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"Falstaff"-Inszenierung von Studenten der Musikhochschule

"Falstaff"-Inszenierung von Studenten der Musikhochschule

Es hat dieser Tage heftig gewagnert in Dresden. Dabei soll jedoch nicht vergessen werden, dass es neben Richard "dem Einzigen", wie Christian Thielemann es unlängst formulierte, mit Giuseppe Verdi noch einen weiteren Jubilar gibt, dessen 200. Geburtstag die Musikwelt begeht.

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Prof. Andreas Baumann

Quelle: Musikhochschule

Während die Sächsische Staatsoper 2013 ihr Verdi-Repertoire pflegt, schenkt die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden in Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste, dem Staatsschauspiel und den Musikfestspielen den Freunden der italienischen Oper eine Premiere. Mit "Falstaff" wird Verdis Alterswerk auf die Bühne gehievt, die 1893 uraufgeführte letzte Oper des Maestro aus Roncole. DNN sprach mit Regisseur Andreas Baumann, dem Leiter der Opernklasse an Dresdens Musikhochschule.

Frage: Ausgerechnet im Wagner-Monat Mai inszenieren Sie Verdi in Dresden. Das kann doch kein Zufall sein - hat das nur mit der schwierigen Sanglichkeit der Wagner-Partien zu tun? Verdi ist schließlich auch nicht ganz ohne.

Andreas Baumann: Auf der einen Seite ist es richtig, eine Hochschule sollte die Finger davon lassen, eine Wagner-Oper zu machen. Aus rein stimmlichen Gründen. Aber es ist auch eine kulturpolitische Entscheidung. Wir haben uns bewusst für Verdi entschieden. Weil der für das Musiktheater mindestens so bedeutsam ist wie Wagner, aber nördlich der Alpen längst nicht so zur Kenntnis genommen wird. Wenn es ein Stück gibt, dass die Chance hat, von unseren Studenten bewältigt zu werden, dann ist es der "Falstaff". Die einzige Oper von Verdi, die man mit einem sehr gut disponierten Studentenensemble machen kann. Gerade zum Verdi-Jahr. In Originalsprache! Angesichts der bisherigen Entwicklungslinie unserer Hochschulproduktionen halte ich es für wichtig, den Korb hoch zu hängen.

Sie konnten sich bei diesem Anspruch stets auf die enge Verflechtung der Dresdner Kunsthochschulen verlassen. Auch diesmal?

Ja, denn diese Vernetzung ist nicht nur wichtig, sie ist auch sinnvoll. Wir haben die Möglichkeit, unsere Produktionen regelmäßig im Kleinen Haus zu präsentieren. Das hat für alle Seiten Vorteile. Wir nutzen die Infrastruktur im Haus, die Studierenden haben die einmalige Chance, vor ganz normalem Publikum zu spielen, also nicht nur zur Premiere vor Freunden und Familienangehörigen, sondern danach auch im freien Verkauf. Sie müssen sich vor diesem Publikum mit ihrer Arbeit bewähren. Das ist eine Praxisorientierung, die gar nicht hoch genug zu bewerten ist.

Als Prorektor der Dresdner Musikhochschule müssen Sie auch an das künftige Berufsleben Ihrer Absolventen denken und den Praxisbezug der Ausbildung im Blick haben?

Gleich nach dem Studium in die Praxis einzusteigen, das ist unheimlich hart. Da bläst ein rauer Gegenwind, da wird keinerlei Rücksicht genommen. Wenn wir aber als Hochschulen nicht in der Lage sind, mit einem Standard zu arbeiten, der dieses Überschreiten einer Schwelle organisch mit Sinn erfüllt, dann kommen die Studenten in eine neue Welt der Praxis, die sie möglicherweise umwerfen kann. Das wollen wir verhindern, indem wir sagen, wir fordern professionelle Arbeit schon während des Studiums. Darum will ich in einer Opernproduktion auch gar nicht dieses Verhältnis Regisseur und Studenten haben. Wir sind absolute Arbeitspartner, ich behandle meine Studierenden nicht als Studenten, sondern als professionelle Leute, die eine Partie zu bewältigen haben. Das hilft ungeheuer, dieses Gefühl für die Praxis zu haben.

Dresdens Opernausbildung hat eine lange Tradition, worauf können Sie stolz sein?

Bei unseren Opernproduktionen gibt es genau wie im Berufstheater eine Frist von acht Wochen, da wird von Montag bis Freitag probiert. Das unterscheidet natürlich den Produktionsprozess innerhalb einer Opernproduktion und den Unterrichtsprozess sehr deutlich. Wiewohl das Handwerk, das wir im dramatischen Unterricht zu lernen versuchen, die Grundlage dafür ist, dass wir überhaupt auf diese Ebene der Darstellung kommen können. Ohne die Basisarbeit im dramatischen Unterricht wäre eine Opernproduktion nicht möglich, ich erlebe das manchmal, wenn man bei Gastinszenierungen mit Anfängern zu tun hat, die keinen guten dramatischen Unterricht gehabt haben und dann sofort in eine Produktion kommen, mit denen ist es ziemlich schwierig.

Das spricht sehr für unsere Ausbildung in Dresden. Alle meine Vorgänger haben das schon gemacht, Joachim Herz hat nach dem Krieg damit angefangen, diese dramatische Ausbildung in das Studium einzubringen - seitdem ist das eine feste Tradition. Es gibt Hochschulen, die das mehr am Rande behandeln, für uns hat das eine große Priorität. Im Resultat kann ich für Dresden durchaus sagen: Die Quote derer, die in diesem Beruf arbeiten, erfolgreich arbeiten, ist relativ hoch, darüber bin ich sehr glücklich.

Dennoch legen Sie ausgerechnet mit "Falstaff" die Latte ziemlich hoch?

Die Auseinandersetzung gerade mit einem solchen Stück, das in der Operngeschichte ein bisschen solitär steht, macht doch den besonderen Reiz aus. Verdi hat dieses Stück nicht unbedingt für die Bühne geschrieben, sondern zu seinem eigenen Vergnügen. Diese Tatsache hat es ihm ermöglicht, auf jede Konvention zu verzichten. Dabei ist etwas zustande gekommen, das die Vorstellung von Oper - auch von Oper, wie er sie selbst vorher geschrieben hat - völlig außer Kraft setzt.

Wir sind da mit einem jungen Ensemble, mit Unvoreingenommenheit und Frische herangegangen. Da gab es zum Beispiel die Frage: Was ist die Entwicklung der Bürgergesellschaft in Verdis späten Jahren? Die war in einem Aufbruch. Aber eine Figur, Falstaff, macht dieses Tempo nicht mit, versucht die Entschleunigung, will trotzdem leben und bringt diese Bürgergesellschaft völlig durcheinander. Wir wollten das mal nicht als Komödie oder Verlängerung der "Lustigen Weiber von Windsor" sehen, sondern die Dimensionen zeigen, die Verdi in diese Geschichte hineingebracht hat. Das heißt nicht, dass es keine Komödie mehr ist, es ist in vielen Punkten eine schwarze Komödie. Wie Verdi in diesem Alter komponiert hat, immerhin seine letzte Oper - das ist vergleichbar mit heute, wie junge Leute sich Videoclips anschauen. So gestische und körperliche Musik. Das Libretto von Arrigo Boito atmet exakt den Shakespeare-Geist.

Premiere am Sonnabend, 19.30 Uhr Kleines Haus

Weitere Aufführungen: 29. Mai, 2., 8., 14. und 22. Juni 2013

www.hfmdd.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.05.2013

Michael Ernst

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