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Erste Bewerbervorspiele fürs Amt des Dresdner Domorganisten

Erste Bewerbervorspiele fürs Amt des Dresdner Domorganisten

Was einmal eine Lebensstellung war, unterliegt heute nicht weniger den Anforderungen des Lebens: Das Amt des Domorganisten in der Dresdner Kathedrale mit ihrer bedeutenden Silbermann-Orgel ist neu zu besetzen, da Thomas Lennartz nach knapp sieben Jahren die Orgelbank geräumt hat.

Also steht die Wahl eines Nachfolgers an und eine Kommission aus den Geistlichen der Domgemeinde, Kirchenmusikern des Bistums und Mitarbeitern der Diözese hat sechs Bewerber (statt vier, wie im Jahr 2008) nach der Vorrunde in die engere Wahl genommen, die nun mit Literaturspiel in der zweiten und Spiel im Gottesdienst in der dritten Runde ihre musikalischen Fähigkeiten zeigen müssen. Ein Novum: Darunter ist diesmal auch eine Organistin. Am 25. Januar soll feststehen, wer künftig für das Orgelspiel und auch für die Konzertprogramme in der früheren katholischen Hofkirche zuständig sein wird.

Das Interesse an den je halbstündigen Vorspielen der beiden ersten Bewerber war bemerkenswert. Vielleicht nicht zuletzt deswegen, weil bei solcher Gelegenheit Organisten zu hören sind, die nicht zu den "üblichen" Konzerten des Orgelzyklus kommen und man so Gelegenheit hat, wie aus einer "Wundertüte" überrascht zu werden.

Zunächst spielte Johannes Trümpler, Organist an der Benediktinerabtei Maria Laach, ein recht romantisch orientiertes Programm. Der 1981 Geborene setzte stark auf musikalische Effekte, hatte sich dafür aber hörbar zu wenig mit den Möglichkeiten der spätbarocken Orgel von 1755 und den akustischen Besonderheiten des Raumes auseinandergesetzt. Klanglich stark auftrumpfend bei Bachs gar nicht so gewaltigem Präludium und Fuge G-Dur verlor sich die Struktur der beiden Teile im schnellen Tempo. Messiaens "Les Mages" blieb aus dem Zusammenhang des Zyklus "Le Nativité du Seigneur" genommen nicht nur inhaltlich eine Gratwanderung, sondern in Registrierung und Vortrag zu einseitig aufgefasst. Das Zuviel des Tremulanten hier überfrachtete auch Karg-Elerts "Wie schön leucht' uns der Morgenstern". Von sich aus als wenig geschmackvoll erwies sich Dubois' sakrales Salonstück "Marche des Rois Mages". Dessen Banalität übertrug sich am Ende auf Trümplers Spiel von Mendelssohns Präludium und Fuge c-Moll, das zur Silbermann-Orgel durchaus besser gepasst hätte als die Werke zuvor. Doch auch hier sorgte vor allem in der Fuge die Eile für Unverständlichkeit.

Wie von selbst zum Zuhören zwang danach das Spiel von Manfred Novak, der elegant und genau, aber auch lebendig musizierte und dabei intensiv gestaltete. Der 1977 geborene Österreicher ist Kirchenmusiker am Stift St. Lambrecht in der Steiermark. Novak kam mit einem klar am Charakter der Orgel als historischem Instrument orientierten Programm, das selbst einen Rückblick zum Renaissancekomponisten Ludwig Senfl stilsicher und in sparsamer Registerwahl überzeugend erlaubte. Die Schönheit einzelner Stimmen kostete der Organist beim Spanier Correa de Arauxo ebenso aus, wie in Bachs "Kommst du nun, Jesu vom Himmel herunter". Zwar trat bei dieser Choralbearbeitung der cantus firmus etwas zu schwach hervor, doch Novak "wagte" es, die Choralmelodie einmal nicht mit Aliquoten oder Zungen zu überladen. Höchst interessant und dicht registriert, nicht weniger im musikalischen Detail fein gestaltet, war als kontrastierendes zeitgenössisches Stück "Les Bergers" von Messiaen, bevor Manfred Novak endlich mit Buxtehudes Präludium in C einmal das volle Werk hören ließ: Maßvoll im Tempo, zahlreiche Farben findend, fehlten hier lediglich ein klarerer Blick für den großen Bogen und etwas mehr musikantische Lust am leider verschenkten Effekt des Schlusses.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.01.2015

Hartmut Schütz

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