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Fester Stützpunkt der Satire: Dresdner Kabarett Breschke und Schuch wird 15

Fester Stützpunkt der Satire: Dresdner Kabarett Breschke und Schuch wird 15

Die Image-Kampagne ""So geht sächsisch" mag die schwarz-gelbe Landesregierung und in weiß-grüner Wolle gefärbte Sachsen erfreuen, die beiden Kabarettisten Manfred Breschke und Thomas Schuch hingegen finden sie einfach lächerlich.

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Manfred Breschke, Thomas Schuch und der ungarische Hornist Daniel Vedres (v.l.n.r.) legen Hand an die goldene Gans, an der jeder kleben bleibt, der Hand an sie legt - nur der Dummling nicht, wie Kenner des Grimmschen Märchens wissen.

Quelle: PR

"Madonna ohne Skandale"? "Was soll das", fragt Breschke, den schon mal grundsätzlich stört, dass diese Kampagne durchsetzt ist mit gehässigen, wenn auch verbrämten Bemerkungen à la "Baden ohne Württemberg" über andere Bundesländer. Über diese Kampagne werden sie in der zehnten Auflage ihrer Striezelmarktwirtschaft, die morgen in ihrem Haus Premiere hat, ebenso herziehen wie über die NSA, die laut Breschke "Abhören als höhere Qualität von Zuhören" betrieben hat. 48 Vorstellungen der Striezelmarktwirtschaft, die alljährlich ein Renner ist, sind angesetzt.

Das Kabarett Breschke und Schuch feiert damit auch sein 15-jähriges Bestehen. Insgesamt 4000 Veranstaltungen gingen seit der Eröffnung des Hauses 1998 über die Bühne, alles in allem konnte man sich über rund 350 000 Besucher freuen, wie Cornelia Resik, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, gegenüber den DNN erklärte. Es entstanden 49 eigene Programme, oftmals mit Preisen bedacht. Für die neunte Inszenierung "Rad ab - was uns alle bewegt" etwa wurde das Haus mit dem Ostdeutschen Kabarett(Cabinet-)Preis für die beste Ensemble-Leistung ausgezeichnet. Wie wichtig Titel sein können, zeigte sich nicht zuletzt bei diesem Programm. Denn als es 2012 schließlich runderneuert wurde und den Titel "Kann Verkehr denn Sünde sein?" verpasst bekam, "saßen plötzlich viel mehr junge Leute im Publikum", wie Schuch erklärt.

Thomas Schuch und Manfred Breschke lernten sich 1991 bei der Herkuleskeule kennen, und beide merkten sofort, "dass wir sehr gut miteinander können auf der Bühne". Zunehmend versuchte man Szenen gemeinsam zu entwickeln, die man in die Stücke einzubringen wollte - "was schwierig war", wie Schuch erklärt, der vom Theater zum Kabarett kam und deshalb "bis heute ein durchaus gespaltenes Verhältnis zum Kabarett hat". Schließlich machten sich beide selbstständig, um den Wunsch vom eigenen Theater zu verwirklichen. Das sollte zunächst in der Kunsthofpassage in der Neustadt stehen. Der Mietvertrag war schon unterschrieben, dann aber legte das Stadterneuerungsamt sein Veto ein. Lärmbelästigung. "Das hat uns vermutlich das Leben gerettet, weil wir damals nicht bedacht haben, dass das mit dem Parken schwierig ist", räumt Schuch ein.

Auch das Arteum im Waldschlösschen schaute man sich an, aber der Umbau hätte Millionen, für die man Kredite hätte aufnehmen müssen, verschlungen. Von dem Saal, der jetzt als Spielstätte dient, war man zunächst eigentlich auch nicht wirklich angetan. Die dicken Säulen. Die toten Winkel. Aber dann sei man auf die "verrückte Idee" gekommen, den Tresen in den Zuschauerraum zu integrieren, womit ein Foyercharakter mit in den Saal hinein kommt, wie Schuch sagt.

Ein markanter Einschnitt war die Flut von 2002. In der Nacht, als die Wassermassen der Weißeritz hineinströmten, saß Schuch im Theater, sah zu, wie das Wasser bis 20 Zentimeter oberhalb der Bühne stieg und dachte: "Das war's." Aber da man gemeinnützig ist, bekam man viel Spenden. "Und als Betroffene waren wir in der Lage, uns mit dem Programm ,Wasser wollt' satirisch mit der Flut auseinanderzusetzen", erinnert sich Schuch. Immer eine große Hilfe: Der große, einen harten Kern von 30 Leuten umfassende Freundeskreis, der etwa schon mal einen Video-Beamer besorge.

Schuch und der sieben Jahre ältere Breschke sind einerseits ein Herz und eine Seele, aber beileibe nicht immer einer Meinung. So sei das musikalische Verständnis sehr unterschiedlich. Während Breschke mit dem Programm "August in der Unterwelt" seiner Vorliebe für Jacques Offenbach und die Operette frönen konnte, ist Schuch eher kein Operettenfan. "Dafür belästige ich Manfred regelmäßig, was die ,Schrammstein'-Songs angeht. Das ist für ihn nicht immer mit Spaß verbunden."

Auch kabarett-ästhetisch habe man durchaus unterschiedliche Ansätze. Für Schuch, der erst mit der Wende zum Kabarett kam und das viel beschworene Zwischen-den-Zeilen-Hören "nicht vermisst", muss es nicht immer so sein, dass das man sich direkt zum Zuschauer dreht und frontal spielt. Aber sei's drum: Es besteht immer die Möglichkeit, seine Vorlieben in den Solo-Programmen, (die man auch im Repertoire hat, damit der Partner mal in den Urlaub fahren kann) auszuleben und Ideen umzusetzen. "Wenn man Rat oder eine ehrliche Einschätzung sucht, dann kriegt man eine Antwort - und dann steht es jedem frei, ob er den Rat annimmt oder nicht."

Wichtig für Schuch ist, die Figuren, die man entwickelt und auf der Bühne verkörpert, ernst zu nehmen. "Das ist an sich eine Binsenweisheit, aber man sieht dann doch sehr häufig, dass gar nicht genug Mimikry sein kann." Auch eine Karikatur "muss untersetzt sein mit Sympathie für die Sache", erklärt Schuch und verweist auf den von ihm gespielten Offizier, dem er "immer versuche, ein Hinterland zu geben", also ihn zu verstehen. Im Kabarett setzte man ja oft eine Figur vor, die von A bis B fertig, folglich eine Schablone sei. Eine Bühnenfigur, wie er sie vom Theater kenne, habe hingegen eine Entwicklung.

Premiere 19.11., 19.30 Uhr. Tel. 0351/4 904009.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.11.2013

Christian Ruf

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