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Es ist gut - John Southworth mit dem "Album des Jahres 2014" im Beatpol

Es ist gut - John Southworth mit dem "Album des Jahres 2014" im Beatpol

"Wunderbar nostalgie-selige Salonmusik", umschreibt es der Rolling Stone. Und wählt das Doppelalbum "Niagara" gleich mal zur Platte des Jahres 2014. Der sie gemacht hat, John Southworth, spielt am Sonnabend für fünf Euro Eintritt im Dresdner Beatpol.

Dresden. "Wunderbar nostalgie-selige Salonmusik", umschreibt es der Rolling Stone. Und wählt das Doppelalbum "Niagara" gleich mal zur Platte des Jahres 2014. Zur Gischt des aktuellen Mainstreams, selbst des Mainstreams im Indie, ist er dennoch nicht geworden. Vielleicht weil die Kanadier nicht nur behaupten, er sei ihr bestgehütetes Geheimnis. Sondern John Southworth wahrhaft hüten. Für alle, die schnell lesen: Dieser eben genannte, unscheinbar unbekannte Name war das Geheimnis. John Southworth. Der Singer/Songwriter spielt am Sonnabend für fünf Euro Eintritt im Dresdner Beatpol.

Dass die Kanadier ihren Southworth so lange verstecken konnten, wundert. Hat er doch seit 1998 etwa ein Dutzend Platten rausgebracht. In England geboren und in Kanada aufgewachsen ist John Southworth, der Sohn von Peter Shelley. Den auch keiner mehr kennt. Der in den 70ern zwei, drei Hits hatte, etwa "Gee Baby". Der seit Mitte der 60er bei EMI war und danach Talent-Scout bei Decca Records. Was immer noch unspektakulär klingt, der dort aber zum Beispiel Ten Years After entdeckte und die Formation Giles/Fripp förderte, was in die Gründung von King Crimson mündete. Musikgeschichte also.

Aber auch das dürfte nicht entscheidend sein dafür, dass John Southworth so außergewöhnliche Songs schreibt. So nie dagewesene. 1998 erschien sein Debüt "Mars Pennsylvania". Schon damals alles unkonventionell vertraut. Noch beatliger vielleicht. Von denen hat Southworth vieles. Die Musik mit ihren beschränkten und immer gleichen Möglichkeiten doch ständig neu hervorzubringen, in ihren unendlichen Variationen auszuloten. Songs zu machen, weil man Musik wenden, drehen, kippen, zerschneiden kann und sie von links anders klingt als von oben. Und wenn hinten rechts noch ein Backgroundchor mitsingt, ist auch halb schräg vorn das Xylophon anders und überhaupt alles. Aber am Ende immer wohlgeformt, rund, Songs.

Durchaus der bisherige Höhepunkt von John Southworth, das kann man schon sagen, ist das genannte 2014er Doppelalbum "Niagara". Mit einer "kanadischen Seite" und einer "amerikanischen". Ein Album, das so perfekt wie unvorbereitet erschien. Keiner hatte Southworth auf dem Schirm, keiner ahnte, dass er an etwas Großem dran ist und er selbst am Ende auch nicht.

"Niagara" hat den Zauber einer Lambchop-Platte, die Tiefe von Leonhard Cohen der letzten 20 Jahre, sie ist dem Waits verwandt, und das vom Rolling Stone ins Spiel gebrachte Salonhafte ist ebenso treffend. "Niagara" ist so angenehm unbekannt wie vertraut, mit hier einem warmen reduzierten Klavier, dort vom Hintergrundchor einiger Frauen eingekreist, und Southworth singt. Weder hoch, noch tief, nicht rau, nicht säuselnd, er singt einfach. Dann hört er auf, und ein Saxophon löst ihn ab für ein paar Sekunden. Und dann singt er wieder. Dass es so einfach ist, macht es so geheimnisvoll. Wie kriegt er das hin? Wo holt er es her? Egal. Es ist gut.

John Southworth im Beatpol, Sonnabend, 21 Uhr, Eintritt: 5 Euro

Robert Kaak

Robert Kaak

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