Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Google+
Es geht los: Bau des Kulturkraftwerkes in Dresden startet im November

Es geht los: Bau des Kulturkraftwerkes in Dresden startet im November

Am liebsten hätte Architekt Jörg Friedrich zwischenzeitlich alles hingeschmissen. Nervenaufreibende Verhandlungen, wenig Fortschritte, ein Kompromiss in weiter Ferne - die Vision vom Kulturkraftwerk Mitte verlangt schon vor dem ersten Spatenstich allen Beteiligten harte Arbeit.

Nur seiner Tochter sei es zu verdanken, dass er den Entwurf nicht abgebrochen habe, erklärte der Architekt gestern im voll besetzen Saal der Staatsoperette in Leuben. Sie hätte insistiert, Mut gemacht, ihn geradezu überredet. "Danke an meine Tochter", sagte Friedrich. Das Publikum klatschte überwältigt.

Doch es ging nicht nur um diesen emotionalen Moment, es ging um mehr: Stellte sich doch das Ergebnis des ewigen Wartens, der jahrelangen Hoffnung und auch der zermürbenden Kämpfe erstmalig als konkrete Vision auf einer Leinwand dar. Ein "Kulturkraftwerk", das zukünftig vier Spielstätten beherbergt und sowohl der Staatsoperette als auch dem Theater Junge Generation eine neue Heimstatt wird. Ein Meltin Pot der Kultur, ein Kraftwerk der kreativen Energie, eingebunden in die "Dialektik des Ortes", wie es Architekt Friedrich formuliert. Hoch- und Industriekultur treffen aufeinander. Genau deswegen sei es ihm so wichtig gewesen, die alte Bausubstanz "zu erhalten, zu integrieren und zu überformen".

Friedrich gilt mit seinem Architekturbüro "pfp-architekten" als Experte für die Planung von Theatern und Kulturhäusern. Der gebürtige Erfurter hat die Schauspielhäuser in Würzburg, Nürnberg, Gütersloh und Erfurt entworfen. Auch die Theaterwerkstätten in Radebeul entstammen seiner "Feder". Doch wie sieht der Entwurf des lang ersehnten Kulturkraftwerks Mitte nun aus? Die Maschinenhalle wird saniert und zum Foyer aller vier Spielstätten. In den Kopfenden der Halle werden rechts die Puppenbühne und links die Studiobühne des Theaters der Jungen Generation (TJG) integriert. Geradeaus können die Gäste direkt in das Foyer des Neubaus gehen, welches linksseitig im Saal der Staatsoperette und rechtsseitig im Zuschauerraum der Großen Bühne des TJG mündet. Dahinter kommen die sogenannten "Probetürme" - jeweils einer für die Staatsoperette und einer für das TJG. Diese Türme - Friedrich bezeichnet sie auch als stilistisches Element - beherbergen neben Proberäumen auch Ballett- und Chorsäle. Operetten-Intendant Schaller zeigte sich euphorisch: "Dass alles so gut zusammenpasst, ist bewundernswert." Der neue Saal sei eine Verbesserung in jeder Hinsicht - optisch, akustisch und räumlich. In der neuen Spielstätte können die Gäste zukünftig sogar auf dem Rang sitzen.

Die ersten Arbeiten sollen nach Angaben von Stesad-Chef Axel Walther schon im November beginnen, im März nächsten Jahres wird die Baugrube ausgehoben, im Juli 2014 beginnen die Arbeiten am Neubau. Zwei Jahre später - im Sommer 2016 - plant das ausführende Bauunternehmen Züblin AG alles fertig zu haben. Der erste probeweise Betrieb ist für Juli 2016 geplant. Im Dezember dann - welch schönes Weihnachtsgeschenk - könne es dann die erste Aufführung geben.

Die Künstler der Operette glauben das Unglaubliche erst, wenn sie es mit eigenen Augen sehen. "Wir sehen positiv in die Zukunft, das Konzept hat uns begeistert", erklärte Martin Liebe, Leiter der Requisite und Personalratsvorsitzender "Doch wirklich erleichtert sind wir erst, wenn wir das Gebäude wirklich da stehen sehen." Das Konzept sei durchdacht und clever, sagte der Sprecher der Solisten Marcus Günzel. "Wenn man den Prozess über ein Jahrzehnt erlebt hat, glaubt man erst daran, wenn der erste Kran steht", erklärte ein Künstler gegenüber den DNN.

Die Künstler der Operette verzichten seit 2009 auf ein Teil ihres Gehaltes, um den Neubau mit zu finanzieren. Eigentlich war die Spielstätte in Leuben nur als Nachkriegsprovisorium gedacht. Lange drohte der Traum vom Kulturkraftwerk wegen zu hoher Kosten in letzter Minute zu platzen. Doch in langen Verhandlungen konnten sich Stadt, Bauträger, Architekten und Kulturvertreter auf einen Kompromiss einigen. Zum Glück für Dresden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.09.2013

Katrin Tominski

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr