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Englischer Tenor Ian Bostridges sang Bach bei Musikfestspielen in der Frauenkirche

Englischer Tenor Ian Bostridges sang Bach bei Musikfestspielen in der Frauenkirche

Ian Bostridge ist ein Garant für klug zusammengestellte Programme und sehr intellektuelle, gleichwohl aber auch emotional dichte Interpretationen. So kennt man den englischen Tenor seit Jahren, und so war es auch bei dem ernsten Programm in der Frauenkirche, das sich mit dem Gedanken an den Tod als Erlösung von aller Erdenqual befasste.

Dass Bostridge eine sehr persönliche Beziehung zu Bach hat, konnte man nicht nur lesen, sondern man hörte es auch in jeder Phase des Konzertes. Da gab es nichts Vorgefertigtes, nichts Alltägliches. Wenn man sich auf seine sehr spezielle, zuweilen etwas manierierte Art des Singens und Gestaltens eingelassen hat, so ist es ein Genuss, Bostridge zu erleben. Sein markant leuchtender, überaus schlanker Tenor klang weniger fragil als in früheren Jahren (gewisse Schwächen in der Tiefe an diesem Abend waren nicht zu leugnen), ist bodenständiger geworden. Präzise ist seine Artikulation, feinsinnig bis ins noch so kleine Detail seine Gestaltungsansätze.

Die todessehnsüchtige Kantate "Ich habe genug" widmete er dem kürzlich verstorbenen Dietrich Fischer-Dieskau. Dies und der Eindruck, dass sich Bostridge der Inhalte, die er da besang, sehr bewusst war (das gilt für den ganzen Abend), verlieh der Wiedergabe das Gewicht, das ihr zukam. So schrankenlos euphorisch ist die Schluss-Aria "Ich freue mich auf meinen Tod" selten zu hören. Schmerzhafter Ausdruck war der Aria "Mein Verlangen" aus der Kantate 161 eigen; sanft und zart erklang "Der Ewigkeit saphirnes Haus". Mit der wild aufbrausenden, spöttischen Interpretation der Arie "Zerschmettert mich, ihr Felsen" hielt er noch einen besonderen Höhepunkt bereit, dem sich als Zugabe so schlicht und anrührend, wie es sein muss, das Schemelli-Lied "Bist du bei mir" anschloss.

Sorgfältig agierende Partner waren die Spezialisten des Orchestra oft the Age of Enlightment unter Steven Devine. Klang das 4. Brandenburgische Konzert noch ziemlich verzärtelt und zurückhaltend, so blühten die kostbaren Orchesterfarben insbesondere in beiden Sinfoniae zu den Kantaten 169 und 35 so richtig auf, spielte man hoch lebendig. Und mit Bostridge waren die Musiker ohnehin ein Herz und eine Seele.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.05.2012

M.Hanns

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