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Erstmals am Theater: Der Dresdner Maler Martin Mannig entwirft für das TJG Bühne, Kostüme, Objekte und Video

Erstmals am Theater: Der Dresdner Maler Martin Mannig entwirft für das TJG Bühne, Kostüme, Objekte und Video

Ich weiß nicht, ob es zu viel Aufwand ist..." So beginnt der Satz. Martin Mannig formuliert ihn behutsam. Adressat ist Roger Kunze, Beleuchtungsoberinspektor (eine wirklich beneidenswerte Tätigkeitsbezeichnung) am Theater Junge Generation (TJG).

Schwer zu sagen, wie oft die genannte Wendung in den letzten Tagen und Wochen gefallen ist. Egal. Sie spiegelt jedenfalls vor allem zwei Dinge wider: den Aufwand, der allgemein hinter jeder Theaterproduktion steht, und einen sehr einfühlsamen, kollegialen Umgang der Beteiligten speziell bei dieser Inszenierung.

In Dresden ist Mannig kein Unbekannter, hat sich als Maler einen Namen gemacht, wird von der Galerie Gebr. Lehmann vertreten. Als Theaterausstatter aber war er bislang noch nicht bekannt. Das holt er gerade nach, mit Riesenschritten sozusagen. Immerhin zeichnet Mannig für die nächste TJG-Premiere "Mitten auf der Elbe schwimmt ein Krokodil" am Sonnabend für nicht weniger als Bühne, Kostüme, Objekte und ein Video verantwortlich.

Dass die Vorbereitungen unter der Regie von Irina Pauls kurz vor der Uraufführung kulminieren, liegt in der Natur der Probenarbeit. Auch deshalb sieht Mannig etwas übernächtigt aus, doch der Kaffee vor ihm scheint zumindest im Moment zu helfen. Im Gespräch aber ist der Maler äußerst lebendig, teilt freigiebig mit, was ihn an dieser Mammut-Aufgabe gereizt hat - trotz der Tatsache, manchmal "zwölf Stunden im Theater zu sein, und in den Pausen schneide ich mit Roger das Video". Eine Beschwerde aber sei das nicht, schickt er gleich hinterher. Im Gegenteil: Vor allem für die Zusammenarbeit mit Pauls, die mit dem Stück ihre nun dritte Regiearbeit am TJG abliefert, sei er dankbar. "Das war für mich ungeheuer ergiebig", erzählt der 1974 in Freiberg geborene Mannig.

Seine Bilder haben Wiedererkennungswert. Das liegt in erster Linie an den stellenweise äußerst kruden, schrägen Gestalten, die sie bevölkern. Nicht wenig davon sieht der Künstler auch einfließen in seine Arbeit als Theaterausstatter. Selbst wenn Mannig natürlich sehr stark auf das verzichten muss, was seine Werke ausmacht: Ironie und Doppeldeutigkeit. "Das würden die Kinder nicht verstehen."

Trotzdem habe er "die Figuren in eine böse Richtung gedrückt, eigentlich wie immer". Als er beispielsweise für das Stück "eine liebe Badeente" angefertigt hatte, "dachte ich, das kann jeder Illustrator". Also schuf er dazu noch andere, auf den ersten Blick sicher nicht gleich kinderbuchkompatible Enten. "So sehe ich meine Arbeit ja auch: so lange an den Schrauben zu drehen, bis eine Figur ins Schräge, ins Komische kippt."

Von den Reaktionen der Kinder, die immer wieder ausgesuchte Proben am TJG bevölkern dürfen, war er angetan. "Sie haben durchaus gelacht." Kinder werden seiner Meinung nach oft unterschätzt - "und immer wieder geschützt, vor allem". Auch vor Figuren, die eventuell nicht unbedingt Gnade vor den Augen der Theaterpädagogen finden.

Was Mannig an der Regisseurin Pauls besonders mag: die ähnliche Vorgehensweise. "Bei ihr ist es ein Prozess, sie entwickelt mit den Schauspielern die Geschichte, wird immer präziser." Bei ihm laufe das vergleichbar, "auch ich verändere Versatzstücke immer mehr, bis sich dann ein Resultat, etwa Ganzes herausschält". Es gibt sie also, die Parallelen vom Atelier hin zur Bühne. Auch wenn Mannig einräumt, für seine erste Bühnenarbeit gern noch mehr Zeit gehabt zu haben. Eine Erfahrung fürs nächste Mal.

Der Anspruch bei "Mitten auf der Elbe schwimmt ein Krokodil" sei gewesen, "den Raum über den Rhythmus zu erobern". Ausgangspunkt sind nämlich Kinderreime. Beim Proben auf der Studiobühne des TJG hört man sie schon einmal: "Läuse sind keine Flöhe, Hirsche sind keine Rehe..."

Dieses Arbeiten mit dem Raum, sagt Mannig mit reichlich Respekt, habe ihm viel abverlangt. "Ich komme wirklich von der Flachware", fügt er mit Verweis auf seine Bilder hinzu. Was er nun bei der Theaterarbeit, für die er unter anderem überdimensionale Köpfe für die Figuren entwarf, gelernt habe, könne möglicherweise in seine künstlerische Arbeit zurückfinden, vielleicht in Form von Installationen. Aber das ist Zukunftsmusik. Jetzt heißt es Probenendspurt. Und nach der hoffentlich erfolgreichen Premiere steht in Mannigs innerem Terminkalender sicher eins ganz oben: mal wieder ausschlafen.

"Mitten auf der Elbe schwimmt ein Krokodil", für Kinder ab 4 Jahren, Uraufführung am Sonnabend, 14 und 16 Uhr, Sonntag 11 und 16 Uhr, im Theater Junge Generation

www.tjg-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.01.2014

Torsten Klaus

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