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Empathiker der Literatur: Der englische Dichter David Constantine liest im Hygiene-Museum Dresden

Empathiker der Literatur: Der englische Dichter David Constantine liest im Hygiene-Museum Dresden

Er ist der große Empathiker der englischsprachigen Literatur, denn Empathie und Zurückhaltung finden in den Gedichten des englischen Lyrikers David Constantine glücklich zusammen.

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David Constantine.

Quelle: Hauke Hückstädt

Die Poesie stellt er sich als eine Art Gegengift zur rein instrumentellen Sprache unseres Alltags vor. Constantine, der in England auch als deutscher Übersetzer von Friedrich Hölderlin und Hans-Magnus Enzensberger bekannt ist, wünscht sich, dass "jedes wahre Gedicht dem merkantilen, privatisierten und verlogenem Umfeld, in welches es, als Sprache, notwendigerweise ausstrahlt", widersprechen möge.

So wie wir sind, spät dran / Brauchen wir vor allem Zugang zueinander, / Hilfe und das Teilen der verbliebenen Quellen.

Als Autoren, die ihn beeinflusst haben, zählt der Brite D. H. Lawrence und John Keats ebenso auf wie den schnörkellosen Thomas Hardy. Bei dem einen mag ihn die Reinheit der Sprache, bei dem anderen dessen bei aller Skepsis empathischer Grundton überzeugt haben. Zeilen wie diese aus dem Gedicht "Das schiere Nichts" kann man sich so auch von Hardy vorstellen: "So wie wir sind, spät dran / Brauchen wir vor allem Zugang zueinander, / Hilfe und das Teilen der verbliebenen Quellen." Kein übles Programm in Zeiten globaler Ressourcen-Knappheit. Ein Zuviel an Empathie bereitet dem Dichter aber auch Unwohlsein: "Ich muss mich an die Nähe halten, oder ich werde unsicher. Ich habe einen Horror vor Kunstfertigkeit", sagt David Constantine.

Klassisch-kunstvoll sind die Verse des 1944 geborenen Lyrikers, der im Brotberuf am Queens College Literatur lehrte. Es ist eine Kunstfertigkeit, die sich weder hervor- noch dem Leser aufdrängen will, die scheinbar leicht daherkommt und doch von großer poetischer Dichte ist. Constantine hat einen Blick für Epiphanien. So wird in seinem Gedicht "Ausschau nach Delphinen" das Warten auf die Meerestiere zum Gemeinschaftserlebnis, aus dem ein Moment reiner Schönheit entstehen kann. Über die Gruppe Ausschau haltender Delphinbeobachter heißt es: "Und jede andere Begierde, / Sah man, fiel von ihnen ab."

Sublimierung versagter Lie-be ist Gegenstand eines an-deren Gedichts, das auf den britischen Reiseschriftsteller Mandeville zurückgreift. Die Rede ist dort von einem Volk ohne Münder zum Küssen, dessen Bewohner "vom Duft der Äpfel lebten, / Und zwar nur davon." David Constantines Gedichte sind auf diskrete Weise aufgeladen von der humanen Idee, dass ein Gedicht im Leser den Sinn für ein freieres, vollständigeres und wahrhaftigeres Leben wecken soll. Selbst die Engel der Kunstgeschichte können uns, meint der Dichter, noch ein wenig Nachhilfe geben. Zwar "ähneln sie uns in vielem, / Sie lesen Zeitung, schauen Nachrichten, / Aber sie vertrauen auf die Flügel der Welt / Auf eine Art, wie es heutzutage keiner von uns tut."

David Constantine, der neben seinem eigenen Schreiben auch als Herausgeber der international wohl bekanntesten englischsprachigen Literaturzeitschrift "Modern Poetry in Translation" arbeitet, ist auf der Insel mittlerweile einer der bekanntesten Dichter seiner Generation. Auf Deutsch ist 2007 unter dem Titel "Etwas für die Geister" (Wallstein Verlag) eine erste Sammlung seiner Gedichte erschienen, übersetzt von Johanna Dehnerdt und Hauke Hückstädt. Aus diesem Buch wird der Autor, der übrigens ein lupenreines Deutsch spricht, am 6. Februar als Gast der Reihe "Literarische Alphabete" des Literaturforum Dresden lesen und außerdem mit dem Moderator Patrick Beck über das empathische Gewissen der Literatur sprechen.

6. Februar, 20 Uhr im Hygiene-Museum Dresden: David Constantine liest aus seinem Buch "Etwas für die Geister".

Die Reihe "Literarische Alphabete" wird gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank und der Landeshauptstadt Dresden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.02.2013

Volker Sielaff

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