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Elton John mit "Nachholkonzert" auf dem Dresdner Theaterplatz

Elton John mit "Nachholkonzert" auf dem Dresdner Theaterplatz

Wer ist Elton John eigentlich? Er begann als Reginald Kenneth Dwight mit einer Band namens Bluesology dem Namen entsprechende Musik zu machen. Er saß bald allein am Piano, mit großen, bunten Brillen - lange bevor so etwas mit Stoffbeuteln und dichten Bärten kombiniert wurde.

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Sir Elton John - der meistverkaufte noch lebende Künstler - spielt am Freitag auf dem Theaterplatz, um das im vergangenen Jahr abgesagte Konzert nachzuholen.

Quelle: PR

Er trug dazu mal einen bunten und mal einen kanarienvogelbunten Anzug. Er war erst bisexuell und dann schwul, lange bevor viele andere Popmusiker bisexuell oder schwul wurden. Die Haare wurden weniger, dann plötzlich wieder mehr, er etablierte das künstliche Haar im künstlichen Umfeld, und niemand regte sich auf. Die Verwandlung gehörte längst dazu. Das einzige, was über die Jahrzehnte blieb, war seine Musik, die Mischung aus trabendem Blues, geschmeidiger Ballade und perfekt arrangiertem Pop.

Man erkennt einen Elton-John-Song einfach sofort: Da ist das klimpernde Klavier, seine warme Stimme und genau so viel Schmelz, um auch als Musical-Song durchgehen zu können. Gefühle XXL, darunter macht er's selten - dafür mal mit ganzem Orchester und mal nur mit einem Keyboard. Nun kommt Elton John wieder nach Dresden und holt nach, was im letzten Jahr nicht in seinen Terminkalender passte: Er spielt mit seiner Band auf dem Theaterplatz. Vor der Semperoper, dem vermutlich musicaltauglichsten Ort der Stadt.

Elton John ist jetzt 67 Jahre alt. Er hat alle Preise abgeräumt, vermutlich alles erreicht, wovon er als kleiner Arbeiterjunge einmal geträumt hat. Er wurde von der englischen Königin zum Sir geschlagen. Aber er ist ein netter, scheinbar lebensnaher Typ geblieben. Er mag Techno und andere moderne Musik, wundert sich aber, wenn die Leute in seinem Publikum ihn durch ihr iPad anschauen. Er engagiert sich für eine AIDS-Stiftung und war 25 Jahre lang Präsident eines englischen Fußballclubs. Und er ärgert sich, dass im Radio nur noch Mist läuft, reagiert also wie so ziemlich jeder andere Mensch, der Musik mag. Nur, dass er dann mal eben eine Firma gründet, die jungen Musikern den Start ins Business ermöglicht. Denn er weiß ganz gut, dass es nicht immer gleich beim ersten Mal klappt, auch wenn man eine klassische Ausbildung mitbringt.

Nach seinem Studium an der Londoner Royal Academy of Music begann er in den frühen 1960ern durch England zu touren, und angeblich kamen öfter nur zehn Leute zu seinen Konzerten. Denen, sagt er, gab er manchmal noch ein Bier aus. Unglaubliche 56 Alben später - und wir reden nur von den Langspielplatten - ist Elton John immer noch unterwegs, vor zehn Menschen spielt er nun vermutlich nur noch, wenn er sich im Kreise seiner Familie einschließt. Er hat, je nach Schätzung, zwischen 450 und 900 Millionen Tonträger verkauft, damit liegt er auf Platz vier, nach den Beatles, Elvis Presley und Michael Jackson. Er ist also der meistverkaufte, noch lebende Künstler. Sarkastisch betrachtet, könnte man trotzdem sagen, dass der Tod ihm gut steht. Denkt man an ihn, denkt man immer auch an Lady Di, nach deren Unfalltod im Jahr 1997 John seinen 1978er-Hit "Candle In The Wind" auf sie umformulierte, den er ursprünglich der toten Marylin Monroe widmete. Es wurde sein allergrößter Erfolg.

Trotz einiger Wiederholungen und der aktuellen Wiedervorlage vom 7. Studioalbum "Goodbye Yellow Brick Road" (2014, Universal/Mercury) zum 40. Bühnenjubiläum, bringt John auch noch Neues raus, wie er 2013 mit "The Diving Board" bewies. Also Neues, das auf der endlosen Linie seiner selbst vor sich hin tänzelt, allerdings ein bisschen melancholischer als frühere Alben. Nummer 55 ist schlicht mit Piano, Bassgitarre und Schlagzeug eingespielt und mal wieder mit seinem Co-Textschreiber Bernie Taupin entstanden, der ihn seit dem ersten Album "Empty Sky" begleitet.

Künstlerische Erfolge, mal von den Fanscharen abgesehen, die zu seinen Konzerten strömen, dürfte Elton John jedoch nicht mehr feiern, dazu gehört seine Musik zu uneingeschränkt in den Soundtrack des bürgerlichen Mittelstands. Doch was für ein wunderbares Gefühl der Freiheit muss das sein, wenn man machen kann, was man will und doch gerade am liebsten den Sohn zur Schule bringt? Übrigens ist Lady Gaga die Patentante seiner beiden Kinder. Das mit dem Verrücktsein überlässt er jetzt einfach der nächsten Genera-tion.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.07.2014

Juliane Hanka

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