Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Erst designiert, dann geschasst: Serge Dorny zeichnet im Interview noch einmal seine Sicht auf die Semperoper Dresden

Erst designiert, dann geschasst: Serge Dorny zeichnet im Interview noch einmal seine Sicht auf die Semperoper Dresden

Erst die Freude, dann die Ernüchterung, nun das Gericht. Die kurze Geschichte von Serge Dorny als Fast-Intendant der Semperoper ist eine voller Missverständnisse.

Voriger Artikel
Blick nach Osten: Staatskapelle Dresden mit russischer Saison
Nächster Artikel
Dresdner Komponist Sven Helbig schreibt Reformations-Oratorium

Serge Dorny

Quelle: Sebastian Kahnert

Kurz vor dem heutigen Gütetermin am Arbeitsgericht Dresden zu den Umständen der Kündigung und eventuellen finanziellen Forderungen sprach Joachim Lange für die DNN mit dem Belgier.

Frage: Herr Dorny: Wie geht es Ihnen mit Blick auf Dresden?

Serge Dorny: Ich bin schon enttäuscht, dass ich Ideen und Projekte, die ich für die Semperoper entwickelt und begonnen habe umzusetzen, nicht verwirklichen konnte. Es hat sich aber gezeigt, dass die Mittel dafür einfach nicht da sind.

Meinen Sie das finanziell oder strukturell? Man hatte als Beobachter den Eindruck, dass die Rolle der Sächsischen Staatskapelle ganz unterschiedlich beurteilt wurde?

Ich meine die Struktur. Mir ging es darum, an einem Mehrspartenhaus mit Oper, Ballett und Orchester zu arbeiten. Die Semperoper war für mich eine der Referenz-Institutionen in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Man muss aber auch ehrlich sagen, dass sie das schon lange nicht mehr ist. Schaut man nach den wichtigen und großen Häusern in Deutschland, dann sieht man nach München, nach Frankfurt oder nach Stuttgart. Dresden kommt in dieser Liste leider nicht vor. Man hätte aber das Potenzial, um zu diesen Spitzenhäusern in Deutschland und in Europa zu gehören!

Wegen ihrer Tradition und Struktur?

Die drei Sparten sind das Kapital und ein riesiges Potenzial. Genau hier liegen die Mittel, die man mobilisieren muss, um wieder eine eigene Handschrift des Hauses zu entwickeln. Dabei sollte jede der Sparten die anderen stärken. Also, dass beispielsweise Dirigenten, die die Staatskapelle dirigieren, auch in der Oper dirigieren würden. Wann man diese Möglichkeiten nicht wirklich nutzten kann, dann vergibt man sich eine fantastische Chance.

Dem Projekt, das Sie der Findungskommission vorgestellt haben, wurde doch zugestimmt - oder?

Ich war vor der Findungskommission und gegenüber dem Verwaltungsrat sehr deutlich, was die Analyse der Institution betrifft. Sowohl was die aus meiner Sicht existierenden Schwachstellen, als auch was das Potenzial betrifft. Man hat diesem Projekt zugestimmt! Als es um den Vertrag und die Kompetenzen des Intendanten ging, habe ich, obwohl alles klar im Vertrag steht, dennoch nachgefragt, ob es neben der geltenden Verwaltungsvorschrift und der Geschäftsordnung Konflikte mit bestimmten Kompetenzen geben könnte, die an Dritte (also vor allem an Herrn Thielemann) bereits vergeben sind. In meinem Vertrag gibt es lediglich nur einen Verweis auf seinen.

Kannten Sie den Vertrag von Christian Thielemann?

Auf Nachfrage wurde mir im August mitgeteilt, dass der Vertrag des Chefdirigenten grundsätzlich der Geheimhaltung unterliege, für die notwendigen Abgrenzungen aber die Kenntnis eines entsprechenden Paragrafen in dessen Vertrag ausreiche. Da geht es um die rechtzeitige Abstimmung von Terminen zwischen Oper und Kapelle, um Überschneidungen von Spielplan und Konzertkalender zu vermeiden. Und um das Recht des Chefdirigenten, im Einvernehmen eine Premiere und eine Wiederaufnahme pro Spielzeit für sich auszuwählen und da auch bei der Auswahl der Sänger und der Regieteams mitzubestimmen. Das ist ganz normal, und das akzeptiere ich natürlich auch.

Wo ist es nun zum Bruch gekommen?

Ich will ganz deutlich sagen, dass ich Herrn Thielemann als Musiker und als Dirigenten sehr schätze. Daran ändert sich auch jetzt nichts. Die Sache ist nur die, dass ich ein institutionelles Projekt umsetzen wollte. Entscheidend ist für mich dabei, was für die Institution gut ist. Und zwar jeden Tag und nicht nur ab und zu. Es hat sich aber gezeigt, dass daran leider nicht alle interessiert waren. Mein Eindruck war, dass Herr Thielemann lediglich an seinem Orchester und an seinen Projekten interessiert ist. Und beim Orchester habe ich das Gefühl gehabt, dass es Oper nur als Pflichtprogramm absolviert. Ich bin nicht sicher, ob das Orchester wirklich zu dieser Institution gehören will. Und das ist das Problem.

Und für genau für dieses Konfliktfeld gab es keine klaren Regelungen?

Es ist so, dass das Orchester wie eine autonome Institution organisiert ist. Es ist eigentlich ein Staat im Staate. In Dresden ist die Staatskapelle aber eine der Sparten. Wenn man das nicht will, muss man die Geschäftsordnung ändern.

Sie meinen also, es gibt eine Praxis, die von dem abweicht, was auf dem Papier steht?

Ja, und ich verstehe das alles. Nur hätte man mir das sagen müssen. Von Anfang an.

Es sind ja inzwischen auch böse Worte gefallen von beiden Seiten...

Wenn man behauptet, dass ich das Betriebsklima verschlechtert hätte, dann hat sich meine Reaktion darauf doch sehr an den Fakten orientiert. Oder? Ich habe bei den Mitarbeitern jedenfalls eine große Hoffnung gespürt. In den ersten Monaten haben wir wirklich sehr gut zusammen gearbeitet. Wenn jetzt von schlechtem Klima die Rede ist, dann sollte man keine falschen Argumente gebrauchen. Wenn es heißt, ich hätte der Semperoper international geschadet, dann muss man doch mal nachfragen: Wo und womit? Auf die Probleme, die ich sah, habe ich nur die Ministerin aufmerksam gemacht und ein Mitglied des Verwaltungsrates. Ab und zu habe ich noch mit dem Geschäftsführer Herrn Rothe darüber gesprochen. Sonst habe ich mit niemandem darüber gesprochen. Auch anderswo nicht. Wenn man also so etwas sagt, dann muss man auch konkret sein.

Kommen Sie zu dem anstehenden Gerichtstermin nach Dresden?

Gegen die Kündigung habe ich eine Klage eingereicht. Wir wollen mal sehen, was jetzt passiert. Das ist jetzt Aufgabe der Anwälte.

Es gab jetzt einen offenen Brief in Lyon, in dem Sie angegriffen werden...

Es ist ein anonymer Brief. Man weiß nicht mal, ob der wirklich aus dem Haus kommt. Es ist schon bemerkenswert, dass das eine Woche vor den Wahlen passiert ist. Ich wundere mich, dass die Presse solche Briefe jetzt publiziert.

Würden Sie überhaupt zurück nach Lyon wollen?

Die Antwort liegt nicht bei mir. Das muss der Verwaltungsrat für die Zukunft entscheiden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.03.2014

Joachim Lange

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr