen im Ausland stellt sich die Staatsmacht nicht entgegen, im Gegenteil, das chinesische Kulturministerium übernimmt die gesamten Reisekosten für alle Künstler, die in Hellerau auftreten werden. Es gilt, diese Chance zu nutzen um über die Kunst und die persönliche Möglichkeit der Begegnung mit der Künstlern ein kompletteres Bild von China zu erhalten, als es die Medien im Allgemeinen vermitteln. "Der zeitgenössische Tanz wird zum Gradmesser der Demokratie", sagt Jaenicke und meint damit natürlich, wie es um dessen Anerkennung und Förderung bestellt ist.

Wie rasant sich in den letzten Jahren der Tanz mit seinen subversiven Möglichkeiten der Aufklärung und der Grenzüberschreitungen in China entwickelt hat, kann dieses Festival mit seinen sechs Gastspielen vermitteln. Der Bogen spannt sich von der Eröffnungspremiere mit der unabhängigen Künstlergruppe Zuhe Niao aus Shanghai mit "Stupid, Dance!", in der auf vielfältige Weise soziale, politische und kollektive Strukturen in China hinterfragt werden, bis zum Abschluss mit dem TAO Dance Theatre aus Beijing. Das ist eine Kompanie, die nicht nur die Tanzwelt ihrer Heimat im Sturm erobert hat. Anknüpfend an traditionelle Ästhetik chinesischer Tanz- und Theaterkunst erlebt man etwas von der Naturgewalt des Tanzes in "Weight x 3/2".

"Repice No. 1" von Dai Chen Lian kommt aus Hangzhou, Dresdens Partnerstadt in China, "ist eine Performance, die lyrische Darstellungen von Tieren und Objekten als Schattentheater in eine surreale Erzählung verwebt." Und gerade hier lohnt es, zwischen den Zeilen zu lesen. Eine renommierte und bereits weltweit auf Festivals präsentierte Kompanie um die Choreografin und Schülerin von Pina Bausch, Wen Hui, ist das Living Dance Studio aus Beijing. "Listening to third grandmother's stories" heißt ihr Stück, inspiriert von den Erinnerungen ihrer 83-jährigen Tante, in dem es mit Mitteln des Tanzes und des Theaters auch um Wirkungen der großen Umschwünge in Chinas jüngster Geschichte geht. Dazu gibt es auch einen Dokumentarfilm im Rahmenprogramm des Festivals.

Der physische und energetische Tanzstil überzeugt im Solo "A little bit is enough" von Nunu Kong, einer prägenden Figur der freien Tanzszene in Shanghai, wo sie 2010 im Rahmen der Weltausstellung ihren künstlerischen Durchbruch hatte. Ebenfalls aus Shanghai kommt die Gruppe Brand nu Dance mit ihrem Duo "Question Mama" nach Dresden, ein "extrem physisches Tanzduett, eine raue Darstellung der menschlichen Dualität zwischen Harmonie und Widersprüchen."

Zum Festival gehören Dialoge, so spricht der Theaterregisseur Luk Perceval mit der Komponistin Wang Lin, Sabine Heymann von der Universität Gießen mit der Regisseurin, Autorin und Übersetzerin Cao Kefei. Diese Gespräche finden in deutscher Sprache statt, auf Englisch führt Johannes Odenthal von der Akademie der Künste in Berlin einen Dialog mit Alison Friedmann, Creative Director der Ping Pong Productions. Projektionen auf die Fassade des Festspielhauses und eine Fotoinstallation von Thomas Füsser zeigen ungeschminkte Gesichter aus Shanghai. Im Filmprogramm läuft u.a. der amerikanische Streifen "Ai WeiWei never sorry" von Alison Klayman mit deutschen Untertiteln.

Das chinesische Kulturministerium hat keinen Einfluss auf die Auswahl der eingeladenen Kompanien und Künstler im Rahmen dieses deutsch-chinesischen Kulturaustausches genommen. Die Kuratoren, Dieter Jaenicke insbesondere für das Hellerauer Festival, konnten sich ihre eigenen Eindrücke in China verschaffen. Diese Voraussetzung bestärkt die Hoffnung, dass diese Präsentation neuer Tanzkunst aus China im weit gefächerten künstlerischen Umfeld wirklich authentische Einblicke in die Themen und Möglichkeiten freier Künstlerinnen und Künstler in China gewährt. "China from Inside" - eigentlich ein Weihnachtsgeschenk für Dresden.

Boris Michael Gruhl

www.hellerau.org, Tickets: 0351-8893884

Tanz, Tanztheater, Performance

Sa 1.12., So 2.12., 20 Uhr, Zuhe Niao, Shanghai, "Stupid, Dance!"

Mi 5.12., Do 6.12., 20 Uhr, Living Dance Studio Beijing, "Listening to third grandmother's stories"

Mi 5.12., 21.30 Uhr, Nunu Kong / Brand nu Dance, Shanghai, "A little bit is enough"

Do 6.12., 21.30 Uhr, Fr 7.12., 20.00 Uhr, Brand nu Dance, Shanghai, "Question Mama"

Fr 7.12., Sa 8.12., 21.30 Uhr, Dai Chen Lian, Beijing/Hangzhou, "Repice No. 1"

Sa 8.12., 20 Uhr, Tao Dance Theatre. Beijing, "Weight x 3/2"

Dialoge

Sa 1.12., 18 Uhr, Luk Perceval und Wang Lin

So 2.12., 18 Uhr, Sabine Heymann und Cao Kefei, im Anschluss Dokumentarfilm "Cao Kefeis Theaterwerke"

Sa 8.12., 18 Uhr, Johannes Odenthal und Alison Friedman

Film

Sa 8.12., 21.30 Uhr, "Ai WeiWei never sorry"

Fotoinstallation

Sa 1.12. bis Sa 8.12., Thomas Füsser, Shanghai, "Faces of Shanghai"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.11.2012

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