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"Entdeckungen" - Das Konzertjahr 2012 der Singakademie Dresden

"Entdeckungen" - Das Konzertjahr 2012 der Singakademie Dresden

Zählt man alle zusammen, die sich unter dem Dach der Singakademie Dresden in den verschiedenen Ensembles - großer Oratorienchor (mit Kammerchor), Senioren- und Kinderchor - dem gemeinschaftlichen Musizieren verschrieben haben, kommt man auf die stattliche Zahl 280. Damit dürfte die in Dresden beheimatete Singgemeinschaft eine der größten Sachsens und wohl auch Deutschlands sein.

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Ekkehard Klemm

Nun sind Zahlen nicht per se erstes Kriterium, wenn es um Niveau geht, aber in diesem Fall verweisen sie in aller Deutlichkeit darauf, dass hier atmosphärisches Miteinander und künstlerischer Anspruch von großer Anziehungskraft sind. Die Singakademie Dresden hat also ihren Ruf als herausragendes Laienensemble, den sie bereits vor 1989 besaß, über die Zeitläufte retten und noch ausbauen können. Ganz speziell heißt das in diesem Fall zugleich, dass die ungewöhnlichen, die Mitglieder wie das Publikum fordernden Programme Ekkehard Klemms nicht nur innovativ, sondern inzwischen auch zu einem besonderen Markenzeichen des Chorverbundes geworden sind. Prof. Klemm, Rektor der hiesigen Musikhochschule, Dirigent und seit nunmehr acht Jahren Leiter der Singakademie, war zu Beginn seiner Amtszeit angetreten mit dem dezidierten Willen, nicht sattsam Bekanntes immer wieder aufzuführen, sondern Hörgewohnheiten zu durchbrechen, Programme anders zu bauen, Konzerte neu zu gestalten. Es wäre vermessen zu sagen, alle seien ihm mit fliegenden Fahnen von Anfang an gefolgt, aber dass nunmehr die Begeisterung der Choristen für diese Programmatik immer wieder aufs Neue zu spüren und zu hören ist, bestätigt Klemm in seinen Bemühungen.

Also bringt auch das Konzertjahr 2012 unter der Klammer "Entdeckungen" Begegnungen, Reibungen, Ur- und Erstaufführungen; Aufgaben, die das Singen schulen, Herausforderungen darstellen, neugierig machen. Das beginnt mit einem Schlüsselwerk der Chorsinfonik des 20. Jahrhunderts, Frank Martins "Golgotha" [sic]. Der Schweizer Komponist - viele Dresdner werden sich daran erinnern, dass Chorwerke von ihm in der Kreuzkantorzeit Martin Flämigs regelmäßig beim Kreuzchor erklangen, weshalb sie auch Ekkehard Klemm aus seiner Kruzianer-Zeit vertraut sind - bezog sich in "Golgotha" auf Rembrandts berühmte Radierung "Die drei Kreuze". Im Mittelpunkt steht das Passionsgeschehen, ergänzt durch Texte des Augustinus. In Dresden hat übrigens 1962 die ostdeutsche Erstaufführung stattgefunden, zu den Solisten zählte damals neben Peter Schreier Kammersängerin Brigitte Pfretzschner, die heute noch als Stimmbildnerin für die Singakademie arbeitet.

Die Aufführung findet unter Klemms Leitung - und in französischer Originalsprache! - am 30. März in der Dresdner Kreuzkirche statt, es musiziert die Neue Elbland Philharmonie. Zwei weitere Konzerte folgen am 31. März in St. Marien Pirna und tags drauf in St. Nicolai in Döbeln, hierbei stehen jeweils zwei junge Dirigenten am Pult, denn die Aufführung ist auch eine Zusammenarbeit zwischen dem Dirigentenforum des Deutschen Musikrates, der Neuen Elbland Philharmonie und der Singakademie, die damit zum bereits dritten Mal solcherart Nachwuchs in einem Seminar fördert. Möglich wird dies mit Unterstützung durch die Stadt Dresden und die Kulturstiftungen des Freistaates und der Ostsächsischen Sparkasse. Die vier Nachwuchs-"Taktler", die sich hier vor allem auch als Chordirigenten beweisen müssen, sind Lorenzo Da Rio (*1980), Lukas Grimm (*1986), Manuel Pujol (*1982) und Maria Rodriguez Luengo (*1983).

