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Exorbitantes Geburtstagsständchen: "15 Jahre Brachialromantik" - Die Letzte Instanz feierte im Dresdner Eventwerk

Exorbitantes Geburtstagsständchen: "15 Jahre Brachialromantik" - Die Letzte Instanz feierte im Dresdner Eventwerk

"Brachialromantik" - der einst vom Duo Sonnenschirm schon in diffizilen Vorwendezeiten geprägte Begriff wurde von der Dresdner Band Letzte Instanz für ihre Musik geborgt und gewandelt.

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Jubiläumsparty der Letzten Instanz im Eventwerk.

Quelle: Patrick Johannsen

Sie kategorisierten ihre Musik per Name der ersten Scheibe so - ihre jüngste trägt folgerichtig den Titel "15 Jahre Brachialromantik". Genau wie die kurze Festtournee, die am Sonnabend im Dresdner Eventwerk in einer großen Livesause gipfelte und eine Art Querschnitt bot, bei dem der Schwerpunkt eindeutig auf den jüngeren der zehn Studienalben lag, die immerhin 630 Konzerte samt Fans auch in Moskau und China bescherten.

Heute steht der Begriff als Schlagwort für das nach der Krise vor acht, neun Jahren personell runderneuerte Septett, von denen die drei Gründungsmitglieder aus Dresden und Radebeul weiterhin den Ton angeben: Elektrogitarrist Holly D., Elektroviolinist M. Stolz und nicht zuletzt Elektrocellist Benni Cellini, der samt der Form seines Instrumentes und seines Stahlstuhles in Fadenkreuzoptik inzwischen zum Symbol stilisiert ist und der seinen charakteristischen roten Zopf unverdrossen mit drei Kopfumdrehungen pro Sekunde im Takt schwingt.

150 Minuten und zahlreiche Gäste sind vorab versprochen - Sänger Holly Loose erhöhte zu Beginn des Konzertes auf drei Stunden, so wurde klar, dass die eigens vorab produzierte CD nicht als Repertoire reicht. Die Band schert sich dabei wenig um Dramaturgie oder eine ausgefeilte Bühnenshow, alles bleibt urwüchsig und spontan. Sechs senkrechte Lichtleisten und vier Feuerspuckmaschinen werden umrahmt von zwei großen Figuren des Bandlogos, davor spielt die Musik.

Explizite Folk- und kraftvolle Metaleinflüsse sind inzwischen nicht mehr hörbar, sondern eingeebnet in den typischen Instanz-Klang, der sich durch nahezu alle Titel zieht und immer hymnisch ausartet, was gut zu den simplen, metaphysischen Botschaften passt, die selten echte Düsternis verheißen, sondern vielmehr eine positive Mut-Mach-Attitüde tragen. In der schwierigen Akustik der ehemaligen Werkhalle, mit reichlich tausend Besuchern gut gefüllt, war jenseits der wogenden Masse vor der Bühne die Textverständlichkeit arg begrenzt, was dem - ganz im Gegensatz zu den Musikern - reichlich uniform gekleideten schwarzen Publikum sichtlich egal war und der Stimmung keinerlei Abbruch tat.

Denn so ein Jubiläumsfest gehört natürlich den treuen Fans, nicht den Neuen oder gar den Kritikern, die sich vielleicht mehr Varianz, klarere Linien oder feinere Töne statt stetem Bombast wünschten oder vielleicht auf ein reines Violin- oder Cellosolo als Zwischenspiel hofften. Dafür wusste hier jeder, wann genau die jedem überreichten zwei Wunderkerzen zu zünden waren, und jede Aufforde- rung von Sänger Holly Loose - ob Niederknien, Armwellen oder Pistolenhände - wurde genau befolgt. Überhaupt ist die Instanz mittlerweile ohne den charismatischen Front- mann aus Königswusterhausen, der 2005 zur Band stieß, schwer vorstellbar: Er dirigiert das Geschehen, zelebriert die Konzerte als eine Art Messe und bestimmt in den eingestreuten Duetten mit seiner warmen, sonoren Stimme das Geschehen. Sowohl Eisblume-Sängerin Ria als auch Polarkreis-18-Frontmann Felix Räuber blieben neben Loose blass bis piepsig, einzig der folkgestählte Ally Storch konnte kratzig-kraftvoll mithalten. Auch die Instanz-Version vom Polarkreis-Hit "Allein" blieb gewöhnungsbedürftig.

Außerdem zu Gast: Bastian Emig von Van Canto sowie Frau Schmitt und Eric Fish von Subway to Sally. So wurde die Ankündigung von drei Stunden reiner Spielzeit exakt erfüllt - in der folgenden Nachspielzeit nach Mitternacht, quasi als dritter Zugabenblock, folgt eine musikalische Überraschung: ein Medley aus internationalen Krachern von Nirvana bis Kiss. Derweil schwebt Lokalhero M. Stolz, der laut Netzbiografie schon seit 1996 bei der Instanz ist, über den Köpfen des Publikums nach hinten, denn er ward vorn als Geiger bei richtiger Rockmusik nicht benötigt.

Damit nicht genug: Nach dem Livemarathon wartete in der benachbarten Reithalle die After-Show-Party. Weitere Nachwehen sind in Form von hunderten Videos und tausenden Fotos gespeichert. Von letzteren soll per Mitmachaktion eine Auswahl auf die nächste Live-DVD geraten, ebenso die Mitschnitte des Abends. Fest steht auch schon der bislang einzige Konzerttermin für 2014: Republikgeburtstag, gleiche Stelle - als große Record-Release-Party. Hartgesottene können hingegen dieses Jubiläumskonzert ab dem zweiten Weihnachtsfeiertag noch einmal in Jena, Hannover, Mannheim, Ingolstadt und/oder Wien nachempfinden.

www.letzte-instanz.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.10.2013

Andreas Herrmann

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