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Entdeckt von Fritz Löffler: Heute wird die Dresdner Malerin Ursula Schmidt 80 Jahre alt

Entdeckt von Fritz Löffler: Heute wird die Dresdner Malerin Ursula Schmidt 80 Jahre alt

Die letzte große Entdeckung des Dresdner Kunsthistorikers Dr. Fritz Löffler war die Malerin Ursula Schmidt. Sie lernten sich beide 1983 zu einer Ausstellung im Kabinett der Galerie Kunst der Zeit kennen, zu der Ursula Schmidt Dr. Löffler gebeten hatte, die Laudatio zu halten.

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Ursula Schmidt: Frühlingstag, 2006, Öl auf Leinwand. Repro: Kunstdienst

Ebenso überrascht wie überzeugt, hatte Dr. Löffler aber erst nach der Einsicht der Arbeiten zugesagt. Was schätzte der Kunsthistoriker besonders an Ursula Schmidt? Vor allem war er vom künstlerischen Vermögen der Malerin überzeugt, die schon als junges Mädchen mit ausgereiften Arbeiten auf ihr Talent aufmerksam machte. Außerdem studierte sie in dem von Dr. Löffler benannten "starken Semester" zusammen mit Gerhard Richter (!), Claus Weidensdorfer, Gottfried Körner, Horst Jokusch und Herta Günther von 1951-56 an der HfBK Dresden. Schließlich anerkannte Dr. Löffler Ursula Schmidts Weg zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, der zugleich beides zuließ und in sich einschloss, aber auch ihre Erdverbundenheit im praktischen Leben. 1988 verbrachte Ursula Schmidt viele Stunden am Kranken-und Sterbebett von Dr. Löffler wie "eine späte Tochter" (F.L.), die ihn bei oft vergnüglich-nachdenklicher Unterhaltung zeichnete. Die Zeit des Abschieds wurde für die Malerin zu einer Quelle der Kreativität. Es entstanden 50 mehr oder weniger abstrakte Pastelle mit Tusche auf Japanseidenpapier, die später auf ausdrücklichen Wunsch des Kunstkritikers Eingang in das Kupferstichkabinett Dresden fanden.

Ursula Schmidts Lebensweg ist hart und steinig gewesen. Dreizehn Jahre vor Kriegsende geboren, lebte sie in einer entbehrungsreichen Zeit, die den ganzen Menschen forderte. Die Familie war für sie immer Ausgangs-und Endpunkt ihre Tuns schon als Kind und junges Mädchen, in der Sorge um die jüngere Schwester und im Haushalt. Als sie 1959 heiratete und die beiden Kinder kamen, galt ihre ganze Fürsorge der Familie. Die Kunst musste warten. Die Selbständigkeit als fürsorgliche Mutter und Frau hat ihr ganzes Leben geformt und ihr Kraft gegeben. Wie ein Spiegel ihres späteren Lebens sind auch die Eltern in ihrem Beruf: der Vater Musiker, der die künstlerische Seite vertritt, die Mutter Hebamme, im elementaren Dienst am Menschen.

Ursula Schmidt ist sich und ihrer Kunst treu geblieben: Sie verleugnet nicht die Gegenständlichkeit in ihren Stilleben, Landschaften und Porträts. Dann aber malt sie ihre Erlebnisse, Träume und Fantasien in Schwüngen auf die am Boden liegende Leinwand oder das Papier. Der gestische Schwung und der spontane Farbrausch führen zu einer mal kompakten, mal offeneren, temperamentvollen Malerei. Eingebunden und zum Kokon versponnen oder auch offen schließen sie ihr Innerstes ein. Im Rausch des Verströmens funkeln die Farben wie Lichter auf einem dunklen Lavastrom. Situationen, Erlebnisse, Natur, Allegorien aber auch christliche Themen werden zusammengefasst und kürzelhaft beschrieben. Diese Art der lyrischen Abstraktion, die beinahe informell gestimmt ist und sich verselbständigt, lässt der Fantasie ihren Lauf und beflügelt sie.

In ihrer täglichen schöpferischen Arbeit, die ab 2004 einen Höhepunkt erreichte, wechselte sie immer wieder bewusst das Genre, aber auch die Art der handschriftlichen Fixierung. Die konkrete Zeichnung steht vom abstrakten Ölbild ab, das sie meist durch zunehmende Vergrößerungen des Formates in Aquapastellen angelegt hat. Mal ist es ein Stilleben, ein hübscher Blumenstrauß, ein Porträt oder eine Landschaft, die entstehen. An den abstrakten Bildern aber hängt ihr Herz. Ursula Schmidt begreift das Leben, wie sie selbst sagt, "als ewigen Wechsel harter Wirklichkeit und flüchtiger Träume vom Glück". Sie hat immer versucht, den Dingen auf den Grund zu gehen. In ihrer Kunst nähert sie sich der Wirklichkeit mit einem tiefen Bestreben nach Harmonie und Weltverständnis, nach einer Einheit mit allen Kräften der Natur und des Seins. In ihrem Leben für die Familie, in der Liebe zu ihren Freunden und Wegbegleitern schließt sich der Kreis. Im 80. Jahr kann sie beglückt auf ein reiches Leben zurückblicken. Heinz Weißflog

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