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Erstes Konzert des Heinrich Schütz Musikfestes in Dresden

Erstes Konzert des Heinrich Schütz Musikfestes in Dresden

Opulente Klänge hier, knapp besetzte Kleinode dort - dass solche Erscheinungsformen der Musik ihren Grund auch in politischen Aspekten haben können, will das diesjährige Heinrich Schütz Musikfest beleuchten.

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Das 2014 als Artist in residence fungierende Ensemble Ars Nova Copenhagen gestaltete gemeinsam mit dem Barockorchester Concerto Copenhagen in der Annenkirche das erste reguläre Dresdner Konzert des Festivals mit einem (bis auf eine Ausnahme) reinen Schütz-Programm.

Quelle: Nicole Meier

Und findet mit diesem Thema ein weites Feld allein schon bei seinem Namensgeber. Etwa, wenn Schütz zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges mit den Kleinen Geistlichen Konzerten auf die stark gesunkene Zahl der Musiker reagierte und zugleich musikalische Andacht als unverzichtbar für die Menschen erachtete. Oder wenn er anlässlich dänisch-sächsischer Fürstenhochzeiten nach Kopenhagen engagiert wurde, um dort die Feierlichkeiten musikalisch auszugestalten.

Des Sagittarius' Aufenthalte in Dänemark sind Thema im Thema, und so kommt aus dem nördlichen Nachbarland auch das 2014 als Artist in residence fungierende Ensemble: Ars Nova Copenhagen. Die Sänger gestalteten gemeinsam mit dem Barockorchester Concerto Copenhagen in der Annenkirche das erste reguläre Dresdner Konzert des Festivals mit einem (bis auf eine Ausnahme) reinen Schütz-Programm, anhand dessen sich nicht zuletzt oben benannte Einflüsse studieren ließen.

Kurz zuvor hatte in seiner Vesper in der Kreuzkirche auch der Dresdner Kreuzchor seinen Beitrag zum Festival geleistet. Schütz, sein Zeitgenosse Johann Hermann Schein und der ein gutes Jahrhundert später agierende einstige Kreuzkantor Gottfried August Homilius prägten das von Peter Kopp dirigierte Programm, das die Kruzianer mit wirklich intensiver musikalischer Gestaltungskraft umsetzten.

Mit Ars Nova Copenhagen dann präsentierte sich ein Vokalensemble, das als das führende Skandinaviens gilt. Den aus professionellen Sängern bestehenden Kammerchor leitet seit 2003 Paul Hillier, den man als Gründungsmitglied des Hilliard Ensembles und international agierenden Chorleiter und Musikwissenschaftler kennt. Klangprächtig begannen Ars Nova und das exzellente Concerto Copenhagen mit "Herr, unser Herrscher" aus den "Psalmen Davids", um gleich darauf mit dem Kleinen Geistlichen Konzert "O süßer, o freundlicher" in der knappsten Besetzung des Abends - Solo-Alt und Theorbe (Daniel Carlsson, Karl Nyhlin) - starke Kontraste zu setzen. So variantenreich setzte sich das Programm fort, die notwendige genaue Austarierung der Klangbalance war schnell gefunden. Dabei verkörpert Ars Nova nicht unbedingt den in den einzelnen Stimmen perfekt verschmolzenen Chorklang, hängt aber die Latte hoch, was das wirklich gemeinsame Musizieren betrifft. Darauf aufbauend, ist eindrücklicher gestalterischer Facettenreichtum möglich. Paul Hillier freilich, wo er dem Geschehen vorstand, war diesbezüglich weniger fordernd, orientierte seine Sicht mehr am horizontalen motorischen Verlauf der Musik, denn an textorientierter Beweglichkeit. Manch harmonische Finesse, manch emotionale Farbe blieben da eher unterbelichtet inmitten der Klangpracht, für die es am Ende viel Beifall gab.

