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Erste Ausstellung in der Galerie des Neuen Sächsischen Kunstvereins

Erste Ausstellung in der Galerie des Neuen Sächsischen Kunstvereins

Alles dreht sich in dieser Ausstellung um die Farbe Blau. Sie ist ein Symbol für Transzendenz, den Himmel und das Wasser, das Vertrauen, die Erinnerung und die Ewigkeit.

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Gerald Aschenbrenner und Sabine Hunecke, Installation, 2014

Quelle: Heinz Weißflog

Der Titel der vorliegenden Präsentation "Blaue Strömung" meint das Leben im "Gleichnis vom lebendigen Fluss von Vergangenem im Gegenwärtigen mit Sicht auf Zukünftiges" (Karin Weber). Sieben Künstler stellen als Gäste in der jüngst eröffneten Galerie des Neuen Sächsischen Kunstvereins unter diesem poetischen, aber auch programmatischen Titel ihre Werke zur Diskussion. Gleichnamiges Manifest (verfasst von Michael Evers am Ende des kleinen, informativen, der Ausstellung beigefügten Kataloges) proklamiert eine Kunst, die sich wieder ihrer geistig-spirituellen Dimension bewusst wird und sich ihr öffnet. Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung, einer zunehmenden materialistischen Lebenshaltung, stellen die teilnehmenden Künstler Fragen nach der Zukunft der Kunst und ihrer Rolle in der Gesellschaft, aber auch für den Künstler als Individuum. Allen Teilnehmern geht es folgerichtig darum, mit ihrer Kunst dem Mysterium des Lebens, seinen Formen und Strukturen nachzuspüren und es kraft der Gesetze der Kunst, dem "Geistigen in der Kunst" (nach Kandinsky 1912) lebendig sichtbar zu machen.

Dresden ist der besondere Ort, wo sich Tradition und Moderne auf ideale Weise getroffen und befruchtet haben. Die romantischen Maler und Dichter betrachteten die Kunst als Ausdruck lebendiger Empfindungen und der Sehnsucht nach Vereinigung mit dem Wunderbaren, den kosmischen Kräften der Natur und des Geistes. Kunst war (besonders für C.G. Carus und C.D. Friedrich) eine Form der Erkenntnis auf diesem Wege. Schließlich schloss sich der Bogen um 1905 mit den Brücke-Malern, die in Gemeinschaft mit anderen im leidenschaftlichen Ausdruck ihr Innerstes ekstatisch sichtbar machen wollten. Die Ausstellung ist ein lebendiges Beispiel für eine Kunst, die sich mit dem Geistigen der Formen und Farben auseinandersetzt. Wassili Kandinsky war davon überzeugt, dass jede Form einen inneren Klang besitzt: "Alles hat eine geheime Seele, die öfter schweigt als spricht... auch jeder ruhende und jeder bewegte Punkt (Linie)."

Meta Keppler (sie lebt und arbeitet in Coswig bei Dresden) "trägt mit ihrer Kunst die Spiritualität mitten ins Leben". Ihre gebauten farbigen Objekte vereinigen sich zu einer geistigen Gesamtheit aus Formen und Farben, die in der Arbeit "So ist es" ihren Höhepunkt findet. Ein zarter goldener Bogen fängt eine Anordnung von drei blauen Quadraten auf, die einen goldenen Kreis behütend umgeben. Die Konstruktion ist nach oben hin offen und ragt somit ohne Grenze gewissermaßen in den Kosmos hinein. Der Schriftzug an der Basis des Bogens erdet die Komposition und gibt ihr einen Sinn, der als Formel die Existenz umschreibt.

