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Eröffnung der 2. Auflage der Humorzone in der Dresdner Schauburg

Ein bisschen Spaß darf sein Eröffnung der 2. Auflage der Humorzone in der Dresdner Schauburg

Bei der zweiten Auflage der Humorzone in Dresden treffen sich Comedians aus der ganzen Republik. In der Schauburg wurde das Festival mit einem Warm up eröffnet.

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Quelle: Amac Garbe

Dresden. Wie das Englische, so weist auch das Deutsche ein F-Wort auf, das man besser nicht benutzt, schon aus Gründen des Anstands. „Fuck“ zu sagen, geht bei den Amis eigentlich gar nicht, hierzulande ist das heikle F-Wort „fett“. Nun ist Chris Tall vielleicht (noch) nicht wirklich fett, dicklich trifft es eigentlich besser, aber er selbst bezeichnet sich so – und es ist nicht der einzige Tabubruch, den er beim Warm up der Humorzone am Mittwochabend in der Schauburg begeht, auch wenn er dieses Mal keine Behindertenwitze reißt, wofür er gerade eben von diesen Behinderten geliebt wird, die es zu schätzen wissen, wenn sie nicht mit Samthandschuhen angefasst werden. Sie sind überwiegend der Meinung, dass es eher diskriminierend sei, jemanden wegen bestimmter Eigenschaften oder Merkmale aus der allgemeinen menschlichen Kommunikation auszuschließen. Also her mit den Witzen über Schwarze oder Schwule? Die Diskussion läuft.

Ein bisschen, wenn auch indirekt, wird das Thema auch in der Humorzone verhandelt, in die um die 70 Kabarettisten, ob nun Platzhirsch oder Newcomer, ob vom Typus her eher der hintersinnige Welterklärer oder vordergründige Possenreißer, Dresden für fünf Tage verwandeln. „Man darf auch mal lachen müssen!“ lautet das indirekte, von Schirmherr Olaf Schubert ausgegebene Motto. Nun gehört es – vor allem aus Sicht des Auslands – nicht gerade zur deutschen Kernkompetenz, Spaß zu haben. Das weiß auch der durch die Mix-Show führende und die Gäste anmoderierende Klaus-Jürgen „Knacki“ Deuser, der letztlich überzeugend beteuert, dass es legitim sei, eben diesen Spaß zu haben. Zumal in Zeiten wie diesen, wo der Kölner Deuser in seiner Heimatstadt schon mal Menschen trifft, die klagen: „Ich kann das nicht verstehen: Da schicken wir die Tornados nach Syrien, dabei bräuchten wir die am Hauptbahnhof!“

Wie auch immer: Lachen musste man auf alle Fälle mit und über Chris Tall, der mal abgesehen vom eigenen Übergewicht vor allem über seine unterdurchschnittlichen Leistungen auf der Schule thematisiert. Er und eine 2 in Mathe? Das ist doch wie Putin auf dem Christopher Street Day! Können Eltern cool sein, fragt der preisgekrönte Nachwuchs-Comedian. Antwort: Ja, aber wenn der eigene Vater wie ein 14-Jähriger redet, ist das nicht cool, sondern oberpeinlich.

Eröffnet wurde der Abend von Hans-Hermann Thielke, der zumindest vom „geschmackvollen“ Pullunder her Olaf Böhme in nichts nachsteht. Er versicherte u.a., dass er ein leidenschaftlicher Autofahrer sei, aber aufgrund einer einstweiligen Verfügung leider derzeit seinen Ford Fiesta nicht nutzen könne. Ein Marder hat es sich im Motorblock bequem gemacht, in der Logik von Naturschützern ist sein Auto nun Lebensraum für eine bedrohte Tierart. Er, Thielke, habe zwar eine Klage auf Eigenbedarf eingereicht, aber ...

Erstaunlich mäßig überzeugend war der Auftritt von Rainer König als Hexe Baba Jaga. Dieser PR-Act in eigener Sache für Teil 6 der Baba-Jaga-Sage, die im September Premiere haben wird, wirkte wie ein Fremdkörper. So gern man dieses der Inquisition entronnene Exemplar sonst sieht, hier war man froh, dass die Sache schnell vorbei war. Da war der Situationsbericht von Sybille Bullatschek zum sensiblen und gern verdrängten Thema Altenpflege von anderem Kaliber. Bei aller Komik, etwa wenn man erfährt, dass sich im Seniorenheim „Sonnenuntergang“ die Bandidos und die Rollator Angels irgendwo zwischen Nord- und Südkorega erbitterte Kämpfe liefern, wird es am Ende dieses Appetithäppchens (es waren eben immer nur kurze Auszüge, die Künstler aus ihrem jeweiligen Gesamtprogramm präsentierten konnten) doch mehr als nur unterschwellig ernst. Altenpflege? Den Job will keiner machen. Nicht nur die Bezahlung, sondern auch das Image sind schlecht. Letztlich legt Bullatschek den Finger viel mehr in eine offene Wunde der Gesellschaft, als so mancher, der Billig-Witze von der Stange über die politische Kaste reißt.

Den Schlusspunkt bei diesem spaßmäßig rundem Warm up setzten die Lokalmatadoren Cordula Zwischenfisch und Ines Fleiwa, auch bekannt als Zärtlichkeiten mit Freunden, die hier „in der Schauburg bei den Zecken“ so manche Pointe zu setzten wussten, auch wenn die Komik mitunter sehr bizarrer Natur war, etwa wenn nach Spötteleien immerhin darüber Einigkeit erzielt werden konnte, dass es „verschiedene Arten gibt, die Zeit zu sagen, je nachdem wie spät es ist.“ Nur Erzgebirger mussten tapfer sein. An Sätzen wie „Fünf Tage Wandern im Erzgebirge! Das war so sinnlos!“ haben nicht nur Tourismusdirektoren und Imageberater schwer zu kauen.

Von Christian Ruf

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