Den Widrigkeiten zum Trotz - Musikfest-Intendantin Christina Siegfried vermied in ihrer Begrüßung die Details - durfte das Dresdner Heinrich-Schütz-Konservatorium auch der Ausgabe 2014 des Heinrich Schütz Musikfestes sein Konzert beisteuern. Der Sonntagmorgen gehörte also wieder ganz den Musikschülern, die sich in interessanter Weise mit barocker Musik befassten. Dem von Andreas Roth geleiteten Blechbläserensemble gelang zu Beginn die Bearbeitung von Schütz' Motette "Singet dem Herrn" recht ansprechend. Zunächst etwas zurückhaltend, dann immer stärker aus sich herausgehend, spielten die Gambistinnen Marie-Alice und Alma-Elisabeth Stoye (mit Dietlind Baumgarten, Cembalo) aus dem Trio concertante D-Dur von Johann Gottlieb Graun. Alma-Elisabeth, die jüngere der Schwestern, traute sich sogar an Bachs Gambensonate D-Dur heran. Ein verpasster Einsatz in Bachs Fuge a-Moll hinderte das Blockflötenconsort nicht daran, das Stück im zweiten Anlauf bestens zu spielen. Die Plätze an Cembalo und Barockvioline tauschten nach Bedarf die Schwestern Maria und Franzsika Graefe und hatten ebenfalls Musik von Graun im Programm. Virtuosenmusik allemal. Continuo-Cello spielte Paul Gelhard mit großer Sicherheit. Und der Gesang kam beileibe nicht zu kurz: Linda Hanni Müller sang als Solistin Werke von Schütz und Buxtehude, Motetten von Homilius und schließlich von Bach bot unter Leitung von Matthias Jung der Knabenchor Dresden in unbedingt hörenswerten Darbietungen.

Diesem Blick auf die Zukunft mit den Protagonisten der nächsten Generation stand ein sehr ernstes, aber stark besuchtes Konzert im Militärhistorischen Museum gegenüber, das sich mit der Katastrophe Krieg, der Endlichkeit und der Zukunftslosigkeit auseinandersetzte. Bezugspunkt war die Ausstellung "14 - Menschen - Krieg" zum Ersten Weltkrieg. Museumsdirektor Oberst Matthias Rogg zeigte am Beginn einer Führung durch die Ausstellung einige Parallelen zum Dreißigjährigen Krieg auf, der mit Heinrich Schütz' Dresdner Wirkungszeit zusammenfiel. Anhand des mit originalen Teilen rekonstruierten Kilianstollens, eines bei Bauarbeiten im Elsass entdeckten deutschen Unterstandes, in dem zahlreiche Soldaten verschüttet wurden, vermittelt die Ausstellung den Frontalltag. "Soldaten, die aus dem Krieg zurückkamen, kamen aus einem ganz anderen Leben. Und was sie erzählten, wurde zu Hause nicht verstanden", erläuterte Rogg angesichts der authentischen Fundstücke vom März 1918.

Der Dresdner Kammerchor verband im Konzert am Abend beide Jahrhunderte - das 17. und das 20. - musikalisch in dem "für ein Militärmuseum ungewöhnlichen Anliegen, von Friedenssehnsucht zu sprechen" (Rogg) auf besondere Weise. Drei Schütz-Motetten (Verleih uns Frieden; Gib unsern Fürsten; Selig sind die Toten) erklangen unter Leitung von Olaf Katzer (mit Michael Käppler, Orgel) erfreulich klar und energisch. Der Titel "Le Tombeau de Couperin" zu Maurice Ravels nach 1914 entstandenen Klavierzyklus führt in die Irre, wenn man nicht weiß, dass die Sätze im Ersten Weltkrieg gefallenen Franzosen gewidmet sind. Die Pianistin Miao Huang spielte das Werk ohne technische Makel, klanglich aber unentwickelt und zu unterkühlt in der emotionalen Deutung.

Eine fast vorausahnende Verbindung zwischen 1648 und 1918 stellte Karl Amadeus Hartmann mit "Friede anno 48" im Jahr 1936 her. Die für Sopran, Chor und Klavier vertonten Texte von Gryphius bildeten den außergewöhnlichen dritten Teil des Konzerts und wirkten vor allem durch die ausgezeichnet umgesetzten Chorpassagen. Einen vollständigen Eindruck des Werkes vermochte die Aufführung dennoch nicht zu vermitteln, da die Sopransolistin Sarah Maria Sun mit der Partie stimmlich und inhaltlich deutlich überfordert war.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.10.2014

Sybille Graf und Hartmut Schütz

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