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Exxponate des Dresdner Grünen Gewölbes werden im Museum of Islamic Art in Qatar gezeigt

Exxponate des Dresdner Grünen Gewölbes werden im Museum of Islamic Art in Qatar gezeigt

Es ist ein unvergesslicher Anblick, wenn man nach Einbruch der Dunkelheit auf das von I. M. Pei entworfene Museum of Islamic Art in Doha (MIA) zufährt.

Kunstvoll angestrahlt, erhebt sich das Bauwerk aus dem Wasser. Den Hintergrund bildet in einiger Entfernung die im Lichterglanz strahlende Skyline der Hochhäuser. Das beeindruckende Bild verdankt sich der Lage von Doha (2010: etwa 700 000 Einwohner) an einer Bucht, in der man bei Tage - im Kontrast dazu - kleine hölzerne Schiffe schaukeln sehen kann. Ein nicht weniger beeindruckendes Bild bietet sich in der grandiosen Eingangshalle des MIA. An deren aufs Wasser weisender Seite präsentiert ein riesiges Fenster dem Besucher die Skyline wie auf einer Postkarte.

In der imponierend kunstvoll-schlichten Halle fanden sich am Dienstagabend jene ein, die den "Traum eines Königs" aus dem Grünen Gewölbe (siehe DNN vom 29. Oktober und 1. November) zuerst "träumen" durften: Mitglieder führender Familien, Vertreter des öffentlichen Lebens, Diplomaten, darunter die deutsche Botschafterin, Wirtschaftsleute und natürlich Dresdner, an deren Spitze die sächsische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Sabine von Schorlemer (parteilos), der Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer sowie amtierende Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Dirk Syndram, aber auch die Kuratorin der Schau Claudia Brink und ihre Mitstreiterin Karin Kolb. Zunächst hieß es Warten auf ein Mitglied der Herrscherfamilie - der Emir würde es wohl nicht sein, er sei außer Landes, war zu hören. Dann kam Bewegung in die mit Getränken (natürlich alkoholfrei) und Häppchen bei Laune gehaltenen Gäste: Sheikha Al Mayassa bint Hamad bin Khalifa Al Thani erschien. Kurz danach öffneten sich die Türen zu "The Dream of a King - The Green Vault": für Ihre Exzellenz, für die Dresdner, schließlich für die anderen Gäste. Ob überraschend oder nicht, war auch Alexander Prinz von Sachsen erschienen (er ist Vorsitzender des Freundeskreises des Grünen Gewölbes). So erläuterten nicht nur Sammlungschef und Ministerin die wunderbaren Objekte. Es wurde sozusagen auch von königlicher Hoheit zu königlicher Hoheit geplaudert. Manchmal schien es, den Vertretern des Freistaats werde ein wenig "die Schau gestohlen".

Gleichwohl - die "Schau" gebührt sowieso den rund 70 Objekten und ihrer Inszenierung. Diese wirkt dank der fotografischen Künste von Jörg Schöner und dem Know-how sächsischer Firmen einfach umwerfend. Entstanden sind räumliche Illusionen von Teilen des Historischen Grünen Gewölbes, aber auch von Gemälden, die an die Trompe l'oeil-Malerei alter Tage erinnern. Selbst der Marmorfußboden des Juwelenzimmers wurde "exportiert". Das Ergebnis ist ein wunderbares, neuartiges Zusammenspiel von Raumillusion und Objekten, begleitet von Video-Eindrücken aus Dresden. Die Präsentation zeigt sich beispielhaft gelungen, kann vielleicht noch für die eine oder andere auswärtige Ausstellung Vorbild sein. Als i-Tüpfelchen gewissermaßen "empfängt" August der Starke in Gestalt einer goldbestickten Paradeuniform, bestückt mit dem dänischen Elefantenorden, die Besucher, während hinter der Figurine "His Royal Highness" im Bild erscheint.

Dieser personelle Hinweis auf das Sammelinteresse eines Fürsten dürfte für Qatar interessant sein, ist doch auch das MIA Ergebnis fürstlicher Sammelaktivitäten. Innerhalb der letzten 20 Jahre hat Emir Sheikh Hamad bin Khalifa Al Thani eine Sammlung islamischer Kunst aus der Zeit zwischen dem 7. Jahrhundert und der Gegenwart zusammengetragen. Die Herkunft der 5000 Objekte des Hauses, das jedem, der jemals nach Doha kommt, empfohlen sei, erstreckt sich geografisch von Südspanien bis China. Es ist wohl Anliegen des Emirs, mit deren überaus brillanter und gediegener Präsentation die kulturelle Identität Qatars (11 606 Quadratkilometer, 2010: nahe 1,7 Millionen Einwohner) zu stärken. Nicht zufällig richten sich zahlreiche Aktivitäten besonders an Familien und Kinder.

Dies dürfte für kommende Zeiten wichtig sein, scheint doch gerade hier die Erkenntnis zu reifen, dass der aus Öl, Erdgas und Düngemittelindustrie geschöpfte Reichtum für eine nachhaltige Entwicklung genutzt werden sollte. In diese Zielstellung passt sich nicht zuletzt die Besetzung entscheidender Felder mit Einheimischen ein, wofür Bildung grundlegend ist. Hier wird von den Eliten des Landes - neben den Schulen und der Universität - wohl auch der Platz des ersten, wirklich funktionierenden Museums auf der arabischen Halbinsel gesehen.

Lisa Werner-Art

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.11.2011

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