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Enttäuschender Abend mit Anne Clark in der Dresdner Reithalle

Konzert Enttäuschender Abend mit Anne Clark in der Dresdner Reithalle

Es funktioniert nicht. Leider. Anne Clark, die große Poetin der elektronischen Musik der Post-Punk-Zeit, hat sich ja seit ihren gigantischen Erfolgen Mitte der 80er Jahre immer wieder neu erfunden, ist sich dabei stets selbst treu geblieben. Meist hat sie dann mit ihren neuen Angängen auch neue Fans gewonnen.

Dresden. Es funktioniert nicht. Leider. Anne Clark, die große Poetin der elektronischen Musik der Post-Punk-Zeit, hat sich ja seit ihren gigantischen Erfolgen Mitte der 80er Jahre immer wieder neu erfunden, ist sich dabei stets selbst treu geblieben. Meist hat sie dann mit ihren neuen Angängen auch neue Fans gewonnen; so interessierten ihre Akustik-Songs aus den 90ern – mit denen sie später auch in Dresdens Lukaskirche gastierte – eine ganz andere Hörerschaft als das düster-elektronische „Sleeper in Metropolis“. In ihrer jüngsten – und wenn man der Ankündigung Glauben schenkt, letzten – Inkarnation hat die gebürtige Londonerin sich mit dem deutschen Sound-Tüftler „herrB“ zusammengetan und präsentiert ihre Stücke zu dessen Computer-Tönen vor Bild-Collagen und Lichteffekten von Rick Kay.

Das stellt sich dann in der Reithalle Straße E so dar, dass man zunächst eine halbe Stunde dumm herumsteht. Unangenehm in einem Club ohne wirkliche Aufenthaltsqualität, angesichts einer angekündigten Anfangszeit – 20 Uhr - , die man eher geneigt war als bare Münze zu nehmen als das übliche 21 Uhr. In dieser Zeit wird dann erst einmal der Projektor am Mischpult aus- und die Bühne eingerichtet, bevor die beiden Musiker Rücken an Rücken in schwarz-weiße Lichtstreifen getaucht erscheinen und die ersten lauten Computerklänge ertönen, man Textstellen wie „If you awake from this event“ ausmacht.

Den ganzen Abend über wird Clarks großartiger Sprechgesang zu leise abgemischt sein, immer übertönt von den wenig innovativen Tönen ihres Partners. Was heißt, dass das Wichtigste der Songs, die poetischen Texte, nicht zur Geltung kommt.

Nun fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, dass Clark nach 30 Jahren etwas anderes machen will als dem Publikum immer wieder die alten Hits in alter Form zu servieren. Es ehrt sie ja geradezu. Dann stellt sich aber die Frage, warum sie nicht konsquent etwas ganz anderes macht. Diese „Wasted Wonderland“-Produktion ist weder Fisch noch Fleisch. Die Musik reicht mitnichten aus, die Leute zum Tanzen zu bringen – auch wenn Einige es immer mal wieder versuchen, die Texte gehen unter. Und die in den Ankündigungstexten gerühmte „Licht- und Videoshow“? Nun ja. Besteht zu Teil darin, das Publikum zu blenden, zum Teil in durchaus interessanten Collagen, deren Bezug zu den Songs jedoch meist unklar bleibt. Was sollen beispielsweise die dreidimensional im Raum erscheinenden Bilder alter Röhren-Fernseher mit „The Night of the Hunter“ zu tun haben?

Der alte Hit „The Power Game“ wird in Stroboskop-Licht getaucht, die bekannten Textzeilen verzögert, zurückgehalten – bis der Song schlichtweg in Langeweile erstirbt. Hier – und nicht beim nicht zu identifizerenden Vorgängertitel wären die Videobilder über den „Third World War“, die Wortspiele mit US – für die Vereinigten Staaten und „wir“ - angebracht gewesen.

Immer mal wieder greift herrB zur akustischen Gitarre. Was man sieht, nicht hört. Musikalisch mit Abstand am interessantesten: „Richtige“ Klaviertöne für „The Sitting Room“; der lyrische Text über ein Paar, das schweigend in einem Raum sitzt, einmal wirklich verständlich. Im Hintergrund Bilder von versteinert aussehenden Bücherregalen.

Anne Clark will noch immer etwas. Sie hat etwas zu sagen. Zeilen wie „I don’t need no Taliban, I don’t need your gods“ mit Bildern von zerstörten Städten machen das deutlich. Hoffen wir, dass sie sich vielleicht doch nicht mit diesem Projekt aus der Musikwelt verabschiedet, sondern ein würdigeres „Goodbye“ folgen lässt.

Von Beate Baum

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