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Elke Hopfe im Gespräch über das Zeichnen und ihre Lehrtätigkeit an der Dresdner Kunstakademie

Elke Hopfe im Gespräch über das Zeichnen und ihre Lehrtätigkeit an der Dresdner Kunstakademie

Die Idee zu dieser Serie von Künstlergesprächen entstand, nachdem die Dresdner Kunstakademie den Schriftsteller Volker Sielaff um einen Beitrag zu ihrem 250-jährigen Bestehen gebeten hatte.

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Elke Hopfe im Oktober 2010 im Oktogon der Hochschule für Bildende Künste, wo eine Ausstellung ihrer grafischen Werke den Abschied als HfBK-Professorin begleitete.

Quelle: Dietrich Flechtner/Archiv

Er wollte einige von denen, die als Künstler oder Lehrkräfte oder beides prägend für diesen Ort der Künste waren oder es bis heute sind, treffen und ihnen zuhören. Elke Hopfe ist, wie sie von sich selbst sagt, eine "richtige Zeichnerin". 2010 erhielt sie für ihr künstlerisches Wirken den Kunstpreis der Landeshauptstadt Dresden. Aber sie war auch 23 Jahre eine Lehrende, 18 davon als Professorin für Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Über beides, ihre Kunst und ihre Lehrtätigkeit, gibt sie im Gespräch mit Volker Sielaff nun Auskunft.

Frage: Sie gehören zu den wenigen Künstlerinnen, die, angefangen von ersten Studienjahren ab 1965 bis hin zu Ihrer Emeritierung 2010, ohne größere Unterbrechungen an der Hochschule für Bildende Künste erst gelernt und dann selbst gelehrt haben. Wie war die künstlerische Situation Mitte der 60er Jahre an der Schule, und wen haben Sie dort angetroffen?

Elke Hopfe: Wir waren zwölf Studenten für Malerei / Grafik, davon vier Frauen, heute ist das ja fast umgekehrt. Ich habe mich von Anfang an für Zeichnung interessiert, das war ganz früh da bei mir. Beworben in Dresden habe ich mich wegen Hans Theo Richter, von dem ich in einer Zeitung eine Mutter-Kind-Litho gesehen hatte. Als ich dann dort zu studieren anfing, hörte Richter gerade auf. Aber Kretzschmar und Rudolph waren noch da, und im Sommer kam immer noch der Otto Dix, um bei Ehrhardt Lithographien zu drucken. Und dann kam auch Gerhard Kettner von der Pädagogischen Hochschule an die Akademie.

Hat Kettner besondere Impulse geben können? Wie waren seine Lehrmethoden?

Unbedingt. Er war es, der uns an die klassische Moderne heranführte, an Giacometti, Picasso, Henry Moore oder Miro. Kettner ging es immer ums Bild. Er zeigte uns Dias und erklärte dann am Beispiel, warum etwas gut war an einer Zeichnung. Auch die Alten waren ihm wichtig, Rembrandt beispielsweise.

Haben Sie Ausstellungen besucht?

Wenn, dann waren das, zumindest was die großen Künstler angeht, meistens Grafikausstellungen. Malerei eigentlich kaum, denn dafür waren die Versicherungssummen für die Bilder viel zu hoch. In Berlin sahen wir allerdings einmal Cezanne und waren zuerst enttäuscht. Denn seine Bilder waren in den Kunstbänden immer sehr bunt abgedruckt. Cezanne ist ja sehr verhalten. Mag sein, dass der Farbwert der Bilder durch ihr Alter auch etwas zurückgegangen ist, aber dennoch: Das war schon überraschend für uns. Wir entdeckten: Aha, so ist das Original. Kettner hat uns unheimlich viele Anregungen gegeben.

Wie lief in den 60er Jahren ein ganz normaler Studententag an der Hochschule ab?

Um acht haben wir angefangen. Mit Pausen dann bis abends um sechs. Wir haben sehr introvertiert studiert damals, und das Formatdenken war sehr wichtig. Wie ordnet eine Figur sich im Format ein? Dort sind ja die großen bildnerischen Fragen. Später war ich bei Günther Horlbeck, der sehr von Kandinsky beeinflusst war. Bei ihm ging es dann auch mehr um graphische Dinge. Ich hatte Glück, und man brauchte ja nicht allzu viel Geld in der DDR, um zurechtzukommen.

Gerhard Kettner, bei dem Sie von 1976-79 Meisterschülerin waren, ist es dann auch gewesen, der Sie an die Hochschule zurückgeholt hat, nachdem Sie zwölf Jahre freischaffend in Gera tätig waren...

Ja, das waren Günter Tiedeken, Johannes Heisig und vor allem eben Gerhard Kettner, die mich fragten, ob ich als Lehrkraft zur Verfügung stehen würde. Ich war schon glücklich, dass ich wieder nach Dresden konnte. Ich wurde "Oberassistent", so hieß das damals. Mit Siegfried Klotz zusammen - wir kannten uns gut - war ich für das Grundstudium verantwortlich.

Sie haben insgesamt 23 Jahre gelehrt. Wie schnell merkt man als Lehrer, ob ein Schüler Talent mitbringt?

Ich finde, als Lehrender muss man sich weglassen. Man darf nicht sagen: der gefällt mir, der nicht. Man sollte alles sehen. Ich bin psychologisch rangegangen, ich wollte sehen, wie einer als Person ist, wie er reagiert: Ist er langsam, ist er schnell, ist er laut? Natürlich muss ich ihnen auch eine Arbeitsdisziplin beibringen am Anfang.

Kann eine Kunstschule auch schaden?

Das kann sein. Manchmal kann sie auch einem Lehrer schaden. Wenn man lehrt, muss man abgeben. Da muss man auch ein Maß dafür finden, wie viel ich von mir abgeben darf - an Kraft. Es gibt Lehrende, die davon in die Knie gehen. Und den Schülern schadet man, wenn man zu pauschal bewertet, was sie tun. Wenn man nur sich selber lehrt, sie also Dinge machen lässt, die nicht zu ihnen passen. Man sollte von seinem eigenen Menschsein ausgehen, die jungen Leute sehen lassen.

Halten Sie heute noch Kontakt zu einigen Ihrer damaligen Schüler?

Ja, zu den meisten, die bei mir Meisterschüler waren, habe ich noch Kontakt. Zu Lutz Bleidorn oder zu Tanja Pohl, um nur zwei zu nennen. Mich interessiert auch, was die machen. Korrektur gebe ich dann nicht mehr, weil ich der Meinung bin, wenn ich sie nur ein oder zweimal im Jahr sehe, kann ich sie nicht sehr stören in ihrer Arbeit.

Stimmt es, dass Sie für Ihre eigene Arbeit nie Farbe benutzt haben?

Als Studentin habe ich gemalt. Aber ich bin eine richtige Zeichnerin! Mich interessiert Farbe nicht.

Warum nicht?

Ich sehe ja Farbe. Ich drücke das mit Grauwerten aus: ein weiches Grau, ein hartes Schwarz, ein weiches Schwarz, eine hingehauchte Linie, das ist auch farblich! Ich kann Ihnen da eine schöne Geschichte erzählen. Als ich einmal mit meinem kleinen Sohn einen Schwarz-Weiß-Film sah, sagte der plötzlich zu mir: Schau mal, die Frau mit dem roten Mantel. Ich dachte erst, was hat er denn jetzt mit dem roten Mantel? Aber natürlich kann man ein warmes Rot auch in Schwarz-Weiß ausdrücken.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.02.2014

Volker Sielaff

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