Martin Weyers (lebt in Ludwigshafen am Rhein) ist "auf der Suche nach einer Bildsprache, die einem tieferen Verständnis von Natur und Geist gerecht wird" (Katalog). Schwerpunkte seiner Arbeiten sind Malerei und Radierung. Seine Bilder bewohnen Fabel- und Mischwesen aus Pflanze, Vogel und Mensch. Manche davon sind mythische Baumformen, Barken und weite Meeresstrände in skurrilen, gleichnishaften Verbindungen, bei denen "die konventionellen Trennlinien zwischen Ich und anderem, Figur und Raum aufgehoben sind".

Das Werk von Michael Evers (er lebt und arbeitet in Kassel) ist zwischen Abstrakte und Figürlichkeit gespannt. Eine zarter, impressionistischer Farbauftrag spricht von der Zerbrechlichkeit des Lebens, aber auch von seiner Kraft. Die Malerei ist schemenhaft und hat einen "konzeptuellen, naturphilosophischen Hintergrund" (Katalog). Malen ist für ihn ein Prozess, in dem die gleichen Gesetze gelten wie in der Natur. Licht und Schönheit werden zu Symbolen einer geistigen Kraft, die der Künstler atmosphärisch auf das Bild überträgt.

Mit seinen bemalten, seltsam geformten Spanplatten geht Raimer Jochims (lebt bei Frankfurt am Main) eine Verbindung aus mythischer Form und spiritueller Farbigkeit ein. Das Bild wird zur Formel und zum Zeichen einer eigenwilligen geistigen Symbolik, zum emblematischen Formenzeichen eigenen mentalen und körperlichen Befindens.

Andreas Bromba (geb. 1967 in Wiesbaden, lebt und arbeitet in Berlin) widmet sich in seiner "Mystischen Serie" der Fotografie von Kirchen und Monumenten. Die "blauen" Pyramiden ebenso wie die in ein fast religiöses Blau getauchten mystischen Räume und Skulpturen spiegeln das Geheimnis von Kultur und Leben, die erstarrte Formen und Artefakte der Geschichte sind. Die Fotografie "Kirche in Ostpreußen" (Mystische Serie, 2013) verherrlicht die Monumentalität der Architektur im Zusammenspiel mit dem elementar einbrechenden, fast fühlbaren, alles überflutenden Licht. Licht wird hier zur Ausdrucks-Form des Geistigen, das mit dem mystischen Dunkel der Architektur korrespondiert und erst dadurch gesteigert wahrnehmbar wird.

Im "geistigen Zentrum" des Ausstellungsraumes erregt eine intelligente Installation aus Büchern, Spruchband und Spiegel die Aufmerksamkeit des Betrachters: Oben stehen Bücher mit kunstphilosophischen Themen von der Antike, über die Romantik bis heute im Kreis, halb sich öffnend, geheimnisvoll wie von fremder Hand behütet. Das spiralförmige Spruchband wird erst bei dem sich über den Rand der Stellfläche Beugen entzifferbar. Die Bücher der 20-teiligen Schriftenreihe unter dem Arbeitstitel "Schriften zur Verteidigung der Kunst", die in der Edition AQUINarte script-und bilderwerkstatt (Gerald Aschenbrenner und Sabine Hunecke) 2014 erschienen sind, haben "das schöpferische Prinzip in der Kunst" (also das geistige) zum Gegenstand, das nach Joseph Beuys den Menschen in die Freiheit führt. Die elementaren Aspekte und Prinzipien der Kunst umfassen Kräfte und Ideen, Chaos und Ordnung, Freiheit und Kreativität, sowie das geheimnisvolle Zusammenspiel von Inspiration, Imagination und Intuition.

Bis 10. Januar. Galerie des Neuen Sächsischen Kunstvereins e.V.: Kunstraum Dresden - Schützenplatz 1. Die-Fr 15-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr. Vom 24.-27.12. sowie am 31.12. und 1.1. ist die Galerie geschlossen. Ab Januar: Di-Fr 14-18 Uhr, Sa 10-14 Uhr. Tel. 0351/4943 383. www.saechsischer-kunstverein.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.12.2014

Heinz Weißflog

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