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Erlesene Kammermusik: Im August lädt wieder das Moritzburg Festival ein - Ein Gespräch mit dem künstlerischen Leiter Jan Vogler

Erlesene Kammermusik: Im August lädt wieder das Moritzburg Festival ein - Ein Gespräch mit dem künstlerischen Leiter Jan Vogler

bis 25. August 2013 findet das Moritzburg Festival statt. Insgesamt 21 Veranstaltungen gibt es an Spielstätten in Moritzburg, Proschwitz und Dresden.

Vom 10.

Vor 20 Jahren wurde das Kammermusikfestival von den Cellisten Jan Vogler und Peter Bruns und dem Geiger Kai Vogler gegründet und kann heute auf eine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte verweisen.

Frage: Das Festival gibt es seit 20 Jahren. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz aus?

Jan Vogler: Ich bin ein bisschen stolz, das Festival lebt und bringt vielen Menschen Freude. Ich habe viel Arbeit und Energie hinein investiert, hatte aber immer das schöne Gefühl, dass ich nicht allein war. Es war von Beginn an ein wirkliches Gemeinschaftsprojekt, das macht es besonders für mich.

Haben Sie sich 1993, als das Festival erstmals stattfand, schon vorstellen können, wie es im Jahr 2013 aussehen wird?

Nein. Wir haben uns damals einfach ins Abenteuer gestürzt und hatten alle Hände voll zu tun, den Moment in der Hand zu haben. Wir hatten ja keine Erfahrung, wie man ein Festival veranstaltet. Und es ergab sich sofort eine ungeheure Dynamik, die hat uns in Atem gehalten.

Sind alle Träume wahr geworden, gab es auch Enttäuschungen und Abstriche?

Das Moritzburg Festival ist wirklich eine glückliche Geschichte, künstlerisch kann ich mich an keinen schwachen Jahrgang erinnern. Organisatorisch gab und gibt es immer wieder Herausforderungen, besonders erinnere ich mich an die Neuausrichtung 2001. Wir hatten zum ersten Mal ein Büro angemietet und eine Geschäftsführerin engagiert - das hat den Erfolgsdruck erhöht, war aber eine ganz wichtige Entscheidung. Die damalige Geschäftsführerin Ulrike Jessel hat das Festival dann professionell international vernetzt, Mandy Sickert und Jana Reißmann führen diesen Kurs heute mit viel Engagement weiter.

An welche Momente der vergangenen 20 Jahre erinnern Sie sich ganz besonders?

Vor allem an besondere Aufführungen. Wenn die Chemie unter den Interpreten stimmt, entstehen bei allen beteiligten Glücksgefühle. Sehr inspirierend war die Arbeit mit Thomas Adès und seinem verrückt schweren Klavierquintett. Ich erinnere mich auch an einzelne Tage, an denen das musikalische Pensum so groß war, dass wir von früh bis kurz vorm Konzert praktisch ohne Pausen probten. Dann standen wir da und dachten: Wo soll jetzt noch die Energie für den Auftritt herkommen? Die kam dann irgendwie doch, und plötzlich trug uns die faszinierende Schönheit und Spannung der Musik. Oft waren dies die besten Konzerte.

Wie hat sich die Finanzierung des Festivals bis heute entwickelt, auf welche Mittel aus welchen Quellen können Sie zurückgreifen?

Die Finanzierung ist für den Träger- und Förderverein eine große Verantwortung. Das Budget ist kontinuierlich gestiegen, nicht zuletzt durch die Gründung der Festival Akademie. Wir haben schon viele großzügige private und staatliche Förderer und Sponsoren, arbeiten aber ständig daran, den Kreis der Menschen zu erweitern, die die Zukunft des Festivals finanziell absichern.

Wie viele Zuhörer haben Sie in den bisherigen Jahren insgesamt gehabt?

Das lässt sich nicht so pauschal sagen, es ist jedes Jahr unterschiedlich - je nachdem, in welchen Spielstätten mit welchen Platzkapazitäten wir spielen. Im Durchschnitt sind es ca. 7000 Konzertbesucher pro Jahr. 

Welche Wünsche haben Sie für die kommenden Jahrgänge?

Das Wichtigste ist, die Frische zu erhalten. In Moritzburg geht es nicht um größer, bekannter oder glamouröser. Ein wichtiges Element ist auch die Internationalität des Festivals. Verschiedene Arten des Musizierens treffen in der idyllischen Atmosphäre von Moritzburg aufeinander, das bringt immer wieder Überraschungen und neue Ideen. Ich hoffe, dass wir das Festival in den nächsten Jahren langfristig finanziell absichern können, das ist das vielleicht wichtigste Ziel neben der künstlerischen Arbeit.

Werden Sie das Jubiläum in diesem Jahrgang besonders würdigen?

Ja, wir erinnern uns an viele Highlights der letzten Jahre und blicken auch mit einer kleinen Ausstellung im Schloss darauf zurück. Das Wichtigste ist jedoch, das Jubiläum mit viel Vitalität musikalisch zu feiern, gemeinsam mit unserem wunderbaren Publikum.

Welche künstlerischen Höhepunkte gibt es 2013?

Wolfgang Rihm als Composer-in-Residence fällt mir zuerst ein. Er war bereits 2001 einmal beim Festival, wir freuen uns sehr auf die Arbeit mit ihm. Die Galakonzerte bekommen in diesem Jahrgang ebenfalls eine besondere Bedeutung, denn an diesen Abenden werden wir sicher mit unseren Stammgästen viele Erinnerungen austauschen.

Jungen Nachwuchsmusikern wird im Rahmen des Festivals die Begegnung und Zusammenarbeit mit der berühmten Geigerin Midori ermöglicht. Warum haben Sie gerade diese Musikerin eingeladen, und was, denken Sie, wird sie ganz besonders intensiv den jungen Musikern vermitteln können?

Midori hat neben dem Geigenspiel eine zweite Leidenschaft: Die pädagogische Tätigkeit. Wenn ich sie treffe, spricht sie fast nur von ihren Studenten in Los Angeles oder ihrem Musikprogramm in New Yorker Schulen. Sie ist für die Studenten doppelte Inspiration, mit ihrem eigenen Spiel und im Dialog in der täglichen Arbeit an den Instrumenten. Das Orchester der Festival Akademie wird unser Festkonzert in der Gläsernen Manufaktur bestreiten, dirigiert von Eric Jacobsen, dem jungen Leiter des New Yorker Orchesters "The Knights". Außerdem gestalten die jungen Musiker unser Familienkonzert, wofür wir diesmal ein ganz besonderes Thema und den dazu passenden Ort ausgesucht haben: Das Musikstück "Der kleine Prinz" von Niels Frédéric Hoffmann wird in den Elbe Flugzeugwerken aufgeführt. Ich freue mich auch auf die "Lange Nacht der Kammermusik": Nach dem Orchesterprojekt stellen sich die Teilnehmer der Festival Akademie dort in kleinen Besetzungen vor.

Interview: Kerstin Leiße

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.07.2013

Kerstin Leiße

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