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Exodus der Künstler: Kaum ein Musiker spielt mehr auf Dresdens Straßen

Exodus der Künstler: Kaum ein Musiker spielt mehr auf Dresdens Straßen

Es ist Hochsaison für Straßenmusiker und Flaute in der Kulturstadt Dresden. Eine von der Verwaltung durchgepeitschte Übergangsverordnung schreibt den Künstlern im August nicht nur Ort, Zeit und Dauer ihrer Performance in der Innenstadt vor, sondern setzt auch enge Zeitfenster, in denen man sich beim Amt die Genehmigung dafür einholen darf.

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Straßenmusiker Michael Pritzke, aufgenommen auf der Münzgasse in Dresden (Archivbild)

Quelle: Martin Förster

Das schreckt die Musiker offenbar nachhaltig ab.

„Es ist ein Witz“, sagt Arne Schmitt bitter, der mit seinem rollenden Flügel sonst auf dem Neumarkt für Begeisterungsstürme sorgte. Für den Montag hatte er sich für Piano und Akkordeon eine sogenannte Sondernutzungserlaubnis abgeholt und erlebte eine böse Überraschung. Nach neuer Verordnung gibt es nur eine Stelle, an der Pianisten unter freiem Himmel spielen dürfen: An der Hauptstraße auf Höhe der Markthalle, weit weg vom Goldenen Reiter und noch weiter weg von den Touristen am Neumarkt und Georgentor. Für Schmitt ein sinnloser Platz, der einem Berufsverbot gleichkommt. „Da stünde ich dann den ganzen Tag und sicher würden sich die Anwohner irgendwann beschweren.“

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"Für eine freie Vielfalt von Kunst und Musik auf den Straßen“ - unter diesem Motto demonstrierten am 1. August 2014 Straßenmusiker- und Künstler gegen die seit diesem Tag geltende Regelung für Straßenkunst.

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Benutzt hat Arne Schmitt die Genehmigungen nicht, nur mal kurz illegal auf dem Schlossplatz für die Medien in die Tasten gehauen. (Man möge es ihm verzeihen.) Der Pianist war am Montag der einzige Künstler, der sich anmeldete. Am Dienstag und Mittwoch wurden laut Stadt ebenfalls genau zwei Erlaubnisse für Straßenmusik ausgeteilt, am 1. August waren es drei, am 2. August vier. Möglich wären täglich 14 Genehmigungen (sieben für Musiker, sieben für Straßenkünstler), doch niemand will sie. Wer musiziert, macht es lieber gleich illegal.

„Aber die meisten Künstler sind gar nicht mehr in der Stadt und haben auch nicht vor wiederzukommen. Sie wurden aus Dresden rausgeworfen“, schimpft Seifenblasenzauberer Georg Gräßler. Er setzt sich mit dem lokalen Netzwerk „Kultur sucht Raum“ in einer Petition für die freie Ausübung der Straßenkunst ein. Seit drei Wochen sammelt er mit Kollegen Unterschriften, über 5000 sind zusammengekommen. Die Unterzeichner stammen aus aller Welt: Das sei ein deutliches Zeichen, dass die neue Straßenkunstverordnung von den Touristen nicht gewollt wird, sagt der Musiker Jan Kossick von „Kultur sucht Raum“.

Absurd finden die Künstler das Spielverbot am Sonntag. „Dann sind gerade die Touristen unterwegs und keine Geschäftsleute im Büro“, versteht Arne Schmitt die Welt nicht. Ein Jahr habe man Zeit gehabt, vernünftige Regeln aufzustellen. Dass Dresden jetzt ein Stück Kultur fehlt, ist für Schmitt klares Verschulden der Stadt.

Madeleine Arndt

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