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Farbpigmentdrucke von Anna Kasten im Dresdner Kunsthaus Raskolnikow

Farbpigmentdrucke von Anna Kasten im Dresdner Kunsthaus Raskolnikow

Alljährlich zum Filmfest Dresden sucht Iduna Böhning (Galeristin und Vorsitzende des Vereins vom Kunsthaus Raskolnikow) für ihre eigene Ausstellung Künstler, die sich zwischen den Medien bewegen.

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Anna Kasten, Radfahrer, 2009, Pigmentdruck.Repro: VG-Bildkunst

Dabei interessieren sie besonders solche, die eine klassische Ausbildung haben und mit den neuen Medien spielerisch umzugehen verstehen. All diese Voraussetzungen erfüllte die Dresdner Malerin, Fotografin und Cineastin Anna Kasten (geb. 1976 in Dresden). Die neue Ausstellung im Kunsthaus läuft parallel zum Filmfest Dresden und beschäftigt sich unter dem Titel "COLOUR FILM STILLS" mit computerbearbeiteten Bildern, die eine Zwitterstellung zwischen Malerei und Fotografie einnehmen. Bereits im Jahr 2009 entstand ein Animationsfilm von Anna Kasten zusammen mit Strahl Karsdorf unter dem Titel "Millionen", mit dem sie 2011 erstmals am Kanadischen Filmfestival teilnahm. Anna Kasten studierte nach einer Fotografieausbildung von 1997 bis 2004 Fotografie an der HGB Leipzig und Malerei von 2004-2006 an der HfBK Dresden und war von 2006-2008 Meisterschülerin bei Prof. Lutz Dammbeck.

Bei der ersten Betrachtung fällt manche thematische und formale Bezugnahme auf bedeutende Künstler auf: Die Arbeit "Ausblick" zeigt zwei Menschen, die mit dem Rücken zum Betrachtenden in die Ferne auf eine bunte Kugel blicken. C.D. Friedrichs Gemälde "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes" war hier Ausgangspunkt. Häufig bearbeitet Anna Kasten Pflanzenbilder von Palmen-und Liliengewächsen ("Tropic 01", 03, 04) und lebt darin eine zwiespältige Exotik aus. Ihre Tierdarstellungen ("Blauer Hirsch", 2008) sind eher gegenständlich und atmen die Frische des Augenblicks, verweisen aber auch auf den malerischen Prozess und dessen absichtsvolle Zufälligkeit mit seinen verlaufenden Farbschlieren ("Hund im Schnee", 2009). Themen aus der Elektronik ("Schaltstelle", 2007) werden zusammen mit anderen in einen 4er Block aufgenommen und in rätselvollen Assoziationen weitergesponnen, die Ähnlichkeiten mit elektronischen Schaltkreisen, Tattoos und Plattentellern haben. Verschiedene Themen aus der Mythologie ("Venus mit Spiegel", 2011), dem Sport ("Ballspieler", 2009), Landschaften ("Tankstelle", 2008) und aus der Musik ("Dreiklang", 2008) überzeugen durch einen impressionistisch motivierten Farbexpressionismus, der an lebhaft-farbige Comics aber auch an plastische Malerei erinnert. Der Zusammenhang von Sound und Bild, im Film besonders wichtig, ist auch bei den Standbildern für sie wichtig geworden und inspirierte ihre "Malerei" formal.

Die inhaltliche Vielfalt zeigt das große, durchaus kritisch motivierte Interesse von Anna Kasten am All-tag, der Kunst und der Lebens- welt des Menschen, aber auch an den "Beschleunigungs-Bildmustern" der modernen Presse-Fotografie, deren Bilderflut sowie des Films und dessen spezifischer Wahrnehmung bei zunehmender Reifung und Bilderfahrung der Künstlerin. Anna Kasten hält mit ihrer eigenen Fotografie (hier als "Standbilder" deklariert) den Augenblick an. Ihre optischen Oberflächen reifen mittels diverser Programme am PC malerisch. Die dabei entstandenen "Mischtechniken" sind synthetisch er- zeugte Malerei, durch Abstraktion und eine leuchtende Farbigkeit gekennzeichnet, die zum Teil ganz gegenständlich wirkt, aber auch ins Reich des Imaginären führt, Themen, Strukturen und Wirkweisen aus der Malerei entlehnt.

Ein informelles, fotogestütztes "Tafelbild" offenbart Anna Kastens brodelnden Bildkosmos und seine elementare Kraft: Die einführende Arbeit "Davor" (2008) spielt mit den Mitteln von Farbe, Fläche, Form und Licht in sehr eindrucksvoller Weise. Ein atmosphärisches Gebräu aus in sich verlaufenden Farben (wie ein Wärmebild wirkend), Schlieren und amorphen Flächen wird durch eindringendes Licht und ein appliziertes "weißes Loch" in Bewegung versetzt. Hier herrschen Kompaktheit und Zerfließen der Formen in einem, die Unsagbares in sich tragen.

Anna Kasten "COLOUR FILM STILLS", Kunsthaus Raskolnikow. Bis 16. Juni.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.06.2012

Heinz Weißflog

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