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Euro-Latin von Dresdner Erzmusikanten: "Caminho" und ihr eigener Weg sind inzwischen mehr als ein Geheimtipp

Euro-Latin von Dresdner Erzmusikanten: "Caminho" und ihr eigener Weg sind inzwischen mehr als ein Geheimtipp

Am Sonntag stellen die vier Musiker der Dresdner Band Caminho ihre vierte CD "Caminho volviendo" im Kleinen Haus des Staatsschauspiels vor, einen Tag später gestalten sie in Leipzig die Verleihung des MDR-Literaturpreises mit.

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Gruppenbild ohne Dame: Matthias Macht, Michael Burkhardt, Bertram Quosdorf und Alejandro Leon (v.l.n.r.) spielen seit sieben Jahren bei Caminho.

Quelle: PR

"Unsere Arbeit trägt langsam Früchte", meint der Deutsch-Chilene Alejandro León Pellegrin, Sänger, Gitarrist und Hauptkomponist von "Caminho". Eigentlich feierte die Band schon vor drei Jahren ihr 15-jähriges Bestehen mit einer Kneipentour. In der heutigen Besetzung gibt es sie auch schon seit sieben Jahren, und auf diese personelle Kontinuität und die damit verbundene Kreativität legen alle Wert.

Weniger auf einen Erfolg um des Erfolges willen, denn der Name "Caminho" kommt nicht von ungefähr. Das spanische Wort für "Weg" meint eben ihren ganz eigenen zwischen Europa und Südamerika, der jedenfalls ohne kommerzielles Kalkül im Weltmusik-Trend liegen mag.

Was lange währt, war schon immer gut, scheint aber nun breiter wahrgenommen zu werden. Die Bezeichnung Latin-Band klingt eigentlich zu abgegriffen. Rhythmisch ist zwar nach wenigen Takten klar, wo man sich befindet. Samba, Bossa Nova, neuerdings auch Tango kennt der Europäer, Zamba Argentina oder Chacarera schon weniger.

Das Schlagzeug hat ordentlich zu tun, und auch als geborener Germane hat das Matthias Macht aus dem Bauch einfach drauf. Aber von kopierter Folklore ist der Caminho-Charakter weit entfernt. Inspirator Alejandro vereint eben zwei Kontinente in sich. Seine Soli klingen manchmal wie romantische Balladen, Michael Burkhardt am Bass bringt vom "Blauen Einhorn" Weltmusikerfahrung mit, die Breaks und Fill-ins von Bertram Quosdorf am Sax führen jazzige Elemente ein. Greift er zur Klarinette, hört man klassische, strengere Züge.

"Wir sind stolz darauf, dass es in dieser Mischung wenig Vergleichbares gibt", lächelt Alejandro. Als Kind chilenischer Immigranten kam er nach dem Militärputsch 1973 in die DDR und wuchs mit den verschiedensten Einflüssen aus Pop und Klassik auf. Erst im jugendlichen Alter sei das Interesse an frühen heimatlichen Prägungen zurückgekehrt, berichtet er. Liedermacher wie der legendäre Victor Jara trugen dazu bei. Latin Jazz lernte er mit 20 kennen.

Seine Mitspieler haben sich als Europäer hineingehört und noch mehr Eigenes eingebracht. Das bietet für den Liebhaber auch technisch einige Leckerbissen, etwa bei virtuosen Parallelläufen zwischen Gitarre und Klarinette. Studiert haben sie alle in Dresden. Was entgeht dem Hörer, wenn ihm die spanischen Texte spanisch vorkommen? Nicht so tragisch, meint Alejandro. Wenn man sich auf die Sprachmelodie einlasse, könne man vieles fühlen. "Schöne lyrische kleine Geschichten", die fast immer seine Schwester Ximena textet. Sie würden nur verlieren, wenn er sie auf der Bühne übersetzen wollte. Was man nicht erwarten sollte, sind Texte, die sich mit seiner politisch brisanten Heimatregion auseinandersetzen.

Regelmäßige Auftritte und nicht nur "Muggen" als Gelegenheitsgeschäfte sind ein heikles Thema für Musiker, die zwar für jedermann spielen wollen und auch davon leben müssen, von ihren eigenen Vorstellungen aber nicht abgehen. Nicht wirklich ein Widerspruch, zumal sie wie alle Erzmusikanten eher die Bühne als das Studio schätzen. "Live sind wir am besten", meint Alejandro selbstbewusst. "Wir machen unser Wohlbefinden aber nicht von irgendwelchen Durchbrüchen oder Plattenerfolgen abhängig", betont Bertram Quosdorf, den man längst von zahl- reichen anderen musikalischen Projekten als unverwechselbaren Typen kennt. Wie leicht Publikum im wahrsten Wortsinn übers Ohr zu hauen ist, weiß nicht nur er, wenn er eine mangelnde Erziehung zu kritischer Hör- und Urteilsfähigkeit schon in der Schule beklagt.

Niemand legt Wert darauf, für teures Geld "gepusht" zu werden. "Caminho" spricht für sich und spielt natürlich gern für andere. Auch jenseits heute unvermeidlich scheinender Vermarktungswege. "Ich bin die Agentur", lacht Basser Michael, der das Geschäftliche regelt. "Wenn das Material nicht vorhanden und die Band nicht so gut wäre, würde das booking auch nicht funktionieren", gibt er sich selbstbewusst. Es funktioniert immer besser. Wo sie einmal eingeladen waren, werden die "Caminhos" immer wieder gerufen.

So, 20 Uhr, Kleines Haus: "Volviendo". Con el alma de America del Sur. CD-Release-Konzert.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.05.2014

Michael Bartsch

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