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Erstmals Programmpreise für Musikclubbetreiber: Scheune und Tonne aus Dresden unter den Siegern

Erstmals Programmpreise für Musikclubbetreiber: Scheune und Tonne aus Dresden unter den Siegern

Wie der gemeine Deutsche halt so ist: Statt sich darüber vorbehaltlos zu freuen, dass nun auch Clubbetreiber im Land von hoher Stelle geehrt werden, fragt er sich, weshalb das so spät kommt.

Schließlich werden im Film seit 1970 schon Programmpreise vergeben, mittlerweile zusätzlich von regionaler Seite aus. Jüngst bekamen erst wieder vier Dresdner Kinos Gelder der Mitteldeutschen Medienförderung. Erinnert sei zudem an die 1990er, als es im Freistaat Sachsen ein "Strukturprogramm Rockmusik" gab, das wirklich in Tiefe und Substanz investieren wollte, statt den x-ten Bandcontest zu unterstützen oder eine CD-Produktion.

In den Haushalt für 2013 hatte die Bundesregierung zusätzlich eine Million Euro für den neuen Preis eingestellt. Sie erweitert damit die Musikförderung, die sich zuvor im Gesamtkulturetat von 1,2 Milliarden Euro auf rund 44,2 Millionen belief. Der anerkannte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), der im Ruf steht, ein spezieller Filmförderer zu sein, kann jetzt also auch bei Populär-Musikveranstaltern punkten. Schaden wird ihm das nicht. Er betont denn auch das Anliegen: "Es geht um die Wertschätzung von Clubs und Veranstaltungsreihen, die jenseits des Etablierten, mit dem Mut zum Risiko, ein durchaus vielfältiges und qualitativ sehr hochwertiges Liveprogramm vorweisen. Genau diese Risikofreude brauchen wir, wenn sich die Musikszene weiterentwickeln soll -Nicht zuletzt für die Künstlerinnen und Künstler ist eine lebendige Clublandschaft von fundamentaler Bedeutung."

Die gemeinnützige Projektgesellschaft "Initiative Musik", die sich seit 2007 auch für diesen neuen Preis stark gemacht hat, weiß dabei, dass er offiziell nicht mit dem Begriff "Subvention" in Verbindung gebracht werden darf - weil Kultur eben Ländersache ist. Unterm Strich aber, wenn das Geld bei den 55 Preisträgern angekommen ist, wird es genau diese Funktion übernehmen. Die Spielstättenbetreiber werden es in neue Technik stecken, in ihre zum Teil maroden Häuser oder eben ins Programm. Schnorchelurlaub in Ägypten ist da nicht.

Dieter Gorny, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Initiative Musik und Jury-Vorsitzender des Spielstättenprogrammpreises: "Er soll inhaltliche Impulse geben, Aufmerksamkeit für die Situation der Spielstätten schaffen und auf die Bedeutung der Betreiber hinweisen sowie gleichzeitig qualitativ etwas aussagen." Also geht es auch um Wertigkeiten von Populär-Musik in der Kulturlandschaft. Es geht um eine vorurteilsfreie kulturwirtschaftliche Debatte, die es so meistens nicht gibt, denn die ambitionierten Clubbetreiber in Stadt und vor allem Land machen lieber, statt zu klagen, und behaupten sich tapfer gegen die Konzentration auf vermeintliche Leuchttürme. Sie sind das Herz, tun es mit Herz und lassen das der Künstler und Besucher schlagen. Dass die Basis dafür nicht selten auf Selbstausbeutung beruht, bleibt eine Tatsache.

Die neunköpfige Fachjury hat entschieden und am Mittwochabend auf einer Feier im Hamburger Club Uebel & Gefährlich ihre Entscheidungen verkündet. Aus 320 Anträgen wurden in drei Kategorien Gewinner in 40 Städten ermittelt. Man unterschied in Spielstätten bis 1000 Plätze mit mehreren Live-Veranstaltungen bzw. durchschnittlich einem Konzert pro Woche sowie in solche, die es auf mindestens zehn Veranstaltungen im Jahr bringen. Groß- und kleinstädtische Clubbetreiber sollten also gleichermaßen be- rücksichtigt werden. Nach den angestammten Rock/Pop/Jazz-Hochburgen Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern und Hamburg ist Sachsen mit vier Preisträgern und insgesamt 95 000 Euro das fünftstärkste Bundesland.

Zwei Preise gehen nach Dresden. Der Jazzclub Tonne und das Kulturzentrum Scheune machten in diesem ersten Vergabejahr das Rennen und erhalten je 30 000 Euro. Beworben hatten sich auch andere. Doch es wird beim Spielstättenprogrammpreis so sein wie beim großen Bruder im Film: Nach der Ehrung ist vor der Ehrung. Das Prinzip Gießkanne wird dafür sorgen, dass in den folgenden Jahren jeder an die Reihe kommt, der es verdient. Vorausgesetzt, er hält kräftemäßig durch. Bis dahin machen alle das, was sie eh am besten können: Programm, statt Anträge zu schreiben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.09.2013

Andreas Körner

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