Altes und Neues zusammenzuführen und damit Hörern wie Interpreten neue Erfahrungen zu ermöglichen, ist Klemms Intention. Diesem Gedanken ordnet sich das Konzert am 6. Mai im Palais im Großen Garten unter, dann werden Mozarts "Missa longa" und Franziska Henkes Gitarrenkonzert nach Hesse-Texten - die Uraufführung spielt die junge Komponistin und Gitarristin selbst - mit Johann Rosenmüllers mehrchörigem Psalmwerk "Dilexi" gekoppelt. Der Verlag Dohr, Köln, erarbeitet mit der Rosenmüller-Gesellschaft eine Gesamtausgabe des Werkes des sächsischen Komponisten, die Dresdner Musikhochschule ist unter Leitung von Prof. Michael Heinemann an der Edition beteiligt.

Weitere Höhepunkte des Jahres sind Vesper und Gottesdienst in der Dresdner Kreuzkirche (22./23.9.), wofür Klemm Evangelienvertonungen von Kodaly und Pepping mit Kompositionen Lechners, Schütz' und der Polen Mikolaj Zielenski, Mikolaj z Krakowa, Marcin Paligon und Marcin Leopolita verbindet, sowie die Geistliche Sonntagsmusik in der Frauenkirche (14.10.), deren doppelchörigen Werke aus der Feder von Johannes Brahms, Reiko Füting, Rudolf Mauersberger, Günther Raphael, Robert Schumann und Heinrich Schütz stammen.

Zwei Werke, die sich auf den biblischen David beziehen, erklingen zum Ewigkeitssonntag in der Dresdner Kreuzkirche - der Kreuzchor bringt sein traditionelles Brahms-Requiem bereits eine Woche zuvor, weil er dann am 25. November auf Asientournee ist. Mozarts "Davidde penitente" ist eher selten in Konzertplänen zu finden, ebenso wie "Le Roi David" des französisch-schweizerischen Komponisten Arthur Honegger.

Gastkonzerte der Singakademie in der Stiftsruine Bad Hersfeld gehören ebenso zum Jahresprogramm wie das Treppensingen im Rahmen von "Dresden singt und musiziert" zu den Musikfestspielen im Mai, bevor schließlich der Adventsstern 2012 leuchten wird. Dieses Mal werden dem Credo aus Bachs h-Moll-Messe Wilfried Krätzschmars dann uraufzuführendes Werk "fragmentum" und Benjamin Brittens "A Ceremony of Carols" gegenübergestellt. Mit dem beliebten Chorwerk des britischen Komponisten öffnet sich schon die Klammer zum Britten-Jahr 2013. Im Mai findet dann in Zwickau das 18. Deutsche Chorfestival statt, dabei und anschließend im Herbst 2013 wird die Singakademie Dresden an einer Aufführung des eindrucksvollen "War Requiem" des Komponisten beteiligt sein, dessen 100. Geburtstages gedacht wird.

Sind diese Pläne wie auch die Konzerte des von Claudia Sebastian-Bertsch geleiteten Kinderchores der Singakademie und des von Christiane Büttig geführten Seniorenchores - beide Ensembles erfreuen sich wachsenden Zuspruchs und finden sich auch zu gemeinsamen Auftritten zusammen - im Jahresprogramm fixiert, so steht vor den traditionellen und beliebten Aufführungen von Orffs "Carmina burana" auf der Felsenbühne Rathen und Beethovens 9. Sinfonie zum Jahreswechsel noch ein Fragezeichen; nicht weil der Chor diese nicht singen wollte, im Gegenteil, sondern weil durch die Turbulenzen um das Orchester der Landesbühnen Sachsen und die Neue Elbland Philharmonie die Zusammenarbeit mit den Landesbühnen noch nicht festgezurrt werden konnte.

Mit ihren verschiedenen Ensembles ist die Singakademie ein Musterbeispiel generationenübergreifenden Miteinanders. So wenig Nachwuchsprobleme sie hat - Leiter Ekkehard Klemm ist froh darüber, dass sich auch bei den Männerstimmen (der Mangel an diesen ist die Crux vieler Laienchöre) eine positive Entwicklung und Zuspruch durch Leistungsträger abzeichnet -, so flexibel geht der Chorverein auch damit um, dass ältere Menschen länger und aktiver als je zuvor an kreativer Lebensgestaltung interessiert und dazu fähig sind. Also hat die Singakademie ihre Altersgrenzen durchlässig gemacht und schafft fließende Übergänge zwischen den verschiedenen Altersbereichen. Eine gute Atmosphäre dürfte die Folge sein und eine künstlerische Erfolgsspur, auf der sie sich mit stabil bleibender städtischer Förderung (65 000 Euro pro Jahr, das entspricht 43-47 Prozent des Jahresetas) vorwärts bewegt.

www.singakademie-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.03.2012

Kerstin Leiße

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