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Ex Oriente Pop: Yasmine Hamdan ließ die Jazztonne in Dresden schmelzen

Ex Oriente Pop: Yasmine Hamdan ließ die Jazztonne in Dresden schmelzen

Musik aus einer anderen Welt, aber keine Weltmusik. Deren Schöpferin und Interpretin Yasmine Hamdan sorgte für enormen Andrang vorm Jazzclub Tonne. Da gab es lange Gesichter bei jenen, die keinen Platz mehr im Keller fanden, und noch mehr beglückte Mimik all derer, die dichtgedrängt bei heißen Rhythmen schwitzten.

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Yasmine Hamdan

Quelle: Matthias Creutziger

In nur wenigen Jahren hat es die junge Frau zu großer Bekanntheit gebracht - ihr Mitwirken in Jim Jarmuschs Vampirdrama "Only Lovers Left Alive" hat dabei sehr geholfen -, die in jeglicher Hinsicht Grenzen überwindet. Yasmin Hamdan ist eine Getriebene, das hört man ihrer Musik nachhaltig an. Geboren in Beirut, mit den Eltern vor dem Bürgerkrieg geflohen, nach einer Odyssee durch Griechenland und mehrere arabische Länder zurückgekehrt in die nun zerstörte Geburtsstadt. Aufgewachsen mit Tradition, der sie in Akzeptanz und Widerstand verbunden blieb, konfrontiert mit der Moderne des Westens. Nirgends zu Hause, überall auf der Suche.

Wiederholt ist sie in Schubladen gesteckt worden, als erste Independent-Ikone der arabischen Welt mixte sie die Musiken dortiger Herkunft mit untergründigem Rock'n'Roll. Ihr Elektropop-Duo Soapkills öffnete ihr neue Tore, seitdem findet sie ausschließlich eigene Wege. Orientalischer Punk-Pop kann nur eine vage Beschreibung dieser Musik sein.

Es ist ein wütendes Fauchen, das daraus entströmt. So wütend wie zart und grazil. Viel elektronischer Mix, schier sinfonische Sounds, die rockige Einflüsse mit arabischer Tonalität vermengen, ein Rhythmusgeflecht, das den Basar direkt mit dem Beatclub verbindet. Kein Wunder, dass sich die glücklichen Gäste wie in Trance dieser schönen Stimme und ihren exzellenten Begleitern hingaben. Donia Berriri an den Keyboards erwies sich als außerordentlich begabte Klangtüftlerin, Jan Pham Hun Tri elaborierte an der Gitarre waghalsige Kaskaden zurecht, und Abdel Abrit vermengte bekanntes Schlagwerk eindrucksvoll kitschfrei mit dem Geläut aus Tausendundeiner Nacht.

Yasmine Hamdan allerdings, die aus ihrem jüngsten Album neben eigenen Stücken auch Lieder arabischer Kulturen zitiert hat, durfte ganz auf die Emotionalität ihrer Musik vertrauen. Die sprang kraftvoll aufs ganze Publikum über und war trotz aller Sprachhürden verständlich. Die heute in Paris lebende Sängerin und Songschreiberin, die auch als Schauspielerin von sich reden macht, darf ruhig als Stimme des libanesischen Untergrunds gelten. Sie will das aber nicht nach den klischeebeladenen Maßstäben der westlichen Medien verstanden wissen, sondern als ihr eigener Weg, sich mit dem Getriebensein auseinanderzusetzen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.05.2014

Aldo Lindhorst

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