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Feinmechaniker unter sich: Lestat Vermon präsentierten in Dresden live ihre erste CD

Feinmechaniker unter sich: Lestat Vermon präsentierten in Dresden live ihre erste CD

Schon jetzt liegt eine sacht wabernde Wolke der gespannten Erwartung über dem Neustart von Polarkreis 18, den Gitarrist Philipp Makolies jüngst im DNN-Interview für 2014 in Erinnerung gerufen hat.

Ausnahmslos alle Solo-Aktivitäten von Makolies selbst, von Ludwig Bauer oder Christian Grochau sind interessanter als das, was die Band unmittelbar vor der kreativen Pause angeboten hatte. Und auch Frontmann Felix Räuber geht jetzt in die Offensive, denn das gemeinsame Konzert mit Maximilian Hecker am 29. Januar im Societaetstheater ist alles andere als eine Einmaligkeit. Am Rande des Lestat-Vermon-Auftritts bestätigte Räuber laufende "Ermittlungen" mit Hecker im Ausland, bevor es auf Deutschland-Tour gehen wird.

Lestat Vermon in Familie. Der große Saal des Theaters war - freilich - ausverkauft mit Vätern, Omas, Freunden, aber auch genug Neugierigen, die wissen wollten, wie die Intimität der Debüt-CD "Clouds" die Bühne übersteht. Zunächst: zu dritt. Neben Philipp Makolies und Ludwig Bauer spielte Susi Schier Konzertgitarre, Tasten, sang im Background. Eine feine Note und alles andere als eine Mogelpackung zur Platte, weil sie es behutsam macht.

Das Record-Release-Konzert wurde auch keinesfalls zum nicht unüblichen Happening mit Gästen. Nicht wenige im Theater hätten mitspielen können, manche sogar wollen, wenn man sie gebeten resp. gedrängt hätte. Doch Makolies ließ sein Soloprojekt im Kern so laufen, wie es im Alltag zu hören sein wird. Denn auch allein mit Bauer werden viele Nuancen überleben. Da sind Feinmechaniker unter sich.

Die Songs der Platte und jene beiden, die die Vergangenheit einholen, bleiben akustische, schlagzeuglose Miniaturen. Das ist Lestat Vermons Stärke. Selbst eine weitere Reduktion würde ihnen bekommen, genauso, wie man sich durchaus eine üppigere Variante vorstellen kann (der FuzzMe-Remix des Songs "Homesick" auf der Makolies-Website www.lestatvermon.com ist da schon mal ein Angebot).

Philipp Makolies singt mit weicher, heller Stimme, ohne drängend zu jubilieren. Auch hier also Zurückhaltung, Beiläufigkeit, die nicht ins Verhuschte sackt. Er belässt es bei zwei akustischen Gitarren, darunter seine mit Nylon bespannte, die mit ihrem kehligen Klang schon so etwas wie eine Marke zu setzen vermag. Die wenigen elektrischen "Häubchen" waren also für die Platte. Ludwig Bauer beweist sich in seiner Bescheidenheit als großartiger Sideman. Bauers Augen und Ohren sind weit offen für den Kollegen, vorzüglich seine Läufe und Sprengsel auf dem Klavier, die dezenten Tupfer auf gestopfter Trompete, Klarinette, E-Piano, die zweite Stimme. "Stay", das stärkste Stück der Platte, bekommt gerade durch ihn Kontur, ein Antlitz, das sich wieder und wieder verändern könnte, je nach Spiellaune, -ort und Tagesform.

Will meinen: Lestat Vermon ruhen in dem, was sie tun. Mit kargen Liedern, die sich durch den Zuhörer nicht künstlich in ihrer Bedeutung aufladen müssen. Aber können. Weil dürfen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.12.2012

Andreas Körner

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